Die Menschen sollen viel mehr lachen

Von: Fred Schröder
Letzte Aktualisierung:
6182965.jpg
Mit einem Präsent bedacht: Schauspieler Siegfried Rauch (links) las in Merzenich. Foto: Schröder

Merzenich. Statt Traumschiff ein dachloses Kirchenschiff, statt der Kapitänsmütze zwei Bücher auf einem erleuchteten Tisch: Einen etwas anderen Siegfried Rauch als den, der seit 15 Jahren das Fernseh-Traumschiff durch die schönsten Ecken der Erde steuert. „Ja, ich haben die Welt gesehen“, sagt der beliebte Schauspieler, und lässt keinen Zweifel daran, wo er geerdet ist.

In seinem Bauernhof in einem kleinen Ort nahe dem oberbayerischen Murnau, bei seiner Frau Karin und bei den Menschen und in der Gegend, in der aufgewachsen ist. „Mein Paradies“, verkündet er in seiner Lesung, zu der „Merzenich Event“ Siegfried Rauch in die Kirchenruine eingeladen hatte.

Das Ambiente von Alter Kirche und benachbartem Heimatmuseum hat es dem weit gereisten Hobby-Restaurator angetan. „Hier wurde etwas Prächtiges geschaffen; erhaltet es und gebt es an die Kinder weiter“. Sofort war Siegfried Rauch im Thema. Aus dem Jahr 1742 ist sein Bauernhof. „Hier lebe ich meine Architektenträume aus; man darf nicht fertig werden“, verrät er und lässt wissen, dass er gerne Architekt geworden wäre. Aber die Schauspielerei kam ihm dazwischen. Geschickt verband der 81-Jährige Kapitel aus seinem Buch „Käpt’ns Dinner – Geschichten, die mein Leben schrieb“ mit der Schilderung von Episoden jenseits der Kamera. So zum Beispiel, dass er den Bauernhof kaufte, weil der Vermieter seiner Wohnung in dem kleinen Ortsteil von Murnau Kinder nicht besonders liebte. Und der alte Bauer ihm den Hof verkaufte, „obwohl ich im Fernsehen immer Ganoven spielte“.

Oder die Episode, wie Weltstar Steve McQueen mit dem Porsche durch Murnau kurvte und ein junges Mädchen ansprach: „What is the way to Hagen; what ist he way to Siggi?“. Die Oberbayerin fiel fast in Ohnmacht angesichts des weltberühmten Filmstars. Und ebenso spannend wie lustig der Gegenbesuch der Familie Rauch bei Steve McQueen in Los Angeles. Ein originaler bayerischer Christbaum sollte das Mitbringsel sein. Aber die Behörden waren dagegen. Sie hatten einen Christbaum noch nie gesehen, ließen ihn untersuchen und schickten ihn durch die Labors. „Karin hat dann noch gerettet, was zu retten war“. Die Zuhörer erlebten einen Film- und Fernsehstar von der menschlichen Seite. Sie machten sich ein Bild davon, wie Siegfried Rauch seinen Beruf liebt. „Man schenkt den Leuten etwas mit Gefühl; man kommt in die Wohnzimmer, und viele meinen, ich sei tatsächlich der Kapitän“. Durchblicken ließ Rauch auch, wie öffentlich bekannte Schauspieler seien. „Aber trotzdem: Es ist wunderbar, den Leuten Freude zu bereiten“.

Listig verglich Siegfried Rauch den bayerischen Humor mit dem der Rheinländer. Und was Humor im Alpenvorland ist, machte er im zweiten Teil der Lesung deutlich. Die Schlitzohrigkeit des bayerischen Originals Karl Valentin ließ er fröhliche Urständ feiern und verabschiedete sich, vom „Merzenich-Event“-Vorsitzenden Bernd Ohlemeyer mit einem Präsent bedacht, mit einem Wunsch: „Man sollte die Menschen viel mehr zum Lachen bringen.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert