Die kleinen Zuckerbäcker aus Haus Miriam

Von: Stephan Johnen
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Ein Blick in die „Weihnachtsbäckerei“: Zum Team um Armin Lersch (hinten) gehören viele freiwillige Helfer. Foto: Johnen
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Alles Gute zum Nikolaustag: Dafür braucht es fünf Arbeitsschritte.
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Wie bekommen Kartoffeln ihre Farbe? Etienne hat eine Vermutung.

Düren. Wenn es um Süßigkeiten geht, beißen die Kinder aus Haus Miriam freiwillig in den sauren Apfel. Es gehört zur Vorweihnachtszeit, dass der Wecker am Wochenende schon einmal um 5.30 Uhr klingelt. Richtige Zuckerbäcker sind Frühaufsteher. Und die freiwilligen Helfer aus der Wohngruppe des Kinderheims St. Josef sind mit Feuereifer dabei, wenn sie in der „Weihnachtsbäckerei“ mithelfen, aus Schokolade, Gewürzen und mittelgebirgshohen Marzipanbergen Kunstwerke entstehen zu lassen.

„Die größeren Kinder, die in der Backstube helfen dürfen, müssen echt früh aufstehen“, sagt Daniel, zuckt mit den Schultern und krempelt sich die Ärmel seines Pullovers hoch.

Der Zwölfjährige hat seine „Schicht“ am Nachmittag begonnen: Vorsichtig taucht er Printen in einen großen Topf mit dunkler Schokolade und legt sie zum Trocknen auf ein Backblech. Es dauert nur Minuten und das Blech ist voll. Jeder Handgriff sitzt. „Ich freue mich darauf, die Printen auch mal backen zu dürfen“, sagt er. Später, wenn er größer ist. Dass er dann früher aufstehen muss, nimmt er in Kauf. Seine Kollegen am großen Arbeitstisch nicken zustimmend, während sie Marzipankartoffeln rollen und Kakaostaub durch die Luft wirbeln lassen.

„Wir helfen gerne. Es macht einfach Spaß“, erklärt die 14-jährige Angelique, die gekonnt mit fünf Arbeitsschritten aus leckeren Einzelteilen einen auch optisch geschmackvollen Nikolaus zaubert. Der Schoko-Marzipan-Mann liefert auch gleich das nächste Stichwort: „Wir arbeiten auch deshalb gerne in der ‚Weihnachtsbäckerei‘, weil wir damit anderen Kindern helfen können“, sagt die zwölf Jahre alte Michelle. Der Erlös aller Süßigkeiten, die die Kinder aus Düren kreieren, fließt in Partnerprojekte des Kinderheims in Indien (Infokasten).

Angefangen hat alles vor 16 Jahren, mit Broten. „Wir haben die Brote mit den Kindern gebacken und dann in den Kirchen verkauft“, blickt Armin Lersch, Leiter der Wohngruppe und Initiator der „Weihnachtsbäckerei“, zurück. Später kamen noch Altenheime hinzu und Einrichtungen der Pfarren. Dann stand die Idee im Raum, Printen zu backen. Zwei Bäckereien, die Kinder und Erzieher der Wohngruppe unterstützen wollten, stellen seitdem ihre Backstube an manchen Tagen zur Verfügung. „Irgendwann hat alles eine Eigendynamik entwickelt“, sagt Lersch. Zu den Printen kamen Stollen, Pralinen, Schokoladentafeln und Marzipankartoffeln hinzu. Große Kartoffeln, beinahe in Originalgröße. „Neue Ernte Miriam“ heißt die Sorte vom eigenen Acker, Pardon, aus der Backstube. Seit einigen Jahren unterstützen Firmen das Projekt, verschicken das Gebäck als Weihnachtspräsent.

Ab November liegt in Haus Miriam der Duft von Kakao und Mandeln in der Luft. Viele Kinder anderer Gruppen helfen ebenso mit wie Erzieher. „Eigentlich wird immer etwas getan“, erzählt der zwölfjährige Julian. Es kann auch schon einmal vorkommen, dass abends eine Gruppe mit einem Erzieher noch Marzipankartoffeln rollt. „Wer Lust hat, macht dann einfach mit“, sagt Etienne (13). Natürlich erst dann, wenn er sich die Hände gewaschen hat, eine Bäckermütze aufgesetzt und eine Schürze umgebunden hat. Und was passiert, wenn etwas hinfällt? „Dann essen wir es“, sagt Daniel und zwinkert. Es gibt Tage, an denen manche Kartoffel ins Rollen gerät...

Trotz aller Begeisterung der Kinder für die „Weihnachtsbäckerei“ legen Armin Lersch und sein Team Wert darauf, dass die Kinder nur dann mithelfen, wenn sie es auch können. Die Reihenfolge ist ganz klar geregelt: Erst kommt die Schule, dann kommen die Hausaufgaben, dann die Vereine. „Die Schule darf auf keinen Fall darunter leiden“, betont Lersch. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigten, dass die „Weihnachtsbäckerei“ auch eine gute Lehre ist. „Es gibt viel Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein, wenn man auf einem Basar erklärt, was hinter der Idee steht“, sagt Lersch.

Schließlich seien alle stolz darauf, was sie in der Vorweihnachtszeit alles erschaffen. Doch neben allen Plätzchen und Süßwaren wird zumindest am Abend, an dem die DZ in die Backstube geschaut hat, noch ein anderer Teig geknetet: Es gibt Pizza. Nach all den Schnützereien darf es etwas Herzhaftes sein.

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