Thum - Die „Löstige Dötzje” aus Thum bauen ihre „Arena”

Die „Löstige Dötzje” aus Thum bauen ihre „Arena”

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
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Selbst ist der Jeck: Am Anfang erschufen die „Löstijen Dötzje” ein Modell, die ganze Arena folgte. Und alles in Eigenregie. Foto: Johnen

Thum. Wenn er daran denkt, wie er von der Karnevalsgesellschaft „Löstije Dötzje” an der Nase herumgeführt worden ist, stehen Günter Tegeler heute noch Tränen in den Augen. Im Sommer des Jahres 2004 war Spatenstich für die Versammlungsstätte der KG, die heute als „Thum Arena” bekannt ist.

Tegeler gehörte zu den Helfern aus dem Dorf, die ehrenamtlich den Bau hochzogen. Er hat geschuftet, geschwitzt - und vermutlich keine Sekunde daran gedacht, dass im fertigen Saal einmal Männer in Strumpfhosen das Regiment übernehmen.

Günter Tegeler erfüllt nämlich ein Kriterium, das eine karnevalistische Tätigkeit nahezu ausschließt: Günter Tegeler ist waschechter Westfale. Dass er für einen Tempel rheinischer Lebensfreude schuftete, das hatte dem Mann kein Jeck gesagt.

Integration mal anders

So war das doch, damals, vor sechs Jahren? Oder, Herr Tegeler? Nun, es stimmt nicht ganz. Und auch Tränen flossen und fließen keine. „Die haben mich aber unter falschen Voraussetzungen gelockt”, sagt Günter Tegeler und zwinkert. Der Berufssoldat, den es nach Thum verschlagen hatte, war felsenfest überzeugt, dass eine „eine Halle für die Gemeinde” gebaut wird. Da wollte er anpacken, helfen, die Menschen kennenlernen, mit denen er Tür an Tür wohnte.

Das hat er mit Erfolg getan, westfälische Prinzipientreue verband sich mit rheinischer Gelassenheit: Der Mann aus Westfalen hat Menschen kennen- und schätzengelernt; und die Arena ist zwar Eigentum der „Dötzje”, steht aber auch allen Bewohnern des Ortes offen.

Die Senioren treffen sich dort, es gibt Skatrunden und ja - natürlich - auch Karnevalssitzungen. Wenn es um die Integration von Neubürgern geht, drückt die Eifeler Ethik-Kommission auch schon einmal ein Auge zu: In Einzelfällen darf geflunkert werden, Hauptsache das Herz sitzt an der richtigen Stelle.

Dass Thum überhaupt an eine Arena gekommen ist, liegt nüchtern betrachtet an der Feuerwehr: Bei einem Fest entstand dort die Idee, doch wieder einen Karnevalszug durch den Ort auf die Beine zu stellen, erinnert sich Rainer Eßer, der heutige Vorsitzende der KG.

Die daraus entstandene Geburt der „Löstije Dötzje” 1995 mag zunächst eine Schnappsidee gewesen sein, doch die jecke Truppe wurde zum Selbstläufer. 1996/1997 gingen die Narren noch zum Lachen noch in den Keller der Grundschule, eine Session später feierten sie im Zelt, auf 8 mal 24 Metern.

In dieser schicksalsträchtigen Nacht offenbarte sich, dass die Karnevalisten auf den Ort zählen konnten: Zahlreiche Helfer nahmen das Zelt komplett auseinander und bauten es wenige Zentimeter entfernt wieder auf.

Das Zelt war später proppenvoll. Zu voll. Zu kalt. Und eigentlich auch von Session zu Session immer ein wenig zu teuer. „Schnell entstand der Gedanke, dass wir ein eigenes Dach über dem Kopf brauchen”, blicken die Karnevalisten zurück. Die Geschichte lehrt den Beobachter: Wenn sich ein Jeck in Thum etwas in den Kopf gesetzt hat, dann wird es auch getan. Gerne auch mit Hilfe aus dem europäischen Ausland, also aus Westfalen.
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