Die junge Nation erhält erst 1952 das „Deutschlandlied“

Von: Maria Bravo
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Lehrer Siegfried Fahl interessiert sich für die Historie von Nationalhymnen. Foto: Bravo

Düren. Siegfried Fahl (59) ist kein Fan von Nationalhymnen, vielmehr ärgert er sich über sie. „Durch die Hymne sagt der Staat den Bürgern, wie sie ihn ehren sollen. Das widerspricht dem Demokratieprinzip“, betont er.

Trotzdem verbringt der Gymnasiallehrer für Geschichte Zeit damit, der Historie der deutschen Nationalhymne nachzugehen und hielt nun einen Vortrag mit Titel „Heimaterde, Vaterland: Die Hymne der Deutschen in ihrem europäischen Kontext“ im Dürener Stadtmuseum. Konkret ging es 90 Minuten um die Rolle und Geschichte der deutschen Nationalhymne im 20. Jahrhundert.

Einziges Manko: Die Veranstaltung setzte historisches Vorwissen voraus. Die Zuhörer erfuhren, dass es unmittelbar nach dem ersten Weltkrieg keine offizielle Nationalhymne gab. Reichspräsident Friedrich Ebert (1871-1925) erklärte das „Deutschlandlied“, dessen Text von Hoffmann von Fallersleben und Musik von Joseph Haydn stammt, 1922 schließlich zur offiziellen Nationalhymne.

Fahl erklärte, dass in der Zeit des Nationalsozialismus nur noch die erste Strophe der Hymne gesungen wurde und im Anschluss meist die Parteihymne der NSDAP folgte. Dieses Vorgehen wurde 1940 sogar vorgeschrieben und so bis Kriegsende fortgesetzt. Das „Deutschlandlied“ in der Öffentlichkeit zu singen, war nach dem Niedergang des Dritten Reiches in der amerikanischen Besatzungszone verboten.

Obwohl dieses Verbot nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland aufgehoben wurde, erhielt die junge Nation erst 1952 offiziell ihre neue, alte Hymne mit Hervorhebung der dritten Strophe des „Deutschlandlieds“. „Bis zur Wiedervereinigung gab es aber zwei Hymnen in Deutschland“, schilderte Fahl. Grund dafür war, dass die DDR eine eigene Hymne hatte. Erst 1991 wurde die dritte Strophe des „Deutschlandlieds“ dann zur Nationalhymne für die wiedervereinigte Nation.

Fahl machte während des Referats seine Kritik an der deutschen Hymne deutlich: „In der dritten Strophe wird von Freiheit gesprochen. Genau aus dem Grund sollte man den Menschen die Freiheit lassen, selber zu entscheiden, ob sie mitsingen wollen.“ Seiner Ansicht nach gebe es einige Journalisten, die glauben, dass die deutsche Nationalelf die Hymne im Stadion mitsingen muss.

Ein Besucher aus Düren, der nach eigenen Angaben „viele neue Fakten erfahren hat“, sagte: „Die Geschichte der Hymne finde ich persönlich sehr spannend.“

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