Düren - Die Hüterin der verlorenen Gegenstände

Die Hüterin der verlorenen Gegenstände

Von: Anne Wildermann
Letzte Aktualisierung:
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In einem schrankgroßen Tresor werden Smartphones, Geldbörsen und Schmuck von Ellen Stein aufbewahrt. Bargeld darf dort nicht gelagert werden, es muss auf ein Konto eingezahlt werden. Foto: Wildermann
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Werden die Schlüssel vom Besitzer nicht nach sechs Monaten abgeholt, werden sie vernichtet. Foto: Wildermann

Düren. Ein großer Pappkarton mit diversen Brillen und Sonnenbrillen steht auf dem Schreibtisch von Ellen Stein. Die Sehhilfen sind akkurat und einzeln in Klarsichthüllen eingepackt. Seit 1998 arbeitet Stein (53) als Mitarbeiterin im Dürener Fundbüro.

Der skurrilste Fund war vor etwa drei, vier Jahren die Abgabe von zwei Gebissen. „Es sind sogar Leute vorbeikommen, die glaubten, dass eines der Gebisse ihnen gehört“, sagt Stein. Um das herauszufinden, haben die potenziellen Besitzer die Gebisse sogar probiert.

„Vor meinem kleinen Spiegel“, sagt Stein und zeigt in eine Ecke ihres Büros, wo ein kleines weißes Waschbecken an der Wand angebracht ist, und darüber hängt ein eckiger Spiegel. Die Erinnerung an die damalige Szene lässt sie schaudern. „Das war wirklich sehr grauenvoll für uns Mitarbeiter“, ergänzt sie und lacht heute darüber. Die wahren Besitzer haben sich allerdings nie bei ihr und ihrer Mitarbeiterin auf dem Amt gemeldet. Momentan wartet zwar kein Gebiss auf seinen rechtmäßigen Besitzer, dafür eine Zahnspange.

921 Fundsachen in 2016

Neben Brillen und Sonnenbrillen werden häufig Smartphones, Handys, Kleidung, Taschen, Spielzeug, Geldbörsen, Schlüssel und Fahrräder im Fundbüro abgegeben. „2016 hatten wir 921 Fundsachen. Für Düren ist das normal. Große Städte wie München oder Köln kommen da auf ganz andere Zahlen“, sagt Stein. Aktuell beherbergt das Fundbüro in drei Kellerräumen zwischen 50 und 60 Räder. „Einmal im Jahr veranstalten wir eine öffentliche Fahrradauktion, meistens im Frühjahr und dann noch mal eine im November, aber nur online“, sagt Stein. Als vor einigen Jahren eine Frau kurz nach der Ersteigerung eines Rades bezahlt hatte, gab sie es wieder zurück. Der Grund: Der Drahtesel hatte kein Rücklicht. „Natürlich konnten wir das Rad nicht mehr annehmen. Sie hat es dann an einen anderen Teilnehmer verkauft. Natürlich für weniger Geld“, erinnert sich Stein.

60 Prozent der Besitzer kommen laut der Mitarbeiterin ihre Sachen im Fundbüro abholen. „Es gibt auch sehr viele Finder, die ehrlich sind und die Wertgegenstände bei uns abliefern. Darunter sind alle Altersgruppen“, sagt Stein. Sogar Bargeld und Schmuck fallen darunter. „Vor vielen Jahren hatte eine Frau an einem Samstagmorgen 5000 Euro in bar gefunden. Sie brachte es zur Polizei, und die haben uns verständigt. Das Geld stammte definitiv nicht aus einem Verbrechen, weil es in einer Geldbörse verstaut war. Wir haben vermutet, dass es aus einer Tankstellenkasse oder einer Kasse eines Cafés stammt“, erzählt Stein. Der Besitzer oder die Besitzerin des Geldes hatte sich allerdings nie bei der Behörde gemeldet.

„Damit durfte die Finderin das Geld bekommen“, sagt Stein. Allerdings muss dazu eine Frist von sechs Monaten verstreichen, in der sich der Besitzer beim Fundbüro nicht gemeldet hat. Erst dann tritt der Eigentumserwerb in Kraft. Diesen kann jeder Finder bei Abgabe des Gegenstandes im Fundbüro anmelden. „Vor allem bei Smartphones ist das der Fall“, sagt Stein. 45 Prozent der Finder wollen das Gerät später haben, wenn es in einem guten Zustand ist. Vorab füllt der Finder ein Formular aus und erklärt sich damit einverstanden, dass die Daten auf dem Handy nach Ende der Frist von einem externen Dienstleister gelöscht werden. Dafür muss der Finder dann 36,90 Euro zahlen und das Porto, wenn Stein ihm das Gerät zuschickt.

Momentan beherbergt eine Frau eine rote Katze mit spanischem Chip bei sich zu Hause. „Sie hat das Tier Ende Oktober vergangenen Jahres gefunden und das Tierheim informiert. Die schicken uns dann eine Mail oder ein Fax über das Fundtier, und wir nehmen es in der Datenbank auf, die auch online einsehbar ist“, sagt Stein. Auch bei Tieren gilt der Eigentumserwerb erst nach einem halben Jahr. „Noch gehört der Frau die Katze nicht, aber sie darf sie so lange in Obhut nehmen“, erklärt Stein. Das gehe auch bei Rädern, die der Finder bei sich zu Hause im Keller oder im Schuppen unterstellen darf. „Fahren ist allerdings verboten. Da kann man sich strafbar machen, weil das halbe Jahr noch nicht abgelaufen ist.“

Es gibt fast nichts, das das Fundbüro Düren nicht annimmt. „Sogar Ringe aus dem Kaugummiautomaten wurden bei uns schon abgegeben. Dabei sind die ja nicht wertvoll. Es gilt: Gegenstände, die unter einem Wert von zehn Euro liegen, müssen nicht bei uns abgegeben werden.“

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