Die Keimzelle der Dürener Papierindustrie

Von: Jörg Abels
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Auf der Papiermaschine im Werk Neumühl produziert Kanzan jährlich rund 60.000 Tonnen Thermo- und Spezialpapiere, die vor Ort für Kunden in ganz Europa weiterveredelt werden.

Düren. Es ist ein Datum, das die Geschichte der Stadt Düren maßgeblich geprägt hat - zumindest aus wirtschaftlicher Sicht. Als Rütger von Scheven am 9. Juli 1710 die Konzession zum Bau der ersten Papiermühle erhielt, konnte er freilich noch nicht ahnen, dass er den Grundstein für eine industrielle Entwicklung legte, die Düren zur Stadt mit einer der größten Dichten an Papierfabriken deutschlandweit werden ließ.

300 Jahre sind seitdem ins Land gezogen. Heute gehört die im Zuge der zeitweiligen Zusammenlegung mit Schoellershammer 1862 zur Neumühl umbenannte Schevensmühle dem jüngsten Dürener Papierhersteller, der erst vor 20 Jahren gegründeten und heute zur japanischen Oji-Gruppe zählenden Firma Kanzan Spezialpapiere GmbH.

Grund genug für Geschäftsführer Matthias Simon, auf die Geschichte der ältesten Dürener Papierfabrik zurückzublicken. „Sie ist die Keimzelle der Papierindustrie in Düren”, betont Simon nicht ohne Stolz, schließlich begründete sie auch die Papiertradition der Familie Schoeller.

Bis zum Verkauf an die damalige Zanders Feinpapiere AG Ende 1981 blieb das Werk über 200 Jahre im Besitz der Familie, nachdem Ur-Ahn Johann Paul Schoeller anno 1773 Schevens Tochter geheiratet hatte.

Immer wieder wurde in den Standort investiert. Schon im Zuge der Zusammenlegung mit Schollershammer entstand in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts eine mit den modernsten Einrichtungen ausgestattete Fabrik. Turbinen ersetzten die Wasserräder und die erste Papiermaschine wurde aufgestellt, berichtet Matthias Simon und erinnert auch an die schweren Zeiten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die in einer weitgehenden Zerstörung während des II. Weltkrieges gipfelten.

„Zeitweise verlief die Frontlinie mitten durch das Werk, das nach Zeugenaussagen siebenmal im Wechsel durch deutsche und alliierte Truppen besetzt wurde.” Die ältesten heute noch vorhandenen Gebäude stammen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Auf die Jahre des Wiederaufbaus folgte Ende der 60er Jahre erneut ein umfangreiches Investitionsprogramm, in dessen Mittelpunkt der Bau einer neuen Papiermaschine stand, auf der in den 80er Jahren Zanders Rohpapiere produzierte.

100 Millionen Euro Jahresumsatz

Mit dem Plan, in Bergisch-Gladbach eine weitaus größere Papiermaschine neu zu bauen, wurde vor gut 20 Jahren ein neues Konzept für die Neumühl gesucht und in einen deutsch-japanischen Joint Venture gefunden, aus dem sich Zanders im Jahr 2000 verabschiedete.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten entwickelte sich Kanzan unter dem Dach der Oji Gruppe zum nach eigenen Angaben führenden europäischen Anbieter von Thermo- und anderen Spezialpapieren. Etiketten aller Art, Eintrittskarten bis hin zum Papier für Lotto-Spielquittungen oder Kontoauszügen werden an er Nippestraße gefertigt, hoch spezialisiert.

Aus anfangs 112 wurden im Laufe der Jahre rund 310 Mitarbeiter, die einen Jahresumsatz von 100 Millionen Euro erwirtschaften. Die Verbindung mit den Japanern bezeichnet Geschäftsführer Matthias Simon als Glücksfall und denkt dabei auch an die rund 100 Millionen Euro, die allein in den letzten zehn Jahren in den Standort investiert wurden und aus der Neumühl ein Hightech-Werk machten, dessen Geschichte noch lange nicht zu Ende ist.
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