Schmidt - Die Krokodile schwimmen nicht im Rursee: Naturkunde für Flüchtlinge

Die Krokodile schwimmen nicht im Rursee: Naturkunde für Flüchtlinge

Von: Gudrun Klinkhammer
Letzte Aktualisierung:
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Aggi Majewsky (2.v.re.), Uwe Schulte-Michels (3.v.re.), diverse Gruppenleiter und Flüchtling Scheigh Zeelighj (2.v.li.) aus Afghanistan fühlen sich wohl in der St.-Nikolaus-Jugendstätte am Rursee.
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Heribert Rychers hofft, dass das Projekt auch 2017 weiterlaufen kann.

Schmidt. Hoch über dem Rursee liegt die St.-Nikolaus-Jugendstätte. Vor zwei Jahren übernahm die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) im Diözesanverband Aachen das Anwesen. Seit einem halben Jahr werden auch Flüchtlinge beherbergt. Das Projekt für die Menschen aus fernen Kriegsländern lautet „Statt Flucht – ankommen in der Natur“.

Das 110-Betten-Anwesen wurde seit den 1950er-Jahren als Landschulheim für Kölner Schulen genutzt. Seither gehen dort Pfadfindergruppen, Schulklassen, Jugendgruppen, Musikvereine und seit einem halben Jahr auch Flüchtlinge ein und aus.

Eine erste Anregung zu diesem Projekt gab vor zwei Jahren die Frage eines Pfadfinders aus Südamerika, der in Schmidt Station machte. Er wollte wissen: „Gibt es im Rursee Krokodile?“ Diese Frage beschäftigte die Verantwortlichen, denn sie zeigt auf, dass in Deutschland andere Naturgesetze gelten als in fernen Ländern.

Dank einer Landesförderung von rund 50.000 Euro konnte in diesem Jahr in Schmidt in der St.-Nikolaus-Jugendstätte Rursee das Flüchtlingsprojekt, das keinerlei Vorbild hat und somit Pilotprojektcharakter besitzt, umgesetzt werden. In Aufenthalten von einem bis fünf Tagen werden Flüchtlinge zwischen dem achten und 26. Lebensjahr aus Einrichtungen des gesamten Bistums Aachen in Schmidt in Gruppen betreut und in die Natur geführt.

Heribert Rychert, Geschäftsführer der DPSG, sagte: „Das Projekt passt ausgezeichnet zu den Pfadfindergedanken, das ist die Solidarität mit Schwächeren und die Internationalität.“

Bisher wurden zehn Maßnahmen mit 140 Geflüchteten durchgeführt. Uwe Schulte-Michels, der Bildungsreferent, wies darauf hin: „Es ist ein europaweit einmaliges Projekt, und es befindet sich noch ständig in der Entwicklung, da alles neu ausgearbeitet werden muss.“

Aggi Majewsky, für die inhaltliche Durchführung zuständig, erzählte aus der Praxis: „Die Herkunftsländer unserer Teilnehmer sind Afghanistan, Guinea, Syrien, der Sudan und Eritrea.“ Im Vorfeld sprechen sich die Verantwortlichen der Jugendstätte mit den Einrichtungsleitern der jeweiligen Flüchtlingsunterkünfte ab, um optimal vorbereitet zu sein. Aggi Majewsky: „Es ist wunderbar, zu beobachten, was die Natur mit den Menschen macht.“

Sie berichtete von einem Teilnehmer aus Guinea, 17 Jahre alt, Analphabet, der nicht sprechen wollte. Im Kanu auf dem Rursee, fing er plötzlich an zu singen. Er sang auf Französisch von seiner Flucht. Anschließend knüpfte er Kontakte mit Teilnehmern. Ganz nebenher lernen die Flüchtlinge, sich gegen das Klima auszurüsten. Denn Krokodile gibt es im Rursee zwar keine, aber Flip-Flops im Winter ohne Strümpfe, das kann auch unangenehm werden.

Ein Dreh- und Angelpunkt neben dem Rursee und dem Wald ist das Feuertippi auf dem Gelände der Jugendstätte. Majewsky: „Hier wird getanzt, gelacht und die Wärme, die Herzlichkeit und das Licht genossen.“ Bis Ende 2016 wird das Projekt noch laufen, dann hoffen die Verantwortlichen in eine zweite Runde starten zu dürfen.

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