Langerwehe - Die Kroatin und der Franzose: Fußballfans im WM-Ausnahmezustand

Die Kroatin und der Franzose: Fußballfans im WM-Ausnahmezustand

Von: Sandra Kinkel
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Die Vorfreude ist groß: Karolina Herten stammt aus Kroatien und drückt mit ihrem deutschen Ehemann Thomas – natürlich – Luka Modric und Co. die Daumen. Foto: Kinkel
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Philippe Chappes fiebert mit der französischen Nationalmannschaft. Foto: Chappes
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Die U-Bahn-Station „Merode“ im Stadtkern von Brüssel ist dieser Tage fußballmäßig geschmückt. Foto: An Van Hamme

Langerwehe. Am Sonntagnachmittag wird Karolina Herten wieder das rot-weiße Trikot mit der Rückennummer 17, also das Leibchen von Mario Mandukic, anziehen. Die 39-Jährige ist zwar in Deutschland geboren, ihre Eltern sind aber vor Jahrzehnten als Gastarbeiter von Kroatien in die Bundesrepublik gekommen. „Am Anfang des Turniers hatte ich noch zwei Eisen im Feuer“, sagt Herten.

„Und natürlich habe ich auch mit der deutschen Mannschaft gefiebert. Und wie! Aber jetzt schlägt mein Fußball-Herz natürlich für Kroatien. Und das meiner kompletten Familie und Freunde auch. Dafür sorge ich schon.“ Karolina Hertens Vater kommt aus dem Bundesland Dalmatien, die Mutter aus Slawonien. „Da kommt übrigens auch Mario Mandukic her“, sagt die Langerweherin. „Den finde ich toll. Weil der damals zum FC Bayern gegangen ist, bin ich Bayern-Fan.“

Aber zurück zum WM-Endspiel. „Mit dem Erreichen des Finales ist für Kroatien ein Traum in Erfüllung gegangen.“ Zwar hätte das Land sich beispielsweise im Tennis in den vergangenen Jahren an die Weltspitze gespielt. „Aber Fußball ist da noch einmal eine ganz andere Liga. Für die Kroaten ist das eine riesige Sache. Es gibt überall Public Viewing, alles ist geschmückt. Fast kann man von Fußball-Ausnahmezustand sprechen.“

Bevor Karolina Herten am Sonntagnachmittag das Finale guckt, muss ihre Schwiegermutter unbedingt noch eine Kerze in der Kirche anzünden. „Die Kroaten sind zum überwiegenden Teil sehr religiös. Und das mit der Kerze hat beim Halbfinale auch funktioniert.“ Wie das Spiel ausgeht, darauf möchte sich Karolina Herten nicht festlegen. „Ich bin sicher, dass sehr viele Tore fallen“, sagt sie. „Beide Teams haben hervorragende Stürmer.“ Ob es am Ende 3:2 oder 5:4 für Kroatien ausgeht, ist Herten sowieso egal. „Hauptsache, wir gewinnen. Wir haben seit 1998 noch eine Rechnung mit den Franzosen offen. Und die wollen wir morgen begleichen.“

Offene Rechnung

An die offene Rechnung vom WM-Halbfinale vor 20 Jahren kann sich auch Philippe Chappes noch gut erinnern. „Ich war damals schon in Deutschland“, erzählt der gebürtige Franzose, „und habe bei diesem Spiel total mitgefiebert.“ Eigentlich sei er kein großer Fußball-Fan. „Aber die WM- und EM-Spiele gucke ich mir natürlich immer an – vor allem, wenn Deutschland oder Frankreich spielen.“

Der 50-jährige Informatiker ist der Liebe wegen nach Langerwehe gekommen. „Wenn ein Mann aus Südfrankreich sich in eine Frau aus Norddeutschland verliebt und die beiden beschließen, zusammenzubleiben – dann treffen sie sich in Langerwehe.“

Natürlich hofft Chappes, dass seine „Les Bleus“ am Sonntag gewinnen. „Viel wichtiger ist mir aber, dass es ein schönes und faires Spiel ist, bei dem am Ende die bessere Mannschaft als neuer Weltmeister vom Platz geht.“

Auch für die Franzosen sei das Erreichen des Endspiels „eine große Sache“. „Aber ich glaube nicht so groß wie für die Kroaten, sagt Chappes. „Aber trotzdem sind natürlich 20 Jahre nach dem ersten französischen Titelgewinn sehr lange. Da muss ein Zweiter her. “

 

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