Die Flucht vor Gewalt und Demütigung

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
Für Opfer häuslicher Gewalt
Für Opfer häuslicher Gewalt ist das Frauenhaus oft die letzte Zufluchtsstätte. Dort finden sie Schutz, Beratung und psychosoziale Begleitung.

Düren. Bloß keine Widerworte geben, nichts Falsches sagen, nichts Falsches machen. Die Furcht vor der Gewalt des Mannes bestimmt den Tagesablauf. Eine Strategie, ihr zu entkommen, gibt es nicht: Was gestern noch besänftigend wirkte, kann morgen zum Auslöser von erneuten Schlägen werden.

Ein Leben ist dies nicht - und dennoch ist es oftmals der Alltag für Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt werden. Hilfe gibt es seit 30 Jahren beim Verein Frauen helfen Frauen, der auch das Frauenhaus betreut. „Die Gewalt gegen Frauen hat nicht abgenommen”, zieht Petra Müller eine Bilanz der Arbeit. Aber die Opfer trauten sich heutzutage viel früher, den Kontakt zu den Beratungsstellen zu suchen.

Rechte gestärkt

Auch sonst gebe es Fortschritte zu verzeichnen. Zur Gründungszeit des Vereins kämpften Frauen nicht nur gegen häusliche Gewalt. Wer sich dazu entschloss, die Spirale der Gewalt zu verlassen, kämpfte oft auch um die Existenz. „Die Frauen und Kinder mussten ausziehen, und das Scheidungsrecht gab ihnen die Schuld”, ruft Beraterin Sonja Waltl ein Kapitel in Erinnerung, das mittlerweile abgeschlossen ist. Die Rechte der von Gewalt bedrohten Frauen und Kinder wurden seitdem erheblich gestärkt.

Der Nebeneffekt: Auch die damit verbundene Bürokratie wucherte. „Sie sind zwei Wochen nur von Amt zu Amt unterwegs”, beschreibt Sonja Waltl einen Teil der Arbeit, der von ihren Kolleginnen in der Beratungsstelle und im Frauenhaus unterstützend geleistet wird. Ziel sei es, die von Gewalt bedrohten Frauen im geschützten Rahmen des Frauenhauses wieder eigene Kräfte aufbauen zu lassen - und dann ein Leben in Selbstständigkeit zu ermöglichen, auch finanziell.

„Einen Neuanfang wagen”, nennt Petra Müller vom Vorstand des Vereins dies. Das Dürener Frauenhaus, dessen Adresse ein gut gehütetes Geheimnis ist, bietet Platz für acht Frauen und sieben Kinder. „Es sind fast immer alle Zimmer belegt”, bilanziert Sonja Waltl. Im vergangenen Jahr suchten 49 Frauen und 44 Kinder dort Zuflucht. Die erhielten nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern auch psychosoziale Begleitung. Für den Verein arbeiten Sozialpädagoginnen mit therapeutischer Ausbildung und Erzieherinnen.

Konkrete Hilfe auf der einen Seite - Öffentlichkeitsarbeit auf der anderen Seite: So lässt sich die Arbeit von „Frauen helfen Frauen” beschreiben. Gewalt in Beziehungen sei kein Kavaliersdelikt, das unter dem Deckmäntelchen der Privatsphäre als Einzelfall abgestempelt werden könne. Dass die Probleme auch als solche wahrgenommen und öffentlich angesprochen werden, sei ein Erfolg der Arbeit, die der Verein mit vielen Kooperationspartnern betreibt. So gibt es neben den Beratungsterminen im Büro an der Gutenbergstraße auch Ausstellungen und Informationsveranstaltungen.

Probleme bereitet dem Verein derzeit der Dürener Wohnungsmarkt. „Es wird immer schwieriger, eine Wohnung für die Frauen zu finden”, berichtet Sonja Waltl. Immer mehr Frauen, die Hilfe bei Waltl und ihren Kolleginnen suchen, sind zudem der deutschen Sprache nicht mächtig. Der Verein nimmt deswegen verstärkt die Dolmeterdienste seines Jülicher Pendants in Anspruch.

„Häusliche Gewalt gibt es in allen Schichten und gesellschaftlichen Gruppierungen”, betont Petra Müller. Doch manche Frauen bräuchten eben mehr Hilfe, seien ohne die Hilfsangebote in der Stadt womöglich völlig auf sich selbst gestellt. In den vergangenen Jahren hat der Verein daher Informationsbroschüren auch in Fremdsprachen drucken lassen. Die Resonanz zeige, dass diese auch gelesen werden. Doch noch etwas hat sich in 30 Jahren Kampf gegen die häusliche Gewalt getan, gerade in jüngster Zeit: Es gibt mehr Hilfsangebot für Männer. „Es reift die Einsicht, dass Gewalt keine Lösung ist”, sagt Petra Müller. Opferhilfe schließe die Täter nicht aus.

Ausstellung im Komm-Zentrum

Der Dürener Verein „Frauen helfen Frauen” bietet in seinen Räumen an der Gutenbergstraße jeden Mittwoch und Freitag von 9 bis 11 Uhr und nach Vereinbarung kostenlose Beratungen an.

Telefonisch ist der Verein unter Tel. 02421/17355 zu erreichen. Mails können an FrauenhelfenFrauen-dueren@t-online.de geschickt werden.

Beraterin Sonja Waltl und Vorstandsmitglied Petra Müller (unser Bild, von links) laden für Dienstag, 15. November, ab 17 Uhr ins Dürener Komm-Zentrum ein. Vier Künstlerinnen haben sich unter dem Motto „Emmas Geschichte” zum 30. Geburtstag des Vereins mit dem Thema „Frau sein” beschäftigt.

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