Kreis Düren - Die Fürsorge beginnt bereits vor der Geburt

Die Fürsorge beginnt bereits vor der Geburt

Von: Stephan Johnen
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Von der Schwangerschaft über die Kita bis zum Wechsel in den Beruf sollen die Präventionsarbeit lückenlos sein.

Kreis Düren. Die Meldung stimmt nicht gerade positiv: Immer mehr Kinder müssen in Pflegefamilien oder im Kinderheim untergebracht werden. Das Jugendamt des Kreises Düren verzeichnet steigende Fallzahlen, die Verweildauer in Pflegefamilien und Heimen erhöht sich.

Auch in der Stadt Düren ist diese Entwicklung zu beobachten. „Die Kosten für soziale Sicherungssysteme explodieren“, bilanziert Landrat Wolfgang Spelthahn. Rund 800000 Euro musste der Kreistag jüngst für sogenannte vorläufige Schutzmaßnahmen zusätzlich bereitstellen. Mit einem „Paradigmenwechsel“ setzt Spelthahn nun verstärkt auf Vorsorge denn Nachsorge.

„Wir wollen nicht erst aktiv werden, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist“, verdeutlicht Spelthahn. Der Kreis Düren ist eine von 18 Modellkommunen im Land, die für das Projekt „Kein Kind zurücklassen“ ausgewählt worden ist. Was bislang in der Gemeinde Kreuzau als Modellprojekt lief, soll im gesamten Zuständigkeitsbereich des Kreisjugendamtes (Kreis ohne Stadt Düren) umgesetzt werden: Die Präventionsarbeit setzt schon vor der Geburt des Kindes an.

Dafür hat der Kreis Ärzte und Hebammen mit ins Boot geholt, um ein Frühwarnsystem aufzubauen. „Erfährt eine Mutter beispielsweise Stress oder körperliche Gewalt, sind die Kinder statistisch zu 40 Prozent mehr gefährdet“, verweist Spelthahn auf eine Studie. Der Staat dürfe keine „Allmachtsfantasien haben“, betont der Landrat, er müsse aber auch die Interessen der Kinder schützen. Sollten werdende Eltern beispielsweise den Eindruck erwecken, überfordert zu sein, oder es ein Suchtproblem gibt, könne geholfen werden. Sofern die Eltern dieses „freiwillige Angebot“ auch annehmen möchten.

„Wir haben in Stadt und Kreis sehr viele und sehr gute Hilfs- und Unterstützungsangebote“, stellt Spelthahn klar. Vom Begrüßungsdienst „Willkommen im Leben“ bis zum Übergang von der Schule in den Beruf gebe es für jede Lebensphase Angebote. „Wir wollen nun an den Übergängen der einzelnen Module arbeiten, die Angebote noch stärker verflechten“, erklärt er. Die Zusammenarbeit und der Austausch zwischen Kindergarten und Grundschule sowie Grundschule und weiterführender Schule könnte ausgebaut werden.

Um dieses Ziel zu erreichen, wird unter anderem ein sogenanntes Präventionsbüro eingerichtet. Es soll zu gleichen Teilen mit Fachkräften aus dem Bildungsnetzwerk, der Jugendhilfe sowie freien Trägern besetzt werden. Das Büro dient als Bindeglied zwischen den einzelnen Tätigkeiten aller Akteure im Kreis Düren. Die Idee dahinter: Während bislang womöglich mehrere Ämter und mehrere Träger der Jugend- und Familienhilfe parallel gearbeitet haben, wird es künftig für die Familie einen zentralen Ansprechpartner geben.

Wolfgang Spelthahn spricht von einer „Lotsenfunktion“. Der Lotse könne die Familie schnell und unkompliziert beraten und Hilfsangebote vermitteln, die „Bürokratie“ werde im Hintergrund abgewickelt. Hilfe soll so schneller und auch früher ankommen.

Parallel dazu setzt der Kreis auf die Ausbildung sogenannter Präventionsfachkräfte, zunächst in den Kitas. „Sie sollen Alarmsignale frühzeitig erkennen“, erklärt Spelthahn. Eine solche Schulung lohne sich auch für Mitarbeiter der Behörden, ist der Landrat überzeugt. „Je dichter das Netz geknüpft ist, desto besser.“ Deswegen werde auch die Zusammenarbeit mit der Stadt Düren gesucht.

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