Die erste Bilanz des „City-Ticket XL“

Von: Carsten Rose und Jörg Abels
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Immer im Blick: Das Rathaus wird sich in Zukunft noch oft mit dem ÖPNV in Düren beschäftigen. Foto: Abels

Düren. Die „Ampel“-Koalition im Stadtrat hat große Erwartungen in das „City-Ticket XL“ gesetzt. Die Möglichkeit, für 1,90 statt 2,70 Euro quer durchs Stadtgebiet zu fahren, soll dem ÖPNV in Düren einen deutlichen Schub geben, dafür sorgen, dass mehr Bürger auf den Pkw verzichten und damit einhergehend die Luftqualität verbessern.

Bislang jedoch ist der Schub ausgeblieben. Der von „Ampel“-Sprecher Henner Schmidt (SPD) erhoffte Anstieg der Fahrgastzahlen von 15 bis 20 Prozent liegt noch in weiter Ferne. Nach Auswertung der ersten drei Monate (Mai bis Juli), in denen durchschnittlich gut 17.100 Einzeltickets (Kinder: rund 2600) und knapp 4400 Vier-Fahrten-Tickets für Erwachsene (Kinder: gut 100) verkauft wurden, erwartet der Aachener Verkehrsverbund (AVV) für das Gesamtjahr 2017 mehr als 300.000 Fahrten, wie AVV-Sprecher Markus Vogten auf DZ-Anfrage mitteilt.

Er geht von einem Plus von mehr als vier Prozent aus und damit in etwa so viel, wie Dirk Meinhardt von der Aachener Ingenieurgruppe IVV im Sommer 2015 vorhergesagt hatte. Der Gutachter hatte seinerzeit mit Einführung des 1,90-Euro-City-Tickets einen Anstieg zwischen drei und fünf Prozent berechnet.

Und das marginale Plus ist teuer erkauft. Für das laufende Jahr muss die Stadt das City-Ticket XL – wenn es bei der derzeitigen Entwicklung bleibt – mit gut 145.000 Euro bezuschussen, im kommenden Jahr mit 218.000 Euro. Das ist die Differenz zur bisherigen Preisstufe 1 (2,70 Euro). Geht man wohlwollend von 20.000 zusätzlichen Fahrten aus, muss also jede Fahrt mit zehn Euro subventioniert werden.

Und damit nicht genug. In ihrem Maßnahmenpaket zur Luftreinhaltung fordert die „Ampel“ eine weitere Absenkung des City-Ticket-Preises auf einen Euro. Das würde zwar vermutlich den einen oder anderen zusätzlichen Fahrgast anlocken, aber auch den städtischen Zuschussbedarf deutlich erhöhen.

Teuer erkauft

Entsprechend kritisch sieht CDU-Fraktionschef Stefan Weschke die Entwicklung. Er verweist auf bundesweit steigende Fahrgastzahlen im Zuge der Zuwanderung und bezweifelt, dass das City-Ticket überhaupt einen positiven Effekt gebracht hat. Er sieht vielmehr Mitnahmeeffekte und ist skeptisch, ob sich die Stadt einen solchen Luxus in den kommenden Haushaltsjahren wird leisten können. „Am Ende wird man Prioritäten setzen müssen.“ Komfort, Flexibilität und Sicherheit seien Faktoren, die einfach für den eigenen Pkw und gegen den Bus sprechen, betont Weschke. Er bezweifelt daher, dass das „City-Ticket“ die Luftqualität spürbar verbessern wird.

„Ampel“-Sprecher Schmidt will die Zahlen der ersten drei Monate nicht überbewerten, weil die Startphase nicht so aussagekräftig sei. „Die Sommerzeit ist immer etwas schwächer, was die Fahrgastzahlen betrifft. Man muss das ganze Jahr betrachten und die saisonalen Einflüsse berücksichtigen“, fügt Schmidt hinzu.

Der SPD-Politiker betont indes, dass es „sehr enttäuschend“ wäre, wenn sich auch nach einem Jahr oder nach der vollständigen Probezeit von zwei Jahren kein größerer Erfolg bei dem von ihm stark befürworteten Projekt einstellen würde. Einer Analyse, die auch die recht schmal ausgefallene „City-Ticket-XL“-Werbung im Vorhinein betrifft, werde er sich stellen.

Verena Schlömer (Grüne) sieht mit dem aktuell verifizierten Anstieg von vier Prozent „keine schlechte Tendenz“, sie geht auch davon aus, dass die Zahlen für die restlichen fünf Monate des Jahres positiver ausfallen werden. Ohnehin fokussiert sie sich auf den Einzel-Ticket-Verkauf für Erwachsene – das Ergebnis liegt deutlich über der Prognose. Im August wurden rund 2500 Tickets mehr verkauft als im Mai (bei Kindern rund 600). „Das ist ein Erfolg.“

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