Stockheim - „Die ersten Minuten sind entscheidend“

„Die ersten Minuten sind entscheidend“

Von: Stephan Johnen
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Planspiel Ernstfall: Leitstellen-Leiter Walter Weber (rechts) erklärte unseren Lesern den „Trainingssandkasten“ der Feuerwehr.
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Von der Drehleiter bis zum geländegängigen „Purzel“ reicht der Fuhrpark des Feuerschutztechnischen Zentrums des Kreises Düren.
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Wer einen Notruf absetzt, landet in der Leitstelle des Kreises Düren. Dort wird die passende Hilfe organisiert. Foto: Stephan Johnen

Stockheim. 112 – was nach dem Eintreffen eines Notrufes bei der Feuerwehr geschieht, lässt sich mit einem Blick auf die drei großen Anzeigetafeln der Stockheimer Einsatzleitstelle ablesen. Jedes Einsatzfahrzeug der örtlichen Feuerwehren im Kreisgebiet, jeder Rettungswagen hat dort ein eigenes Symbol.

Ist daneben nichts zu sehen, stehen die Fahrzeuge in den Gerätehäusern, darf die Lage als ruhig bezeichnet werden. Sobald ein Fahrzeug zu einem Einsatz fährt, wird über rote Ziffern der Status angezeigt. Als Dienstagabend der Notruf einging, dass auf dem Gelände eines Autoverwerters bei Pier ein Feuer ausgebrochen ist (Bericht unten), änderten sich das Bild und die Lage schlagartig: „Alles wurde ziemlich rot“, erklärte am Mittwoch Leitstellen-Leiter Walter Weber 15 DZ-Lesern, die im Rahmen der Sommertour einen exklusiven Blick hinter die Kulissen des Amtes für Feuerschutz- und Rettungswesen des Kreises Düren geworfen haben und auch die Einsatzleitstelle kennenlernten. Für Weber und seine Kollegen war dieser Anruf der Auftakt einer arbeitsreichen Nacht. In der Leitstelle ebenso wie vor Ort.

Vier sogenannte Disponenten nehmen auf der Leitstelle im 24-Stunden-Schichtdienst jeden Hilferuf aus dem Kreisgebiet in Empfang. Je mehr die Feuerwehrleute, die auch eine medizinische Ausbildung haben und speziell für diese Arbeit geschult werden, im Vorfeld wissen und vom Anrufer erfragen, desto gezielter können sie Hilfe auf den Weg schicken. Ist es ein Einsatz für den Rettungsdienst, die Feuerwehr, oder werden beide alarmiert? Von der Katze, die nicht mehr vom Baum herunterkommt über den medizinischen Notfall bis zum Großbrand – alles läuft über die Telefone und Computer der Disponenten.

41.000 Einsätze gab es im vergangenen Jahr, darunter 37.000 Rettungseinsätze. Auch bei laufenden Alarmierungen spielt die Leitstelle eine wichtige Rolle: „Alles, was der Einsatzleiter vor Ort braucht, bestellt er bei uns“, erklärte Weber. Feuerwehrmänner mit Atemschutzgräten, weitere Drehleitern, Spezialgerät, Konzentrat für Löschschaum aus Aachen und Köln wie beim Pierer Beispiel: Von Stockheim aus wird dies organisiert. Kreisgrenzen übergreifende Arbeit ist dabei kein Thema, sei es das Anfordern eines Rettungshubschraubers oder die Bitte um Einsatzkräfte aus der Nachbarschaft. Die Vorgabe lautet: Innerhalb von zwölf Minuten kommt an jedem Ort im Kreis Düren ein Rettungswagen an. Im Schnitt bereits vier Minuten nach Eintreffen eines Notrufs sind die ersten Feuerwehrleute unterwegs – die notwendigen Infos zum Einsatz sowie Kartenmaterial haben sie elektronisch von der Leitstelle übermittelt bekommen.

Es waren die vielen Details dieser (überlebens-)wichtigen, aber wie im Fall der Leitstelle im Verborgenen stattfindenden Arbeit, die mit jedem Wort Webers die Wertschätzung bei unseren Sommertour-Teilnehmern steigen ließ. Während der anschließenden Führung durch das Feuerschutztechnische Zentrum des Kreises Düren (FTZ) vertiefte sich dieser Eindruck noch, es gab viele Fragen und Nachfragen.

Amtsleiter Ralf Butz stellte nach dem Besuch der Leitstelle die Aufgaben der Stockheimer Einrichtung vor. Im FTZ stehen beispielsweise für den Ernstfall Fahrzeuge und Geräte bereit, die sich eine kleinere Feuerwehr alleine kaum leisten könnte, darunter auch eine etwa 700.000 Euro teure Drehleiter und eine mobile Einsatzleitstelle. „Wir unterstützen die Feuerwehren der einzelnen Gemeinden“, sagte Butz.

Mitarbeiter Matthias Bergs gestattete Einblicke in die Fortbildung der rund 3000 Wehrleute aus dem gesamten Kreis. Fast brandneu ist beispielsweise die Brandsimulationsanlage für 900.000 Euro, mit der gezielt verschiedene Szenarien simuliert werden können. „Viele Feuerwehrleute sehen in fünf Jahren keinen einzigen Brand“, sagte Bergs. Die auch aufgrund der Technik immer kürzeren Reaktionszeiten der Wehrleute ermöglichten ein immer schnelleres Eingreifen. Umso wichtiger sei eine realitätsnahe Übung.

Zum Abschluss der dreistündigen Führung gab Dr. Detlef Struck, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Kreis Düren, einen Einblick in die Arbeit der Notärzte und informierte über das Rettungswesen im Kreis. Und er hatte eine wichtige Botschaft: „Die ersten fünf Minuten sind entscheidend.“ In medizinischen Notfällen komme es darauf an, nach dem Absetzen eines Notrufes Erste Hilfe zu leisten und bei einem Herzstillstand mit der Reanimierung zu beginnen.

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