Die Kneipe als Kulturtreffpunkt im Dorf

Von: Burkhard Giesen
Letzte Aktualisierung:
13455444.jpg
Gemütlichkeit und kulturelle Vielfalt sind das Rezept von Frank Hamannt, mit dem er seine Kneipe in Vettweiß betreibt. Foto: Burkhard Giesen

Vettweiß. Wenn Jürgen Zeltinger am Samstag die Bühne betritt, dann wird er sich zwar nicht unbedingt wie im Müngersdorfer Stadion fühlen, aber Frank Hamannt, der in Vettweiß die Gaststätte „Bei Hämmer“ betreibt, muss nicht extra für den Kölner Alt-Rocker Zeltinger die FC-Devotionalien auspacken – das gehört für den ehemaligen Fußballer sowieso zur Kneipen-Standardausrüstung.

Zeltinger zu Gast in Vettweiß? Das lässt aufhorchen. Immerhin hat Zeltinger weit über seine Heimatstadt hinaus Kult-Status.

Im Mai 2011 war es, als sich der gelernte Einzelhandelskaufmann Frank Hamannt einen Traum erfüllt: „Ich wollte schon immer eine Kneipe haben.“ In Zeiten, in denen gerade in ländlichen Gegenden Kneipen eher schließen, war es für den 42-jährigen Handelsvertreter ein Wagnis, den Job zu schmeißen und mit einer Gaststätte in Vettweiß einen beruflichen Neustart zu wagen. „In meinem Job kam nichts Neues mehr. Ich wollte etwas erleben und nicht den ganzen Tag nur im Büro vor dem Computer sitzen“, erzählt Hamannt. Also hat er zugegriffen, als die Kneipe in der Gereonstraße in Vettweiß zum Verkauf stand.

„Mir war von Anfang an klar, dass man gerade auf dem Dorf nicht davon leben kann, dass die Gäste zum Bierchentrinken kommen“, sagt er. Das gepflegte Bier für sein Stammpublikum gibt es natürlich auch, ebenso wie der Wirt den engen Kontakt zu den Vereinen pflegt. Aber eben nicht nur. Hamannt steht inzwischen viel mehr für eine besonders breit gefächerte Palette an Kulturveranstaltungen, die man so im ländlichen Raum eher nicht erwarten würde.

Eine Travestie-Show in Vettweiß? Kein Problem für den Vettweißer Wirt. Das läuft inzwischen so gut, dass sie jedes Mal ausgebucht ist und mindestens zwei Mal im Jahr angeboten wird. „70 Prozent der Gäste bei dieser Veranstaltung sind Frauen. Die kommen eher aus Nideggen oder Kreuzau. Für einen Kegelclub aus Langerwehe ist das die Weihnachtsfeier“, erklärt Hamannt. Bei allem was eher ungewöhnlich sei, würden sich die Bürger aus Vettweiß selbst noch zurückhalten.

„Die kommen dann eher zu den Karnevalsveranstaltungen. Vettweiß ist ja eine Karnevalshochburg“, sagt der 42-Jährige. Oder zum Oktoberfest und zum Weihnachtskonzert, bei dem Musiker aus Vettweiß auftreten. Müssten die Vettweißer bei dem spärlichen Kulturangebot in der Gemeinde nicht eigentlich in Scharen zu seinen Veranstaltungen strömen? „Es gibt jede Menge Vereine in Vettweiß. Zwischen Mai und September müsste ich eigentlich gar nichts anbieten, weil dann an jedem Wochenende etwas los ist. Die Vettweißer sind nicht ausgehungert – die Vereine bieten wirklich unglaublich viel an“, erklärt Hamannt.

Egal ob das Mitsing-Konzert mit Björn Heuser, Kabarett oder Irish-Folk – Hamannt will für seine Veranstaltungen möglichst viele Zielgruppen ansprechen. „Jedes Konzert ist eine neue Herausforderung. Jemand wie Zeltinger beispielsweise ist ja nicht günstiger, nur weil er in Vettweiß auftritt. Bei acht Veranstaltungen sind dann auch zwei dabei, wo ich drauflegen muss.“ Aber: Umgekehrt spricht sich herum, dass es da im kleinen Vettweiß jemanden gibt, der das Kulturprogramm mit aufmischt.

„Im April sind die ‚Räuber‘ bei uns zu Gast. Die haben bei uns angeklopft und nachgefragt. Das freut mich natürlich“, sagt Hamannt, der sich natürlich wünschen würde, auch mal eine Gruppe wie BAP in seine Kneipe zu locken: „Die geben ja im Vorfeld einer Tour immer kleine Probekonzerte. Das wäre ein Traum, die bei uns begrüßen zu können.“ Mit Zeltinger, der am Samstag ab 21 Uhr auf seiner Bühne steht, ist Hamannt schon jetzt sehr dicht dran am Kölsch-Rock. Näher dran am Kreischalarm ist er mit einem kleinen Coup im kommenden Jahr: Am 14. Juni gibt Benjamin Boyce in seiner Kneipe ein Konzert – Boyce war der Sänger der Boygroup „Caught in the Act“.

„Ob ich der geborene Wirt bin, weiß ich nicht“, sagt Frank Hamannt. Muss er auch nicht wissen, das entscheiden seine Gäste für ihn. Was er aber weiß: „Die Vettweißer kommen zu uns, weil es gemütlich ist, die Auswärtigen kommen zu den Events.“ In Zeiten, in denen reihum die alteingesessenen Kneipen schließen, vielleicht das zukunftsträchtigste Konzept.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert