Vettweiß - Die ersten „Stolpersteine“ in der Gemeinde sind verlegt

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Die ersten „Stolpersteine“ in der Gemeinde sind verlegt

Von: Stephan Johnen
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Sieben „Stolpersteine“ konnten gestern nicht verlegt werden. Karl-Heinz Hassel (rechts, Leiter des Fachbereichs Jugend und Soziales im Rathaus) nahm die Steine in Verwahrung. Foto: Stephan Johnen

Vettweiß. Etwa 48.000 „Stolpersteine“ hat der Künstler Gunter Demnig verlegt. Sie erinnern an das Schicksal von Menschen, die während der NS-Zeit deportiert, vertrieben oder in den Selbstmord getrieben wurden. Auf Messingplatten werden die Namen und Daten eingeschlagen, Identität und Schicksal sind ablesbar.

Am Montag sind vier weitere „Stolpersteine“ hinzugekommen. Sie erinnern an das Schicksal der jüdischen Familie Berlin aus Vettweiß, die bis zur Deportation und Ermordung 1942 an der Gereonstraße lebte. Josef Berlin, Jahrgang 1863, wurde von den Nationalsozialisten gedemütigt und entrechtet, er starb bereits 1941 im jüdischen Krankenhaus in Köln.

Etwa 70 jüdische Mitbürger haben einst im Gemeindegebiet gelebt, schätzt Bernd Blümmert, Vorsitzender des Vereins „VettCult“. Jugendliche und der Verein hatten vor einem Jahr vorgeschlagen, in Vettweiß, Kelz, Lüxheim, Gladbach und Müddersheim „Stolpersteine“ zu verlegen, um dem Schicksal der Juden zu gedenken. „Die ersten Steine in der Gemeinde sind verlegt. Ihr könnt stolz darauf sein“, bedankte sich Bernd Blümmert für das Engagement der Jugendlichen. Kleiner Wermutstropfen: Sieben weitere Steine, die eigentlich in Lüxheim verlegt werden sollten, werden nun im Rathaus aufbewahrt. „Zwei Hauseigentümer haben ihre Zustimmung zurückgezogen“, bedauert Blümmert. Eine Information, die Bürgermeister Josef Kranz bestätigte. Er begrüße das Engagement der Jugendlichen, halte sich aber an den Beschluss des Rates, eine Verlegung der Steine von der Zustimmung der jeweiligen Hausbesitzer abhängig zu machen. Rechtlich wäre übrigens eine Verlegung auch ohne diese Zustimmung möglich.

Im Vorfeld der Aktion hatte es kontroverse Diskussionen gegeben. Der Gemeinderat hatte sich schließlich im Februar bei einer Gegenstimme für die Verlegung von 21 Steinen ausgesprochen. Sponsoren übernehmen die Kosten von 120 Euro pro Stein. Bis zur „Bestellung“ bei Gunter Demnig jedoch hatten einige Hausbesitzer ihre Zustimmung zurückgenommen, so dass elf Steine in Auftrag gegeben wurden. Montag lag nur noch die Zustimmung der Agrargenossenschaft vor, der die Immobilie an der Gereonstraße gehört.

„Die Steine stehen für ein Stück deutscher Geschichte. Sie sind keine Anklage gegen die heutigen Hausbesitzer“, betonte Gunter Demnig. Er habe schon einmal erlebt, dass „Stolpersteine“ nicht verlegt wurden. Nach etwa einem Jahr habe sich der Stadtrat auf Drängen der Bürger dafür ausgesprochen, die Steine doch zu verlegen. „Wir haben eine Diskussion angestoßen. Das ist doch ein guter Fortschritt“, ist auch Julian Blatzheim, einer der Initiatoren der Aktion, überzeugt, dass weitere „Stolpersteine“ im Gemeindegebiet folgen werden. Das Schicksal der jüdischen Mitbürger dürfe nicht in Vergessenheit geraten.

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