Niederau - Die Krise aus der Sicht eines Bankers beim Wirtschaftsforum

Die Krise aus der Sicht eines Bankers beim Wirtschaftsforum

Von: Fred Schröder
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Ein kurzweiler Abend zu einem ernsten Thema: Ex-Deutsche-Bank Chef Hilmar Kopper (Mitte) führte hinter die Kulissen der Finanzwelt. Rechts Lions-Präsident Karl Berger, links Ulrich Stockheim, der das Gespräch mit Kopper führte. Foto: Schröder

Niederau. Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise war das Thema, die politische Aktualität lieferte den Einstieg: „Das Wahlergebnis bedeutet keine dramatische Wende, aber der Kurs wird sich um einige Grade ändern.”

Hilmar Kopper, von 1969 bis 2002 Vorstandsmitglied und zuletzt Generalbevollmächtigter der Deutschen Bank, kommentierte so das Ergebnis der Bundestagswahl und zog beim 14. Wirtschaftsforum des Lions-Clubs Kreuzau-Rureifel die Zuhörer in seinen Bann. Leicht und locker, aber pointiert und mit persönlichen Kommentaren versehen führte er im Schloss Burgau im Zwiegespräch mit dem Wirtschaftsjournalisten und Kommunikationsberater Ulrich Stockheim die rund 200 Besucher in die Hintergründe der internationalen Finanzwelt ein.

Dem erfahrenen Banker, der 1994 in der Schneider-Affäre um die 40-Millionen-Pleite des Baulöwen den Begriff von den „Peanuts” prägte, bieten altbewährte Tugenden immer noch die Basis des Handels. Den Grundsatz vom Sparen in guten Zeiten als Vorsorge für die Not habe die Politik nicht berücksichtigt. „Die Politik muss mehr erklären; sie muss den Bürger mitnehmen”, forderte Kopper, dessen Ehefrau Brigitte Seebacher-Brand, Witwe von Willy Brand, als Politik-Professorin tätig ist. Das Credo Koppers, das auch für die Banken gilt: „Vertrauen schafft man nur mit mehr Transparenz.”

Der 74-Jährige, Mitglied in mehr als einem Dutzend Aufsichtsräten und anderen Gremien, engagiert sich derzeit bei der Rettung der HSB Nordbank, „um einen Beitrag zur Gesundung zu leisten”. Nicht zufrieden ist Kopper mit der deutschen Diskussionskultur. „Die ist nicht gut; da wird gleich der Hammer geholt.” Auch findet der es „typisch deutsch” immer zuerst den Blick rückwärts zu richten. „Bei der Suche nach denen, die den Mist gemacht haben, gerät der Blick nach vorne zu kurz.” Was die Krise der HSB Nordbank angeht, hat Hilmar Kopper eine klare Meinung: Politik raus - Sachverstand rein.

Auch ein Thema im Schloss: Die Bonus-Zahlungen an Bankmanager. „Die haben in der Bundesrepublik nicht zur Finanzkrise beigetragen”, sagte Kopper unter Hinweis darauf, dass „die Festgehälter dramatisch reduziert und durch variable Komponenten ersetzt wurden”. Die Bankenkrise ist für Kopper „eine Krise der Profis, weniger der Kapitalanleger”. Und die staatlichen Rettungsaktionen verteidigt er: „Gerettet wurde das System, nicht die Banken.” Für ihn steht fest: „Man kann sich nicht mehr durch Zäune an der Grenze gegen Finanzkrisen abschotten.”

Im Hinblick auf 20 Jahre Deutsche Einheit erfuhren die Zuhörer noch einige Details. Unter strengster Geheimhaltung führte Kopper im Kreml Verhandlungen mit Russland über den Preis der Einheit: Zehn Milliarden Mark. So viel ließ sich Moskau für den Fall der Mauer zahlen. „Gut angelegtes Geld”, wie Kopper feststellte.
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