Die Mannschaft versteht Brams‘ Spielphilosophie

Von: Franz Sistemich
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Trainer Anton Brams (links) setzt auf mündige Spieler: Diagonalangreifer Sebastian Gevert ist auch einer, von dessen Erfahrungen der Coach der SWD Powervolleys profitieren will. Foto: Guido Jansen

Düren. Das Jahr 2015 endete für die SWD Powervolleys mit der 1:3-Niederlage gegen Meister VfB Friedrichshafen. Wünschen sich Trainer normalerweise, mit einem positiven Erlebnis ein Jahr zu beenden, so grämt sich Anton Brams nicht.

„Wir haben drei Spiele in sechs Tagen absolviert, haben sowohl bei den Siegen in Budweis und Bühl wie auch gegen Friedrichshafen auf einem konstant hohen Niveau gespielt.“ Obwohl der Coach der SWD Powervolleys nie daran gezweifelt hat, dass sein Team zu Leistungen wie in den drei Partien fähig ist, hat ihn doch eines zum Schluss überrascht: „Wir gingen mental wie körperlich auf dem Zahnfleisch. Aber meine Jungs haben es geschafft, mit dem Kopf den Körper zu zwingen, nicht aufzugeben.“

Wenn es in der kontinuierlichen Entwicklung der SWD Powervolleys zu diesen Leistungen doch einen Zeitpunkt gab, an dem sich Brams sicher war, dass seinem Team der Durchbruch gelungen war, dann war dies das CEV-Pokal-Hinspiel gegen Budweis. 0:2 lagen die Dürener in der Arena zurück. Doch die Heimformation ergab sich nicht in die Niederlage, sondern gewannen noch 3:2. Brams: „Wenn man so will, war das der Wendepunkt.“ Spätestens nach diesem Sieg glaubte das Team endgültig an sich und seine Chancen. Es ist in der Lage, sie im richtigen Moment zu ergreifen.

Die Hoffnung, die Brams im Stillen zu Beginn der Vorbereitung hegte, trog ihn also nicht. Die Spieler zahlten das Vertrauen zurück, das Brams von der ersten Trainingseinheit jedem Einzelnen entgegenbrachte: „Ich habe ihnen sofort klar gemacht, dass ich ihnen 100-prozentig vertraue. Und wenn man seinen Spielern diesen Vorschuss gibt, zahlen sie ihn zurück.“

Zu Beginn der Vorbereitung stand Brams praktisch nur die Hälfte der Spieler zur Verfügung. Erst wenige Tage vor dem ersten Meisterschaftsspiel kehrten die letzten Aktiven von ihren Nationalmannschaften zurück. „Vielleicht war es sogar ein Luxus, dass ich nur mit wenigen Spielern trainieren konnte“, sagte Brams. So bestand die Möglichkeit, sich jedem individuell mehr zu widmen. Mit der Folge, dass sich nicht nur jeder Spieler verbesserte, sondern dass das Trainingsniveau im späteren Verlauf der Vorbereitung noch besser als erwartet wurde.

Gegenüber der Vorsaison hat sich – logischerweise – der jüngste Spieler am besten entwickelt: Dennis Barthel. In allen Volleyball-Elementen hat er sich nach Ansicht nicht nur seines Trainers verbessert: „Als unser Libero Blair Bann wenige Tage vor der Saison zum Kader stieß, war er ob der Leistungsexplosion von Dennis begeistert“, erzählt Brams.

Auch wenn Barthel im Training manchmal noch wie ein „Rookie, ein im Profisport unerfahrener Spieler, agiert: Auf dem Spielfeld benimmt er sich wie ein alter Hase – und das bis jetzt ohne Leistungseinbruch“, lobt Brams. Ein Ende der Entwicklung sieht der Coach nun weder bei Barthel noch bei einem anderen Spieler, noch bei seinem Team. Dieses denkt, sagt Brams, mittlerweile in der Philosophie des Trainers. Maßgeblichen Anteil hatten auch zwei Routiniers: Matthias Pompe, der älteste Spieler, und Jaromir Zachrich, der Kapitän, unterstützten den Trainer auf dem neuen Weg, den die Verantwortlichen der SWD Powervolleys gehen wollten. Modernere Trainingsmethoden waren ein Teil des Wegs. Ein zweiter Aspekt: „Es lohnt sich nicht, sich über das zu ärgern, was ich nicht beeinflussen kann. Also konzentriere ich mich einzig auf das, was ich beeinflussen kann“, hat Brams seinen Spielern eingetrichtert. Ein ganz wichtiger Aspekt: Brams setzt auf mündige Spieler. „Ich möchte ein Team, das so intelligent ist, dass es in einem Spiel Lösungsansätze findet und eine Partie auch selbst führen kann.“ Und es gab diese Partien, in denen Brams dachte: „Wow, diese Situation haben sie auf ihre Weise gelöst.“

Sein Ziel sei es, sagt Brams, auch von den Erfahrungen zu profitieren und so die Mannschaft mehr in die Verantwortung zu nehmen: „Die Mannschaft steht schließlich auf dem Feld.“ Seiner Ansicht des Verhältnisses von Mannschaft zum Trainer steht in Deutschland nach Ansicht von Brams aber oft noch das Ego der Trainer entgegen: „Sie haben Angst, Verantwortung abzugeben.“ Aber es bringe nichts, die Mannschaft während des Spiels in ein Korsett zu zwängen.

Zwölf Tage währte die Pause für die Dürener SWD Powervolleys nach dem Friedrichshafen-Spiel. „Sie war dringend nötig angesichts unserer mentalen und körperlichen Belastung“, sagt Anton Brams. Die Spieler kamen am Montag ausgeruht zur ersten Trainingseinheit. Und brannten vor Tatendrang, wie Brams erfreut feststellte. Dass diese Pause nicht gut tun könnte, glaubt der Trainer indes nicht: „Wir sind jetzt so stabil, dass unser Lauf nicht unterbrochen wird.“

Dies wäre aus Sicht der Powervolleys auch mit Blick auf den CEV-Pokal nicht schlecht: Am 20. Januar erwartet Düren im Viertelfinalhinspiel mit Sir Safety Sicoma Perugia eines der europäischen Topteams.

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