Die Rationen bei der Dürener Tafel werden kleiner

Von: Sarah Maria Berners
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Hadji Pirel das Leila (l.) übersetzt die Erklärungen von Edith Becker, Vorsitzende der Tafel, für Asylbewerber. Foto: smb

Düren. „Wir teilen das, was wir haben“, sagt Edith Becker. Auch die Dürener Tafel hat aufgrund des enormen Zuzugs an Flüchtlingen viel mehr Kunden zu betreuen. „Jede Woche haben wir 40 neue Anmeldungen“, beschreibt die Vorsitzende die Situation seit Ende August. Normalerweise seien es zehn bis 15 Anmeldungen.

Rund 140 Haushalte versorgen die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Tafel an jedem der vier Ausgabetage mit Lebensmitteln. „Die Zahl der Tafel-Kunden ist deutlich gestiegen, die Menge an Lebensmitteln, die uns zur Verfügung stehen, ist aber gleichgeblieben“, erklärt Edith Becker. Zukäufe seien laut Bundessatzung der Tafeln nicht zulässig, nur gespendete Lebensmittel dürfen weitergegeben werden.

Von Verteilungskämpfen, wie sie bei anderen Tafeln geschildert werden, spricht man in Düren aber nicht. „Wir merken aber schon, dass der Unmut wächst, es wird schon mal etwas gemeckert. Die Leute haben Hunger und sie nehmen jetzt weniger Lebensmittel mit nach Hause“, sagt Edith Becker.

Aber die Dürener Tafel mache keine Unterschiede. Wer bedürftig sei, werde von der Tafel im Rahmen des Möglichen unterstützt. Ein Aufnahmestopp ist an der Rur noch kein Thema. Gleichwohl zeigt Edith Becker Verständnis dafür, dass das Limit irgendwann erreicht sein kann. „Solange es geht“, werde man in Düren so weitermachen wie bisher. Aber auch die Belastungen für die Ehrenamtler sind gestiegen.

Nicht nur wegen der Menge der Lebensmittel stehen die Tafeln vor Herausforderungen. „Ein ganz wichtiges Thema ist die Kommunikation“, sagt Edith Becker. Verständigungsschwierigkeiten seien an der Tagesordnung. In vielen Fällen behelfe man sich mit Händen und Füßen. Um den neuen Kunden zu erklären, wie die Tafel funktioniert, engagiert sich auch eine ehrenamtliche Dolmetscherin, die arabisch und kurdisch spricht, bei der Tafel.

Hadji Pirel das Leila ist selbst vor sechs Jahren aus dem Irak nach Deutschland gekommen, mehrmals pro Woche besucht sie Deutschkurse. Sie erklärt den Neukunden, dass sie sich anmelden müssen und wie genau das geht. Denn mit Händen und Füßen ist dieses System nur schwer zu erklären.

So darf jeder Kunde nur einmal in der Woche kommen, der Anfangsbuchstabe des Nachnamens bestimmt die Uhrzeit. Ein Rotationssystem sorgt dafür, dass jeder Kunde mal früher kommen darf und in einer anderen Woche später dran ist. Das Team lernt derzeit stets hinzu: „Bei den Syrern, die einen großen Teil unserer neuen Kunden ausmachen, beginnen viele Nachnamen mit dem Buchstaben A. Auf diesen Andrang waren wir zunächst nicht vorbereitet“, erklärt Becker.

Und es gibt noch weitere Herausforderungen: Hadji Pirel das Leila ist Kurdin und Jesidin, gehört also einer religiösen Minderheit an. In ihren Übersetzungsgesprächen sind ihr Menschen anderer Religionen schon abweisend begegnet, haben sogar ihre Hilfe abgelehnt. Das kann die Irakerin nicht verstehen: „Mensch ist Mensch. Die Deutschen machen keine Unterschiede zwischen Syrern, Irakern und Afghanen. Das sollten auch wir, die hier Hilfe suchen, nicht tun.“

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