Die Schützen aus Morschenich feiern ihren Weggang aus dem Ort

Von: Anne Wildermann
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Freuen sich auf das große Fest-Wochenende (v. l.): Schützenkönigspaar Anke und Ralf Jansen, stellvertretende Schriftführerin Rosemarie Zander und Präsident Engelbert Linck. Foto: Wildermann
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Das Foto zeigt das Schützenheim, das in den 80er Jahren von den Mitgliedern selbst erbaut wurde. Foto: Wildermann

Morschenich. Es wird ein emotionales Wochenende, ein emotionales Fest. Das wissen die Mitglieder der St.-Lambertus-Schützenbruderschaft jetzt schon. Es wird das letzte Schützenfest in ihrem alten Ort sein. Es wird künftig keine traditionellen Umzüge mehr durch die Straßen und Gassen im festlichen Ornat geben.

Keine Dorfbewohner und Schaulustige, die dem Königspaar zujublen. Schuld daran ist der Braunkohlebagger, der immer näher rückt. Die Einwohner müssen umsiedeln, mit ihnen die Lambertus-Schützen und ihr Brauchtum.

Doch so einfach hinwerfen und die Koffer packen, wollen die Vereinsmitglieder nicht. Zum Schluss wollen sie es noch mal richtig krachen lassen und feiern ihren Abschied vom alten Dorf und ihren Neubeginn im neuen Dorf vom 9. bis 12. Juni ausgiebig „Das ist schon ungewöhnlich“, sagt Engelbert Linck (70), Präsident der Schützen. „Wir warten nämlich kein weiteres Jahr, um dann unser Fest mit unserem Prinzenpaar in Morschenich-Neu zu veranstalten“, ergänzt er.

Linck sitzt mit Rosemarie Zander (63), stellvertretende Schriftführerin, und dem aktuellen Prinzenpaar Anke (43) und Ralf Jansen (45) im Schützenheim. Der selbst errichtete Bungalow mit seinen Fenstern und Metalltüren aus zweiter Hand, mit eingebauter Theke und Schießanlage wird nicht mitziehen, er wird, wenn es soweit ist, abgerissen. Nur einige Pokale, Urkunden, Plaketten und andere Auszeichnungen werden in den neuen Räumen im neuen Ort aufgestellt oder an die Wand genagelt. Natürlich auch das große, grünfarbene Wappen auf dem der Heilige Lambertus, der Schutzpatron der Schützen, prangt.

Während der Feierlichkeiten hat er seinen großen Auftritt und wird Samstagabend im Festzelt in Morschenich-Neu hängen. „Zuvor gibt es eine Messe. Mit Fahnen in der Hand werden wir uns vom alten Ort verabschieden und mit ihnen durch den Wald in den neuen Ort wandern“, erzählt Schützenkönigin Anke Jansen. Für sie wird der Abscheid nicht leicht – auch nicht für ihren Mann. „Meinen Enkeln kann ich nie mehr zeigen, wo ich einst groß geworden bin und gelebt habe“, sagt sie. Sie wird an dem langen Festwochenende weinen, da ist sie sich ganz sicher. Dennoch freut sie sich auch auf den Neubeginn im neuen Ort. Dort wohn sie schon seit eineinhalb Jahren und ist angekommen.

Ihr Mann ist gespannt, wie es mit dem Bruderschaft weitergehen wird. Eine gewisse Skepsis kann er nicht verhehlen. „Sonntags, sehr früh morgens, macht unser Tambour-Chor während des Schützenfestes traditionell den Weck- und Lockruf. Da wird es etwas lauter. Ich hoffe nicht, dass künftige Dorfbewohner dagegen protestieren und generell gegen unser Brauchtum sind“, sagt er. Mit den künftigen Bewohnern meint er diejenigen, die nicht aus Morschenich-Alt stammen. Denn einige freie Grundstücke in Morschenich-Neu werden an jeden verkauft, der sich dort niederlassen will. Linck wiegt ab. „Ich bin davon überzeugt, dass es keine großen Schwierigkeiten geben wird. Natürlich wird sich die Gemeinschaft neu aufstellen, aber ich freue mich auf die Arbeit und darauf, neue Mitglieder anzuwerben.“

Austritt wegen Umzug

Auch wenn die Schützen sich bei insgesamt 119 Mitgliedern und einer an die 20 Mitglieder starken Jung- und Schülerschützenschaft (Drei- bis 18-Jährige) nicht beschweren können, wissen sie heute schon, dass die Zahl kleiner werden wird. Der Grund: Nicht alle Schützen aus Morschenich-Alt sind nach Morschenich-Neu gezogen. Einige wollten sich woanders niederlassen. „Wie lange werden die noch Mitglieder sein?“, fragt Jansen. Er ist sich sicher, dass auf Dauer und je nach Entfernung diese Schützen aus der Bruderschaft austreten werden.

Seine Frau glaubte zunächst an keine innige Dorfgemeinschaft, als sie mit der Familie umsiedelte. Aber es kam anders. Plötzlich leben kleine Traditionen wie das Adventsfenster mit Glühweintrinken und Weihnachtsgebäckessen wieder auf. „Die Gemeinschaft wächst in anderer Form wieder zusammen“, sagt Rosemarie Zander. Die Nachbarschaft wurde neu gemischt und man unterhalte sich mit Bewohnern, die man zwar schon lange kenne, aber nie richtig, ergänzt sie.

Rosemarie Zander selbst hat sich auch dafür entschieden, nach Morschenich-Neu zu ziehen. Sie ist die letzte von den Anwesenden, die noch umsiedeln muss. Ihr Bungalow soll in diesem Jahr fertig werden. Die Option, zu ihrer Tochter nach Baden-Württemberg zu ziehen, war letztlich keine. „Hier habe ich meine Freunde, hier ist mein Schützenverein, hier sind meine Bekannten“, sagt sie.

An die 600 bis 700 Gäste werden am Wochenende erwartet. Das Besondere: Befreundete Schützenbruderschaften, unter anderem aus Bayern, haben sich ebenfalls angekündigt. Bezirksbruderschaften, insgesamt sind es 18, inklusive der Lambertusschützen, vom Bezirksverband Düren-Nord feiern ebenfalls mit. „Seit 2008 wurde das schon vereinbart“, erinnert sich Anke Jansen. „Selbst wenn es nicht viele Schützenbruderschaften gibt, die wegen der Braunkohle umsiedeln müssen, so haben die übrigen viel Verständnis und Empathie für uns“, sagt sie.

Die neue Unterkunft der Schützen existiert noch nicht. Es soll ein Mehrzweckgebäude errichtet werden, in dem auch andere Vereine unterkommen. Dennoch bekommen die Schützen eigene Räume, allein schon wegen des Schießstandes. „Ende 2018 muss das Gebäude stehen“, betont Linck. Aber ein endgültiges Datum stehe nicht fest. Von möglichen Platz- und Raumkonflikten will niemand sprechen und alles weitere auf sich zukommen lassen. Eine Variante, die künftig nicht mehr möglich ist, ist die, Räumlichkeiten für private Feiern zu vermieten. Die Gemeinde wird Eigentümerin des Gebäudes sein.

Sobald die Schlüssel für das alte Schützenhaus an RWE übergeben werden, dürfen die Vereinsmitglieder das Haus grundsätzlich nicht mehr betreten. Ab dem Tag bleiben die grünen Fensterläden für immer geschlossen.

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