Abenden - Die Herausforderung des „Live-Malens“

Die Herausforderung des „Live-Malens“

Von: Sarah Maria Berners
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Wer eine Karikatur mit nach Hause nehmen möchte, sollte über sich selbst lachen können: Sylvia Voß, Karikaturistin aus Abenden, wagt den Selbstversuch. Foto: Sarah Maria Berners

Abenden. Es war die Langeweile, die bei Sylvia Voß die Leidenschaft für Comics, Cartoons und Karikaturen neu geweckt hat. Weil der Stoff in den Vorlesungen im Sozialarbeitsstudium nicht immer ganz so spannend war, fing sie zu zeichnen an. Sie begann die Gesichtsausdrücke der Studenten aufs Papier zu bringen und spann ihre eigenen Gedanken zum Dozenten.

Und dann – so kennen wir es aus der Schulzeit – gingen die Zettel durch die Reihen. Und sie bekamen mehr Aufmerksamkeit als der Professor. Was Sylvia Voß fasziniert hat, war diese andere Weltsicht, die in Karikaturen und Comics zum Ausdruck kommt.

Büro und Budenzauber

Aussagen in Bildern zu pointieren hatte Sylvia Voß zuvor schon auf der Design-Schule und bei ihrer Tätigkeit in einem Schulbuchverlag gelernt. Dann studierte sie etwas abseits der brotlosen Kunst. Zwischen Staffelei und Sozialarbeit, zwischen Büro und Budenzauber ist sie noch heute tätig – und stets auf der Suche nach Neuem. Bei der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) gibt sie Unterricht in Bewerbungs- und Sozialtraining, fast jedes Wochenende ist sie mit Hund Amelie auf Märkten, in diesen Tagen auf dem Dürener Maimarkt, unterwegs.

Die Kunst ist ein hartes Geschäft – und Geschmackssache. Sie zeichnet auch Porträts von Mensch und Tier, wenn der Kunde das wünscht. Ihre Leidenschaft gilt aber mehr dem Überzeichnen denn dem Zeichnen. „Allerdings braucht es ein bisschen Übung, bis man die Gesichter so überzeichnet, dass es lustig wird“, erklärt die 45-Jährige aus Abenden. Wer auf Märkten unterwegs ist, muss auf Zack sein und Ausdauer haben. Eine Karikatur ist (pro Kopf) in knapp fünf Minuten fertig, wer ein Porträt haben will, muss 20 Minuten ausharren, bevor es weiter geht.

Immer wieder stellt sie sich der Herausforderung des „Live-Malens“, muss in sekundenschnelle die besonderen Merkmale ihrer Gegenüber erfassen, bei Cartoons und Comics eine Geschichte erdichten. „Wichtig ist es, dass man in Comics und Karikaturen nicht über andere lacht, sondern mit ihnen“, sagt die 45-Jährige. Ihre Kunstform brauche Fingerspitzengefühl – und sei sicher nicht für jede Persönlichkeit das richtige Geschenk. „Nur wer sich selbst nicht ganz so ernst nimmt, wird Freude daran haben.“ Karikaturen seien eher etwas für die jüngere Generation, weiß Voß, die einige Jahre bei den Dürener „Skunks“ mitgemischt hat. Ab Freitag, 14. Juni, zeigt Sylvia Voß ihre Karikaturen im Nideggener Tor. Die Ausstellung ist dort bis zum 7. Juli geplant.

Auf Märkten liegen Kunst und Remmidemmi nahe beieinander. „Dabei braucht man für die Kunst eigentlich viel Ruhe“, sagt Voß. Da passiert es auch schon mal, dass sie ihre Standnachbarn am liebsten in einen Comic verbannen würde...

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