Düren - Die „Sonnenschein-Kinder“ stehen Mitten im Leben und in der Gesellschaft

Die „Sonnenschein-Kinder“ stehen Mitten im Leben und in der Gesellschaft

Von: Gudrun Klinkhammer
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Ramona Wolski (links) und Alexa Schnohr leiten die Selbsthilfegruppe „Sonnenschein-Kinder“. Foto: gkli

Düren. „Lange habe ich gesucht und nichts gefunden, dann dachte ich: Mit meiner sechsjährigen Erfahrung kann ich auch selbst eine Gruppe gründen.“ Ramona Wolski ist Leiterin der Selbsthilfegruppe „Sonnenschein-Kinder“ und Mutter von vier Kindern.

Die ersten drei Kinder kamen ohne Handicap zur Welt, auch beim vierten Kind wurde der damals 40-Jährigen von den Ärzten versichert: „Sie bekommen ein gesundes Kind.“ Das vierte Kind von Ramona Wolski ist jedoch ein Kind mit Down-Syndrom.

„Der liebe Gott entscheidet, wer ein Kind bekommt, bei dem das 21. Chromosom dreifach vorhanden ist, und wer nicht“, sagt Ramona Wolski. Doch auch wenn die erfahrene Mutter um die Besonderheit gewusst hätte, sie sagt: „Ich bin absolut gegen Abtreibung, es sei denn, es liegt eine ganz dramatische oder gar lebensgefährliche Situation vor.“

Inzwischen ist Xenia acht Jahre alt und besucht die Christophorus-Schule in Düren. Sie bewegt sich mit absoluter Selbstverständlichkeit mitten im Leben und in der Gesellschaft und ist sehr beliebt. Ihre Mutter sagt: „Die Anfangszeit war schwer. Was mir half, waren die Tipps einer Kinderärztin und die Frühförderung der Lebenshilfe. Zudem habe ich selbst zum Thema viel gelesen und viel gefragt.“ Xenia, schwärmt die Mutter, sei ein besonders freundliches und empathisches Kind, das sehr gerne lacht.

Alexa Schnohr ist die stellvertretende Gruppenleiterin. Ihre Tochter, ebenfalls ein Kind mit Down-Syndrom, ist heute drei Jahre alt. Das Kind war ein Wunschkind, die Mutter bei der Geburt gerade mal 25 Jahre alt. Eine Fruchtwasseruntersuchung stand daher nicht zur Debatte, bei den Ultraschalluntersuchungen zeigte sich alles unauffällig.

Kurz nach der Geburt erfuhren die Eltern von der Gegebenheit. Alexa Schnohr erhielt Hilfe vom ärztlichen Leiter der Kinderstation des Krankenhauses und von der Hebamme. Schnell baute sie Kontakte auf, etwa zu Ramona Wolski und den derzeit sieben Familien der Selbsthilfe-Gruppe „Sonnenschein-Kinder“.

Inzwischen ist die junge Mutter soweit, dass sie sich noch ein weiteres Kind wünscht. Schnohr: „Meine Tochter ist ein gut entwickeltes Down-Syndrom-Kind, sie ist zum Beispiel nicht infektanfälliger als andere Kinder auch.“ Das Schöne in der Selbsthilfe-Gruppe sei zum einen der Austausch der Eltern untereinander. Das Verständnis sei groß, ebenso der Erfahrungsschatz.

Egal, ob es um gute Fördermaßnahmen, Pflegegeld oder Befreiungskosten geht, die Gruppenmitglieder tauschen sich auf unkomplizierte und freundschaftliche Art und Weise aus. Ebenso auf einer Wellenlänge befinden sich die Kinder. Wolski: „Die Chemie unter den Kindern stimmt einfach.“

Die Kleinen spielen sofort miteinander und verstehen sich ausgezeichnet. Und auch die Geschwisterkinder, die die körperliche Besonderheit nicht aufweisen, werden schnellstens integriert. Was die erfahrenen Frauen wissen: „Die Mütter müssen auch mal an sich denken, die dürfen sich und die Familie nicht vergessen.“

Alexa Schnohr beispielsweise hat für drei Stunden pro Woche eine Betreuung engagiert. In diesen drei Stunden kümmert sie sich bewusst um die Dinge, die ihr außerhalb der Erziehung und Begleitung ihrer Tochter wichtig sind. Als problematisch beschreibt sie die Suche nach einem integrativen Kindergartenplatz.

Zum Thema Inklusion sagen beide Frauen: „Viele sind mit dem Thema in der Praxis überfordert.“ Gut geschultes Personal sei unabdingbar, um Inklusion in die Tat umzusetzen. Wolski: „Schwierig wird es auch, Down-Syndrom-Kinder an normalen Schulen unterzubringen. Selbst dann, wenn man einen Integrationshelfer mitbringt.“

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