Düren - Die Kunst, sich aus der eigenen Schuld zu lösen

Die Kunst, sich aus der eigenen Schuld zu lösen

Von: Bruno Elberfeld
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Clownin Aphrodite (links) und Trauerbegleiterin Chris Paul überzeugten in der Marienkirche mit einem szenischen Vortrag zur Frage „Macht Schuld etwa Sinn?“ Foto: Bruno Elberfeld

Düren. Als Bühne diente den Darstellern Chris Paul und Clownin Aphrodite alias Ida Paul der Sockel rechts vom Hauptaltar in der Marienkirche.

Die beiden Frauen aus Bonn waren von der Hospizbewegung Düren-Jülich und der Lebens- und Trauerhilfe Düren eingeladen worden, um zu zeigen, wie man in scheinbar ausweglosen Situationen bei der Sterbe- und Trauerbegleitung oder auch in schwierigen zwischenmenschlichen Situationen mit Herz und Verstand reagieren kann.

Auf der Bühne ein mannshoher Karton, mit dem Clownin Aphrodite ein ziemliches „Werk“ hatte, bis er die richtige Position hatte. Stühle, Kissen, bunte Tücher und sonstige Utensilien boten eine überschaubare Kulisse, so dass das Augenmerk der zahlreichen Gäste auf das Tun der beiden Protagonistinnen gelenkt wurde.

An diesem Abend sollte die Frage beantwortet werden, ob „Schuld Sinn macht?“ Geht man mit wachen Sinnen durch die Welt, scheint sie von vielen Männern und Frauen bevölkert zu sein, für die sich diese oder ähnliche Fragen offenbar nicht stellen. „Wir haben keine Schuld!“, lautet ihre Devise. Jedoch in den stillen Kämmerlein, abseits des Scheinwerferlichts, sind die Leiden und Krankheiten zu Hause, die durch Schuld und ihre Begleiterscheinungen verursacht werden.

Zurück auf die Bühne: Der große Karton auf der Bühne ist Symbol für die Schuld, die Clownin Aphrodite auf sich geladen hat. Vor drei Jahren, so der Inhalt des Rollenspiels zwischen ihr und Beraterin Chris Paul, hatte Aphrodite ihre Freundin Arabella verloren. Aphrodite kann keine echte Trauerarbeit leisten, weil sie von ihrer Schuld schier erdrückt wird. Gutes Zureden wie „Du hast keine Schuld“ helfen da nicht.

Chris Paul spielte viele Varianten durch, die auf den Alltagsbühnen dieser Welt stündlich zu erleben sind: Bestrafung der oder des Schuldigen, Selbstbestrafung, Ausreden, jegliche physische oder psychische Gewalt verstärken die Schuldgefühle. Berater und Begleiter einer Schuldverstrickung müssen sich, so konstatierte Trauerbegleiterin und Buchautorin Chris Paul, aus der Verstrickung lösen und sich abgrenzen. Der Blick auf die eigene Lage ist in meditativer Ruhe nötig, um wieder zum echten Mitgefühl für sein Gegenüber zurückzufinden.

In einer Erinnerungsphase

In dem Augenblick (zurück zum Spiel), als Beraterin Chris Paul dieses Mitgefühl gegenüber Aphrodite aktiviert, steigt die Clownin aus dem Karton. Einen großen Teil ihrer Schuld ist sie los. Geblieben sind ihr zwei Gehhilfen, Symbole für Bereiche, die noch nicht abgearbeitet sind. Der Versuch von Chris Paul, diese letzten Schuldgefühle Aphrodites gegenüber ihrer verstorbenen Freundin mit Gewalt auszuräumen, funktioniert nicht. Eine Beraterin müsse, so Chris Paul in einem Zwischenkommentar, nichts wegnehmen, sondern etwas „dazutun“.

Deshalb bringt Paul Gesprächspartnerin Aphrodite in eine Erinnerungsphase. Aphrodite erzählt von Arabella und ihren vielschichtigen Beziehungen zu ihr. Der Sterbebegleiter, der Psychotherapeut, sie alle müssten in ähnlichen Fällen ihre Neugier bewahren, sich erkundigen, Hintergründe erfragen. Geschickt flicht Chris Paul solche Erkenntnisse in die Szenen ein. Auch wenn viele Geschichten im zeitlichen Abstand vom Geschehen zu Legenden würden, so seien diese für den Menschen unter der Last seiner Schuld sehr wichtig, um beispielsweise zu einem lieben Verstorbenen Verbindung zu behalten.

„Das Thema der Schuld ist für viele Menschen ein sehr belastendes“, erklärte Clownin Aphrodite die Gründe für den Auftritt. Im Stück sei ihnen, so glaubt sie, die Balance zwischen Ernsthaftigkeit und clownesker Leichtigkeit gut gelungen. Doch Schuld, zumindest ein überschaubares Stückchen, hat oft den Sinn, so erfuhren die Besucher in St. Marien, Verbindung zu lieben Verstorbenen zu bewahren. Ganz ohne Schuld droht die Verbindung abzureißen.

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