Die Hilfswelle bringt Lebensmut

Von: Jörg Abels
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Ein Beispiel von vielen: Im Auftrag der Egidius-Braun-Stiftung überbrachte Karl-Heinz Witt (r.), Mario ein neues Notebook. Foto: ja

Gladbach. Die Begrüßung fällt herzlich aus. „Hallo, ich bin Mario”, sagt der junge Mann im Rollstuhl und erzählt von Prothesen, mit denen er bald schon wieder Sport betreiben könnte. Der 17-Jährige hadert nicht mit seinem Schicksal, sondern blickt voraus. Den Rollstuhl würde Mario Preikschat am liebsten gar nicht mehr benutzen.

Doch ganz ohne ihn kommt der 17-Jährige trotz aller Fortschritte im elterlichen Haus noch nicht aus.

„Wenn ich die Prothesen längere Zeit trage, schmerzen meine Beine doch noch sehr”, erzählt Mario. Vor gut drei Monaten mussten dem Jugendlichen nach einer Hirnhautentzündung beide Unterschenkel amputiert werden. Sein Leben hing am seidenen Faden, zwei Wochen lag der 17-Jährige im Aachener Klinikum im Koma, ehe er die Meningokokken-Infektion überwunden hatte.

Marios Schicksal löste in seinem Heimatort eine Welle des Mitgefühls und der Hilfsbereitschaft aus. Die Einwohner im 770-Seelen-Dorf am südöstlichen Rand des Kreises Düren rückten zusammen und gründeten, angestoßen von Hans-Willi Grau, Hans-Peter Berendes, Dieter Dresser und anderen den Verein „Gladbach hilft”.

„Ein tolles Gefühl”, erzählt Mario, der schon im Krankenhaus von seinen Freunden über jede neue Entwicklung umgehend informiert wurde. „Das hat mir unheimlich geholfen und neuen Lebensmut gegeben. Ich kann einfach nur Danke sagen” In der Rehabilitation in Bad Staffelstein machte Mario dann sensationelle Fortschritte, lernte binnen weniger Tage auf seinen künstlichen Unterbeinen zu gehen und konnte bereits nach vier statt der vorgesehenen sechs Wochen zurück nach Hause, wo Vater Siggi mit Unterstützung des Vereins „Gladbach hilft” und eines Architekten bereits mit notwendigen Umbauarbeiten begonnen hat.

Seit die Dürener Zeitung im Januar erstmals über Marios Schicksal berichtete, ist viel passiert. Zahlreiche Mitbürger spendeten, Handwerker boten ihre Hilfe an. Am vergangenen Wochenende erst beendete Peter Borsdorff seine Laufaktion „Hilfe für Mario” mit dem Traumergebnis von über 6100 Euro.

„Einfach überwältigend, wie er sich für mich eingesetzt hat”, sprudelt es aus Mario heraus, „ein Mann, den ich vorher überhaupt nicht kannte”. Über Hans-Willi Graus Kontakte in der Fußballszene wurde auch die Egidius-Braun-Stiftung des DFB auf Mario aufmerksam und stellte 1200 Euro für ein neues Notebook zur Verfügung, mit dem sich Mario jetzt auf seine berufliche Zukunft vorbereiten will. Sein Traum: eine Ausbildungsstelle als Speditionskaufmann im Bereich Logistik.

Zuerst einmal aber freut er sich auf das Benefizkonzert, das der Verein kurz vor seinem 18. Geburtstag am 17. April für ihn organisiert hat. Karten für den Abend, den viele Künstler aus der Karnevals- und Mallorca-Szene kostenlos gestalten, gibt es längst nicht mehr. Die Gladbacher Festhalle ist seit Wochen ausverkauft.

Marios Augen leuchten. Bis dahin will der 17-Jährige weiter fleißig mit seinen vorläufigen Prothesen - die endgültigen erhält er erst in rund drei Monaten - üben. Der tatkräftigen Unterstützung nicht nur seiner Freunde, die ihn trotz Handicap bei allen Aktivitäten mitnehmen, kann sich Mario dabei sicher sein.
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