Die große Freiheit auf zwei Rädern

Von: Anne Wildermann
Letzte Aktualisierung:
Dagmar Vieth
Seit 2013 fährt Dagmar Vieth mit ihrer „Kati“, eine KTM Duke, in die Eifel oder in den Thüringer Wald. Wenn die Bikerin im Mai eine West-Tour durch die USA macht, bleibt ihre Maschine in Lendersdorf. Foto: Wildermann

Lendersdorf. Der schwarz-weiße Schal mit Ying- und Yang-Zeichen um den Hals ist der Glücksbringer von Dagmar Vieth (49). Sie trägt ihn nur, wenn sie auf ihrer 690 „Kati“, einem Motorrad des österreichischen Herstellers KTM, unterwegs ist. Der Schal ist ein Erinnerungsstück an ihren verstorbenen Mann.

„Den hat er immer beim Motorradfahren getragen“, sagt die Lendersdorferin. Das gemeinsame Motorradfahren war ihr Hobby, ihre Leidenschaft, bis zu dem Tag, als ihr Mann im Mai 2008 beim Sport sein leben verlor. Die Leidenschaft konnte das Ehepaar letztlich nur sechs Monate teilen.

„Die Kinder waren erwachsen, und wir haben überlegt, was wir gemeinsam machen könnten“, erinnert sich Dagmar Vieth. Sie wirkt selbstbewusst und aufgeschlossen. Ihr Mann hatte vor Jahren bereits den Motorradführerschein gemacht, parallel zum Autoführerschein. Sie selbst musste noch einmal zur Fahrschule, Kurse belegen und eine Prüfung absolvieren. Seit zehn Jahren fährt sie nun Motorrad. Auch nach dem Tod ihres Mannes ist sie beim Fahren geblieben. „Freunde haben mich dazu gebracht, dass ich weitermache“, sagt sie und lächelt. Bereut hat sie diese Entscheidung nicht. Auch wenn sie dieses Hobby nur mit ihrem Mann teilen und erleben wollte. Sie selbst sagt, es gehöre zu ihrem alten Leben, und sie habe es mit ins neue genommen.

Inoffiziell hat die Biker-Saison bereits begonnen. Man hört aus der Ferne Motoren- und Beschleunigungsgeräusche dumpf ans Ohr dringen und liest schon wieder erste Meldungen über Unfälle.

Gute und trockene Witterung sind die Hauptkriterien, damit Motorradfahrer, vor allem am Wochenende, auf ihre Maschinen steigen und losdüsen. Dagmar Vieth fährt entweder in der Gruppe oder auch alleine in die Eifel, ins Sauerland oder an die Mosel. Sogar drei- bis viertägige Touren in den Thüringer Wald unternimmt sie.

Offiziell wird die Saison für alle Motorradfahrer am 2. April auf dem Nürburgring eröffnet. In Biker-Kreisen heißt das Treffen „Anlassen“ und beginnt mit einem Gottesdienst. „Ich hoffe, dass ich bis dahin auch wieder fit bin. Momentan komme ich nicht in meinen Stiefel, weil ich mir den Fuß verknackst habe“, sagt Dagmar Vieth. Schutzkleidung ist der zweifachen Mutter sehr wichtig. Statt einer Lederkluft trägt sie eine Jacke und eine Hose aus wind- und wasserdichten Materialien. Dazu Handschuhe, einen Helm, einen Rückenschutz inklusive Nierengurt, den sie unter der Jacke trägt. „Er sieht ein wenig aus wie eine Schildkröte“, sagt sie und holt den Rückenschutz mit Trägern aus einem Schrank im Keller.

Weil Dagmar Vieths „Kati“ nur ein Saisonkennzeichen von März bis Oktober hat, nimmt die Bikerin jährlich an Trainings für die Fahrsicherheit teil. Siebenmal war sie bei der Polizei in Düren. Weil diese Seminare nicht mehr stattfinden, geht sie in den kommenden Tagen zum ADAC. „Mir ist es wichtig, dass ich nach einigen Monaten Pause wieder ein Gefühl für die Maschine bekomme“, sagt sie. Letztlich kann ihr schnelles Reaktionsvermögen, gute Handhabe des Motorrads und Weitsicht beim Fahren das Leben retten.

Bisher hat sie nur zwei „brenzlige Situationen erlebt“, wie sie selbst sagt. Vieth fuhr mit der Maschine jeweils in einen Kreisverkehr, und in beiden Fällen nahmen ihr Autos die Vorfahrt. „Die Fahrer haben einfach nicht geguckt. Man wird als Motorradfahrer leider sehr schnell übersehen“, erklärt sie. Bei Radfahrern sei das genauso. Seitdem Dagmar Vieth Bikerin ist, habe sie einen anderen Blick für den Straßenverkehr bekommen.

„Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, bin ich achtsamer gegenüber Motorrad- und Radfahrern. Und wenn ich mit der ‚Kati‘ fahre, fahre ich stets nach den Temposchildern“, sagt sie. Zu hohe Geschwindigkeiten stressen sie und machen „keinen Spaß“, Schließlich gehe es beim Biken nicht darum, von A nach B zu kommen, sondern Landschaft und Natur um sich herum zu genießen. „Sich frei zu fühlen“, sagt Dagmar Vieth.

Ein großes Stück Freiheit erwartet die Bikerin, wenn sie im Mai für 14 Tage eine geführte Tour auf einer Harley Davidson durch Amerika macht. Start und Ziel ist Los Angeles. Mit ihrem Finger zeichnet sie die Strecke auf der Karte nach: Palm Springs, Las Vegas und die legendäre Route 66 – der Inbegriff von Freiheit.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert