Nideggen - Die Frau, die Geschichten sammelt

Die Frau, die Geschichten sammelt

Von: Burkhard Giesen
Letzte Aktualisierung:
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Margot und Hans-Joachim Groß haben die Sammlung von 59 Sagen und Geschichten aus Nideggen jetzt als kleines Buch herausgebracht. An weiteren Erzählung mit Lokalkolorit arbeiten sie bereits. Foto: B. Giesen

Nideggen. Andere Menschen erzählen gerne Geschichten. Nicht so Margot Groß. Sie sammelt Geschichten, vor allem Sagen. Die Bedingung: Die Erzählungen müssen mit ihrer Heimatstadt Nideggen zu tun haben. 59 Sagen und Geschichten hat sie bereits gesammelt und jetzt in Buchform veröffentlicht.

Sechs Jahre ist es erst her, dass Margot Groß in den Nideggener Heimat- und Geschichtsverein eingetreten ist. „Ich wollte nicht nur zahlendes Mitglied sein, sondern mich auch einbringen“, erzählt sie rückblickend. Heinz Bücker, der sich ebenfalls im Geschichtsverein engagiert, hatte damals schon zwei Sagen aufgeschrieben, Margot Groß hat das dann weitergeführt. Ihr Antrieb: „Ich möchte diese Sagen und Geschichten für die Bürger erhalten, bevor sie in Vergessenheit geraten.“

Über Materialmangel kann sich Margot Groß, die von ihrem Mann Hans-Joachim Groß bei der Recherche unterstützt wird, nicht beklagen. Der Blick in Archive hilft, neue Geschichten zu entdecken, vieles wird ihr zugetragen, bei manchem hilft Kommissar Zufall. So ist das Nideggener Ehepaar für den Geschichtsverein auch als Stadtführer unterwegs.

„Bei einer Stadtführung sind wir ganz unerwartet auf eine Backstube aus dem 14. Jahrhundert gestoßen, die sich im Privatbesitz befindet und in der Stadtmauer befindet“, erzählt Hans-Joachim Groß. Eine Geschichte, die sich auch im Buch wiederfindet – samt einem alten Brotrezept, dem „Eierwecken“.

Noch zu schreiben ist die Historie der Wachtordnung aus dem Jahre 1703, in der geregelt war, welcher Nideggener Bürger wann in einem der Stadttore Wache halten musste. Hans-Joachim Groß: „Bei der Suche nach weiterführender Literatur sind wir auf eine Dissertation gestoßen und versuchen jetzt noch den historischen Hintergrund zu klären.“

Oder die Geschichte vom Großbrand am 26.12.1614, als auf der Zülpicher Straße zwölf Häuser abbrannten, weil ein französicher Musketier mutwillig in die Luft geschossen hatte. Margot Groß: „Wir haben in einem Ratsprotokoll entdeckt, dass man nach dem Brand auf die Suche nach dem Schuldigen gegangen ist. Dem Musketier ist natürlich nichts passiert. Die französichen Besatzer konnte man nicht zur Rechenschaft ziehen.“

In den umliegenden Archiven kennen sich Margot und Hans-Joachim Groß inzwischen aus – insbesondere im Stadt- und Kreisarchiv Düren, hier befindet sich nämlich auch das Archiv der Stadt Nideggen.

Bunt gemischt sind die Sagen, die Margot und Hans-Joachim Groß in ihrer Sammlung zusammengetragen haben. Sie handeln von Burggeistern und Hexen, natürlich vom Jülicher Grafen Wilhelm, der sich in Nideggen auf der Burg einquartiert hatte, oder von Hühnerdieben und geheimnisvollen Brunnen. Es finden sich aber auch viele Texte zu Nideggens Historie wieder, wie zum Beispiel über die ersten Ärzte in der Stadt, die Historie des Ortes Pissenheim (heute Muldenau) oder die Linde auf dem Marktplatz.

„Material gibt es noch in Hülle und Fülle“, sagt Margot Groß, „die Fortsetzung ist gesichert!“ Und die ersten Geschichten sogar auch schon wieder geschrieben.

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