Düren - Die Notaufnahmestelle: Dankbarkeit für ein Dach über dem Kopf

Die Notaufnahmestelle: Dankbarkeit für ein Dach über dem Kopf

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
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Die ersten Flüchtlinge sind in der Notaufnahmestelle an der Cornetzhofschule eingetroffen.

Düren. Ein paar junge Männer kicken auf dem Hof der Förderschule eine Runde. Der Ball ist klein, aus Plastik und mit bunten Motiven bemalt. Ein Kinderball eben, eigentlich kaum geeignet. Aber es gibt nur diesen Ball. Und so lässt sich wenigstens ein bisschen Zeit vertreiben. Neben ihnen spielen ein paar Kinder mit einem ferngesteuerten Auto, im Zelt daneben wird gerade das Mittagessen ausgegeben.

Es werden Getränke verteilt. Ein Kran hievt die Sanitärcontainer über die Hecke, über einem Zaun hängen handgewaschene Kleidungsstücke zum Trocknen auf.

Die ersten 46 Flüchtlinge sind am Montagabend in der neuen Notunterkunft in und an der Cornetzhofschule angekommen. Darunter sind 26 Syrer, neun Iraker, mehrere Familien, eine hochschwangere Frau, Menschen aus afrikanischen Ländern und Afghanistan. Auch eine Familie aus Albanien ist dabei. Manche hatten ein bisschen Gepäck in einem Koffer verstaut, „andere hatten nur dabei, was sie am Leib trugen“, beschreibt Sozialamtsleiter Christian Sanfleber die Situation am Montagabend.

Am Dienstagabend sollten weitere 100 Flüchtlinge an der Rur eintreffen. Die Erstaufnahmestellen des Landes sind überfüllt, Alternativen müssen her. Düren ist eine davon. Am Wochenende wurde die entsprechende Infrastruktur aufgebaut (wir berichteten). Feuerwehr, Verwaltungsmitarbeiter, Hilfsdienste, Ärzte, ein Sicherheitsservice und ehrenamtliche Dolmetscher kümmern sich um die Menschen. „Die Sicherheitsleute schützen die Menschen nach außen, sollen bei Schwierigkeiten aber auch innen für Ruhe sorgen“, erklärt Paul Zündorf

In einem Elternbrief und in einem Infoabend für die Klassenpflegschaftsvorsitzenden hat die Schulleitung über die Situation informiert. Der Schulbetrieb wird normal weiterlaufen, der Sportunterricht bald in andere Hallen verlegt werden, bei gutem Wetter wird solange draußen geturnt. „Bitte bedenken Sie, dass die Flüchtlinge dringend unsere Hilfe benötigen, da sie kein Zuhause mehr haben. Wir helfen ihnen, indem wir ihnen ein Dach über dem Kopf gegen. Das ist das mindeste, was wir tun können“, heißt es in einem Schreiben.

So sieht das auch Bürgermeister Paul Larue, heftigen Gegenwind, wie es ihn anderenorts gegeben hat, gebe es in Düren nicht. „Es gibt Fragen, aber in dieser Stadt ist das Miteinander von Kulturen und Religionen eingeübt. Aber wir müssen wachsam sein.“ Die unmittelbaren Nachbarn würden noch über eine Hauswurfsendung über die Lage informiert.

Die Erstaufnahme von Flüchtlingen ist eigentlich Aufgabe des Landes. In die Aufnahmestellen kommen Menschen, die noch keinen Asylantrag gestellt haben. Erst wenn das in Dortmund geschehen ist, werden sie den Kommunen zugeteilt. Wegen des enormen Anstiegs der Flüchtlingszahlen gibt es keine freien Plätze mehr. Die Stadt springt sozusagen ein, die Kosten werden aber vom Land getragen. 650 Flüchtlinge, die bereits einen Asylantrag gestellt haben, leben derzeit in 20 Unterkünften in Düren. Den Regelbetrieb der Dürener Notaufnahmestelle soll künftig ein Wohlfahrtsverband leiten, damit Feuerwehr und Verwaltungsmitarbeiter wieder ihren eigentlichen Aufgaben nachkommen können.

Die Flüchtlinge am Cornetzhof sind dankbar für das, was sie in Düren vorfinden. Für das Essen, für das Dach über dem Kopf. Viele freuen sich schon darauf, Verwandte und Bekannte, die ebenfalls in der Region angekommen sind, zu besuchen. Das dürfen sie ab heute. Erwachsenen steht dafür ein Taschengeld von 30 Euro, Kindern 15 Euro pro Woche zur Verfügung.

Sachspenden können derzeit nicht entgegengenommen werden. Ehrenamtler, die sich mit den Flüchtlingen unterhalten möchten oder sich als Übersetzer engagieren möchten, können sich unter Telefon melden.

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