„Die Rede des Königs“ überzeugt im Haus der Stadt

Von: Bruno Elberfeld
Letzte Aktualisierung:
5200328.jpg
Sprachtherapeut Lionel Logue, gespielt von Steffen Wink, lässt Herzog Albert unter seiner Frau Elizabeth Atemübungen machen. Foto: bel

Düren. Menschen mit Handicaps oder Beeinträchtigungen – so ist seit Jahren die neue Sprachregelung in Deutschland für Menschen, die ein körperliches, geistiges oder psychisches Defizit haben oder mehrfach behindert sind – haben es überall schwer. Stotterer haben es besonders schwer in unserer Gesellschaft. Sie können ein Lied davon singen, wie sie in Kindheit und Jugend von Gleichaltrigen gehänselt wurden.

Einschlägige Witze über Stotterer garantieren immer wieder Lacherfolge. Schlimm wird es für Menschen mit diesem Sprechfehler, wenn sie öffentlich auftreten müssen. Der verängstigte Schüler in der letzten Bank lebt dauernd in der Angst, von der Lehrerin aufgerufen zu werden. Das alles musste Bertie – Herzog von York, gespielt von Götz Otto, der spätere König George von England, über sich ergehen lassen. Hänseleien seines Bruders David, dem Prince of Wales, waren an der Tagesordnung. Doch was tun, wenn David (Herbert Schäfer) wegen seiner Affäre mit einer verheirateten Amerikanerin abdanken muss und Bertie, der Stotterer, an seine Pflicht, die Übernahme der Königswürde, gemahnt wird? Ein Stotterer bei der Thronrede oder gar vor dem Mikrofon der BBC mit einer Rede zur Lage der Nation? Das geht gar nicht.

Bertie und seine Frau Elizabeth, die Herzogin von York (Daniela Kiefer), finden einen australischen Sprechtherapeuten. Lionel Logue (Steffen Wink) ist ein erfolgloser Schauspieler, der in die Rolle eines professionellen Sprechlehrers hineingewachsen ist. Der königliche Stotterer und Lionel verstehen sich zunächst nicht. Es dauert sehr lange, bis der Herzog Zutrauen zu Lionel findet, der letztendlich doch mit seinen ungewöhnlichen Methoden Erfolg hat, so dass Herzog Albert schließlich vor einem Mikrofon der BBC als King George VI. in einer Rede seine Untertanen im Krieg gegen Hitlerdeutschland zur Geschlossenheit mahnt.

Das Stück „Rede des Königs“ ist eingebettet in den konkreten geschichtlichen Hintergrund der britischen und europäischen Geschichte. Der Vater Alberts, König George V. (Harald P. Wieczorek) stirbt, sein Sohn David übernimmt als Edward VIII. das Königsamt, muss aber abdanken, weil er die schon mehrmals verheiratete Amerikanerin Wallis Simpson heiratet. Das Schauspiel von David Seidler spielt vor einem ernsten, von geschichtlichen Fakten gestützten Hintergrund. Die Zeit ist ernst, die dunklen Wolken des Zweiten Weltkriegs überschatten auch das Inselreich. Der drohende Krieg und das persönliche Leiden Herzog Alberts lassen die Zuschauer mitleiden. Der Autor jedoch lockert die Spannungen durch humorvolle Sätze und überzogene Gestik und Mimik.

Die Dialoge zwischen den Brüdern Bertie und David sind lustig. Das Auftreten Churchills (Harald P. Wieczorek), seines Gegenspielers Cosmo Lang, Erzbischof von Canterbury (Christian Claaszen) und des Premierministers Stanley Baldwin (Herbert Schäfer) geraten zu Meilensteinen britischen Humors, der die Gäste im Haus der Stadt immer wieder befreit auflachen ließ.

Die Schauspieler, durch Film und Fernsehen bekannt, waren ohne jede Ausnahme gut. Mit Engagement und Professionalität präsentierten sie in spärlicher Kulisse Theater auf sehr hohem Niveau. Ein ernst-vergnüglicher Abend.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert