Heimbach - Die Eifel im Fokus eines Foto-Visionärs

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Die Eifel im Fokus eines Foto-Visionärs

Von: Beate Weiler-Pranter
Letzte Aktualisierung:
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Seit gut einem Jahr digitalisiert Erich Justra das historische Foto-Material des Heimbacher Geschichtsvereins: Uber 1800 Aufnahmen hat er inzwischen bearbeitet. Foto: Weiler-Pranter

Heimbach. „Ach, man muss einfach den richtigen Blick dafür haben”, meint Erich Justra bescheiden, wenn er auf sein Lebenswerk angesprochen wird. Seit über 60 Jahren bannt der mittlerweile 86-jährige Fotograf Eifel-Motive auf Zelluloid.

Zunächst in Schwarz-Weiß. „Schon in den 50er Jahren erkannte mein Vater den hohen Erholungswert dieser Region und gab mir den Tipp, Postkarten zu fotografieren”, erinnert sich Erich Justra, der eigentlich Konzertpianist werden wollte.

Doch Krieg und Vertreibung - im Marschgepäck hatte er damals stets einen Stapel Reclam-Partituren - zwangen den jungen Mann umzudenken. Erst 1950 fand der 1925 im Sudentenland Geborene in Heimbach eine zweite Heimat.

750.000 Postkarten auf Lager

Wie vom Vater prophezeit, blühte der Eifel-Tourismus auf; das Postkartengeschäft boomte, und der junge Justra gründete in Heimbach seinen eigenen Verlag. „Teilweise hatte ich hier 750.000 Postkarten mit den unterschiedlichsten Eifel-Motiven auf Lager”, erzählt er und blättert in einer seiner zahlreichen Fotomappen.

60 Jahre Eifel-Entwicklung im fotografischen „Zeitraffer”. Egal ob die Aufstockung der Rurtalsperre, 50er-Jahre-Autorennen auf dem Nürburgring oder der Bau des Aachener Klinikums: Erich Justra war immer mit der Kamera dabei. Für seine begehrten Luftaufnahmen, die er auf einem Negativ-Format von 13 x 18 Zentimetern belichtete, ließ sich der Autodidakt und Tüftler sogar einen Fotoapparat mit speziellem Alu-Gehäuse anfertigen. „Dieses Unikat war während des Fluges leichter zu handhaben als die herkömmlichen Kameras”, erinnert sich der 86-Jährige an sein Husarenstück. Die eindrucksvollsten Luftbilder der Eifel-Maare wurden anschließend in den Erdkundebüchern eines Münchener Schulbuchverlages veröffentlicht.

Der Foto-Visionär Erich Justra war stets seiner Zeit voraus. Als erstem Fotografen gelang es ihm 1968, einen großformatigen, farbigen Bildband „Die Eifel im Farbbild” auf den Markt zu bringen. Durch dieses Standardwerk, das bereits im ersten Jahr eine Auflage von 20.000 Exemplaren erreichte, wurden große Unternehmen auf den Heimbacher Fotografen aufmerksam. Für die Bitburger Brauerei gestaltete er in den Folgejahren Fotokalender: „Damals hingen meine Luftaufnahmen von Burgen, Schlössern, Seen und Flüssen der Eifel in jeder Gaststätte”, schmunzelt der alte Herr. Auch eine große Molkerei nutzte seine charakteristischen Eifelmotive, um ihre kleinen Kaffeesahne-Portionen für die Gastronomie, die sogenannten „Knöpfchen”, mit Fotos zu verschönern.

Mittlerweile hat Erich Justra, der zeitweise auch als Industriefotograf in der Dürener Papierindustrie tätig war, ein neues Aufgabengebiet entdeckt: Seit gut einem Jahr digitalisiert er die historischen Fotos und Postkarten des Heimbacher Geschichtsvereins. Über 1800 Aufnahmen aus dem Archiv hat er inzwischen sortiert, per Computer bearbeitet und katalogisiert. „Früher habe ich meine Negative mit speziellen Bleistiften retuschiert”, berichtet Erich Justra. „Heute restauriere ich die alten Heimbacher Aufnahmen am Computer. Manchmal Pixel für Pixel.” Abschließend druckt er das „optische Gedächtnis” der Eifel als Kontaktabzüge aus. Seite für Seite im DIN-A4-Format. „So lassen sich später die einzelnen Motive viel schneller wiederfinden”, weiß der Profi.

Zu Weihnachten bekam der Senior von seiner zweiten Ehefrau einen Flachbild-Monitor für den PC geschenkt. „Der ist viel augenschonender”, freut sich der Vollblut-Fotograf und schaltet den Computer ein. Zu tun gibt´s schließlich noch genug - auch mit 86 Jahren.
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