Düren - „Die Physiker“: Theater-Workshop im Haus der Stadt

„Die Physiker“: Theater-Workshop im Haus der Stadt

Von: Anke Holgersson
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Die Gruppe der Einstein-Darsteller (v.l.): Cedrik Kopitzki, Alpey Elicora, Fee Heinrichs und Lisa Appa (alle 15 Jahre) beim Workshop mit der Theaterpädagogin Marion Kaeseler. Sie bereitet die Schüler der 10. Jahrgangsstufe des Gymnasiums am Wirteltor auf den Besuch des Stückes „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt vor. Foto: Anke Holgersson

Düren. „Was würdet ihr tun, wenn ihr die Weltformel entdeckt hättet?“, fragt die Theaterpädagogin Marion Kaeseler in den Raum. Zack! Mit dieser Frage landen die Schüler eines Deutschkurses der zehnten Jahrgangsstufe des Gymnasiums am Wirteltor mitten im Hauptkonflikt der Figuren aus Friedrich Dürrenmatts Stück „Die Physiker“.

Wie diese fragen sie sich in dem Theater-Workshop, der sie auf die Aufführung des Stückes im Haus der Stadt vorbereiten soll, ob Menschen mit Hilfe einer Formel, die in den richtigen Händen ebenso viel Gutes, wie Schlechtes in den falschen Händen bewirken kann, eher altruistisch oder eigennützig handeln würden.

Die Ideen sprudeln nur so: Einerseits spielen die Schüler Charaktere, die eine gerechte Welt mit Frieden, Geld, Wasser, Strom und Allheilmittel für alle wollen. Einige fügen Typen hinzu, denen eigener Wohlstand genauso wichtig ist wie der Weltfrieden. Und – um der Vollständigkeit und Dramatik willen – es opfern sich auch ein paar Schüler und spielen die Bösen: „Wir wollen die Weltherrschaft und alle Menschen sollen uns mit König ansprechen! Danach lösen wir dann die Konflikte dieser Welt“, sagen sie.

Verantwortung der Wissenschaft

Das ist genau das Spektrum an Motivationen, die dem Zuschauer in Dürrenmatts Farce aus den 60er Jahren begegnen: Der Physiker Möbius spielt den Verrückten, damit die von ihm entdeckte Weltformel nicht in falsche Hände gerät, sondern sicher verwahrt in der „Irren-Anstalt“ versteckt werden kann. Doch gerade dort ist sie vor den Mitpatienten, die sich – angeblich – für Einstein und Newton halten, ebenso wenig sicher wie vor großen Teilen des Personals. Motivation der Raffgier: Wünsche nach Reichtum und Macht.

Dürrenmatt hatte das Stück um die Verantwortung der Wissenschaft vor dem Hintergrund atomaren Wettrüstens und geprägt vom Kalten Krieg zwischen Ost und West geschrieben. Es war nie inaktuell, aber seit der Zeit seiner Entstehung selten so bedeutsam wie in der jetzigen, von Krieg und Terror beherrschten Welt.

In dem drei Schulstunden umfassenden Workshop erhalten die Schüler nicht nur eine inhaltliche Einführung zum Stück. Sie machen Lockerungs- und Sprechübungen, improvisieren Dialoge und die Darstellung von Stimmungen.

Es werden Gruppen gebildet, die die Hauptfiguren Möbius, Einstein, Newton, Inspektor Voß und Anstaltsleiterin Fräulein Mathilde von Zahnd spielen. Schnell zeigen sich besondere Bühnentalente, die den vorgegebenen Text mit eigenen Gags anreichern. So wie Elya Shkolnikov (16 Jahre), der die fiese altjüngferliche Chefin der Anstalt spielt und ihr dabei die sympathische Note andichtet, dass sie auf Männerfang sei: „Ach ja. Neben der Weltherrschaft wäre ein Ehemann auch nicht schlecht.“

Auffrischung

Die Klasse, die von der Lehrerin Stephanie Puchert in Deutsch unterrichtet wird, hatte schon nach den Herbstferien angefangen, Dürrenmatts Theaterstück „Die Physiker“ zu lesen und vor den Weihnachtsferien auch eine –bislang noch nicht benotete – Klausur darüber geschrieben. Die Auffrischung durch Kaeselers Workshop vor dem Theaterbesuch in der kommenden Woche findet sie „genau richtig“.

Workshops für ausgewählte Stücke, die im Haus der Stadt gezeigt werden, sind übrigens kostenfrei. Dieser besondere Service für Schulklassen wird von Düren Kultur finanziert und bei einer Buchung ab 20 Schülerkarten angeboten. Durch den Aufbau der Theaterworkshops, die nicht nur eine Einführung in das Stück, sondern auch eine Einführung ins Theaterspiel enthalten, sind diese sowohl für Schüler geeignet, die den Stoff bereits kennen, als auch für Schüler, die noch nicht so vertraut sind mit dem Stück.

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