Düren - Die Dürener SPD steht vor einem Generationenwechsel

Die Dürener SPD steht vor einem Generationenwechsel

Von: Ingo Latotzki
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Nach heutigem Stand ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Ulf Opländer, ... Foto: inla
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... Henner Schmidt ... Foto: inla
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... und Peter Koschorreck sich in den politischen Ruhestand verabschieden. Foto: inla

Düren. Wenn die deutsche Nationalmannschaft vor einem Generationenwechsel steht, schläft Fußball-Deutschland unruhig, weil niemand genau wissen kann, wie die Zukunft aussieht. So dramatisch wird es bei der Dürener SPD nicht sein, obwohl sie bis 2020 führende Köpfe verlieren wird.

Bisher ist sicher, dass Fraktionschef Henner Schmidt, 68, aufhören wird. Auf dem Sprung, sich aus der ersten Reihe zu verabschieden, sind offenbar auch Peter Koschorreck, 75, und Ulf Opländer, 66. Beide überlegen und schließen die politische Rente nicht aus.

Wenn mindestens drei profilierte Sozialdemokraten aufhören: Was heißt das für die SPD und die Dürener Politik?

„Wir sind heute schon dabei, die Weichen zu stellen“, sagt Henner Schmidt. Der Gürzenicher ist seit 2004 an der Spitze der Fraktion und vorvergangene Woche wiedergewählt worden. Ob Schmidt seinen Posten bis zur Kommunalwahl 2020 behält, ist fraglich und hängt auch von den Ambitionen möglicher Nachfolger ab. Zu seinen Stellvertretern wählte die Fraktion Dagmar Nietan, 50, und Frank Heinrichs, 52, zwei Politiker, die heute bereits im Stadtrat sitzen.

Dass einer von ihnen auf Schmidt folgt, kann gemutmaßt werden, sicher aber ist es nicht. Das Pensum, das ein Fraktionschef in einer Stadt wie Düren zu leisten hat, ist oft nicht mit einem gängigen beruflichen Alltag zu vereinbaren. „Es ist mindestens ein Halbtagsjob“, sagt Henner Schmidt, der selbst seit einigen Jahren im Ruhestand ist und sich deshalb Zeit für die politische Arbeit nehmen kann. Die kommunalen Themen, mit denen sich die Fraktions- und Parteispitzen beschäftigen müssen, würden immer komplexer, sagt Schmidt. „Das macht man nicht nebenbei.“ Aktenstudium, Gespräche, Verhandlungen, Sitzungen, repräsentative Termine – das Anforderungsprofil ist üppig und wird in den nächsten Jahren kaum abnehmen.

Gleichzeitig wird es schwerer, ehrgeizigen Nachwuchs zu rekrutieren. Studien belegen, dass sich junge Menschen deutlich weniger langfristig in Parteien engagieren wollen und stattdessen lieber kurzfristig projektbezogen, beispielsweise in einer Umweltinitiative, mitarbeiten.

Junge Nachwuchspolitiker

„Wir haben schon einige junge Nachwuchspolitiker in den Stadtteilen“, sagt Sozialdemokratin Liesel Koschorreck, ehrenamtliche Stellvertreterin von Bürgermeister Paul Larue und Vorsitzende des Sozialausschusses. Sie müssten herangeführt und aufgebaut werden. Allerdings sind es nicht viele, die den Sprung schaffen. „Von zehn, die anfangen, bleiben ein, zwei dabei und kommen für eine Kandidatur für den Rat infrage“, sagt Henner Schmidt. „Wir hatten zuletzt viele Hoffnungsträger, aber die sind alle weg.“

Liesel Koschorreck macht keinen Hehl daraus, dass es für ihre Partei „nicht einfach wird, die Lücke zu schließen“, wenn ihr Ehemann sowie Ulf Opländer und Henner Schmidt nicht mehr in der Fraktionsspitze sind. „Da geht uns jede Menge Know-how verloren“, sagt die frühere Dürener Parteivorsitzende und Landtagsabgeordnete.

Wer 2020 für die SPD als Bürgermeisterkandidat antreten könnte, ist eine offene Frage. Partei- und Fraktionsspitze wollen sich mit dem Thema noch nicht beschäftigt haben. Den ersten Zugriff hat der Fraktionsvorsitzende. Der derzeit amtierende wird verzichten, wenn er noch im Amt sein sollte. Also sein Nachfolger, seine Nachfolgerin? Noch ist niemand zu erkennen, der sich ernsthaft warmlaufen würde.

Natürlich könnte es auch ein Quereinsteiger sein, also jemand, der jetzt noch gar nicht, ausgestattet mit einem Amt, in der Dürener Politik unterwegs wäre. Aber sich zum Beispiel in einer Verwaltung Verdienste und Kompetenzen erworben hat und deshalb infrage käme. Fest steht: Tausende Plakate muss man nicht mehr geklebt haben, um in der SPD groß zu werden. Früher war immer gerne von der sogenannten Ochsentour die Rede. Dieses Prozedere kann sich die Partei kaum noch leisten, wenngleich es nach wie vor kein Problem sein soll, Kandidaten für die einzelnen Wahlbezirke zu finden, sagen Liesel Koschorreck und Henner Schmidt.

Man wird sehen, was die Zukunft bringt. Offiziell äußert sich niemand. Und offiziell gibt sich die Fraktionsspitze entspannt – trotz des sich abzeichnenden Generationenwechsels. Das wäre in Fußball-Deutschland undenkbar.

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