Die radikale Lösung: Häuser abreißen

Von: Franz Sistemich
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Alltägliche Begegnung: An der Ecke Hauptstraße/Mühlengasse in Kreuzau kommen diese beiden Lkw kaum aneinander vorbei. Foto: Sistemich

Düren. Tägliches Bild in Kreuzaus Ortszentrum: Schwere Lastwagen zwängen sich Zentimeter um Zentimeter aneinander vorbei.

Zwischen Bahnübergang an der Hauptstraße und Niederauer Mühle, besonders zwischen Sparkasse und Papierfabrik, müssen Brummifahrer ihre Fähigkeiten am Steuer unter Beweis stellen.

Manchmal reicht die Straßenbreite der Mühlengasse nicht. Dann weichen sie über den Bordstein aus, um das Nadelöhr nicht vollends zu verstopfen. Kreuzauer Bürgern ist der zunehmende (Schwerlast-)Verkehr in diesem Bereich ein Ärgernis. Und auch die Anwohner der Maubacher Straße in Winden stöhnen.

Kreuzaus SPD kam da ein Antrag der Firma Metsä Tissue recht. Der Hygiene-Papier-Hersteller hat bei der Bezirksregierung in Köln für sein Werk in Kreuzau eine Kapazitätserhöhung von 410 auf 600 Tonnen pro Tag beantragt.

Den Genossen schwante Böses. „Mehr Produktion gleich mehr Lkw” befürchteten sie und wandten sich noch am Tag vor der Kommunalwahl in einem Flugblatt ihres Bürgermeisterkandidaten auch in diesem Punkt und mit Angriffen gegen die Union an die Bevölkerung.

Im Bau- und Planungsausschuss bekamen sie deshalb am Dienstagabend Kontra - von der CDU, die von Wahlkampfgetöse und bloßer Angstmacherei sprach, aber auch von der Firma, deren Werksleiter Gero Kronen sich darüber verwundert zeigte, dass die SPD nicht im Vorfeld mit Metsä gesprochen habe und deshalb auch Wahlkampfabsichten vermutete.

Denn: „Wir wollen mit unserem Antrag einfach nur Rechtssicherheit haben”, sagte Kronen. Die durchschnittliche Tagesproduktion pro Jahr liege unter 400 Tonen. Es gebe allerdings immer wieder Spitzen. Und deshalb habe Metsä Tissue die Erweiterung auf den theoretisch möglichen Wert von 600 Tonnen beantragt.

Das bedeute aber nicht, dass es „signifikant mehr Lkw-Verkehr” gebe, weil die Lkw ja auch schwerer beladen werden könnten. Außerdem werde Metsä die 600 Tonnen nicht erreichen.

Kronen wies auch darauf hin, dass das Unternehmen eine Vielzahl von Maßnahmen ergriffen habe, um die Belastungen durch Lärm, Staub und Lkw-Verkehr so gering wie möglich zu halten. Beispiel: Die Lkw-Fahrer bekommen Zeitfenster vorgegeben.

Einig waren sich die Politiker, dass die Belastungen für die Bürger enorm sind. Und die Lösungen? Die Überlegungen von Bauamtsleiter Siegfried Schmühl: Eine Umgehungsstraße ist utopisch. Also muss der Lkw-Verkehr zügiger durch Kreuzau und Winden geführt werden. Auf der Maubacher Straße könnten Einbuchtungen verschwinden.

Für Kreuzau kam ihm unter anderem eine „radikale Lösung” in den Sinn: Kauf und Abriss von drei Häusern auf der rechten Seite der Mühlengasse, um dieses Nadelöhr zu verbreitern. Und die Verlagerung des Gütertransports auf die Schiene.
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