Düren - Die Dürener LVR-Klinik erfindet sich neu

Die Dürener LVR-Klinik erfindet sich neu

Von: Burkhard Giesen
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Mit Hochdruck wird am Innenausbau der neuen Psychiatrie auf dem LVR-Gelände gearbeitet, damit sie im Juni in Betrieb gehen kann. Vorgesehen sind 110 Betten und 22 Plätze in der Tagesklinik. Foto: Burkhard Giesen
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Das alte Standardbettenhaus wird dann geräumt und saniert. Foto: Burkhard Giesen
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Michael van Brederode will verstärkt gesundheitsnahe Berufe auf dem LVR-Gelände ansiedeln. Foto: Burkhard Giesen

Düren. Mit Musik kennt sich Michael van Brederode aus. Vor allem mit Zukunftsmusik. Die begleitet den Kaufmännischen Direktor der Dürener LVR-Klinik schon seit ein paar Jahren. Den Takt bei der Zukunftsmusik geben Großbauprojekte vor.

Bereits Ende 2013 war der Neubau der Akutpsychiatrie mit knapp 100 Plätzen in Betrieb genommen worden. Jetzt im März erfolgt die Schlüsselübergabe für die neue Psychiatrie, die über 110 Betten plus 22 Plätze in der angegliederten Tagesklinik verfügt. Sie soll in Juni in Betrieb genommen werden. Parallel wurde als Dependance das Therapiezentrum in Bergheim mit 64 Plätzen und einer Tagesklinik gebaut.

Fast nahtlos geht es weiter: Noch in diesem Jahr soll das alte Standardbettenhaus geräumt und für mehrere Millionen Euro komplett saniert werden. Ende 2020 oder im Frühjahr 2021 könnte es dann moderner und mit verminderter Bettenzahl wieder in Betrieb gehen. Parallel wird auch die Infrastruktur auf dem LVR-Gelände erneuert. Die Versorgungskanäle, Energietechnik und die Telekommunikation sollen erneuert werden.

„Verteilt auf die nächsten Jahre investieren wir fast 40 Millionen Euro in diese Maßnahmen“, erklärt van Brederode. Diese Mittel müssen weitgehend durch die Klinik aus eigener Kraft erwirtschaftet werden. „Es ist ein gesundheitspolitisch viel diskutiertes Thema“ so van Brederode, „dass das Land seiner Verpflichtung zur Investitionsfinanzierung der Krankenhäuser nur unzureichend gerecht wird. Im Bundesvergleich gehört NRW hier leider zu den Schlusslichtern“ Ist das Programm abgeschlossen, hat sich der eigentliche Krankenhausbereich der LVR-Klinik rundum erneuert und konzentriert sich dann eher im östlichen Bereich des Geländes.

„Für uns ist das eine sehr zentrale Entwicklung, weil es gleichzeitig eine deutliche Abkehr von der alten Psychiatrie bedeutet. In den neuen Gebäuden ist alles sehr modern, hochwertig und lichtdurchflutet gestaltet“, sagt van Brederode. Die Patienten sollen nicht nur best möglich versorgt werden können, sondern sich auch wohlfühlen. Pflegedienstleiter Mario Kuckertz, der mit der Planung der Neubauten beauftragt war, hat vor allem darauf geachtet, dass die vorhandenen Erfahrungen im Umgang mit den Patienten in das neue Haus einfließen – das reicht von ganz simplen Planungen wie dem barrierefreien Bad bis zum Farb- oder Lichtkonzept. Auch im Bereich des Maßregelvollzugs sollen künftig bessere Unterbringungs- und Arbeitsbedingungen entstehen. Das Land hat zugesagt, sich hier an den Kosten zu beteiligen. Fast ein Jahr lang wurde über die Investitionen verhandelt – „das hat Zeit gekostet“, sagt van Brederode.

Mehr Zeit, weniger Kosten

Auch der Bau des neuen Hauses hat länger gedauert als vorgesehen – vor allem aufgrund der Insolvenz eines am Bau beteiligten Unternehmens. Beachtlich ist ein anderer Punkt, auf den Mario Kuckertz durchaus stolz ist: Der Ende 2013 fertiggestellte Neubau der Akutpsychiatrie war mit knapp 19 Millionen Euro eine Million günstiger als eingeplant, und auch beim Neubau der Psychiatrie konnte rund eine halbe Million Euro einsparen – bei öffentlichen Bauvorhaben eher eine Besonderheit.

Nebeneffekt der „Neuerfindung“ der LVR-Klinik ist, dass viele der bisher genutzten Gebäude frei werden. Das ist genau „die Zukunftsmusik am Ende des Prozesses“, die van Brederode jetzt komponieren muss. Eine neue Nutzung für die alten Gebäude soll her. Das ist nicht ganz unproblematisch: Die Gebäude stehen unter Denkmalschutz, es besteht gar ein Ensembleschutz. Das heißt, auch der Parkcharakter der Anlage darf nicht verändert werden.

Nachgedacht wird derzeit über eine Kooperation mit dem städtischen Krankenhaus. Überhaupt würde sich das Gelände „für gesundheitsnahe Berufe und Branchen“ bestens eignen. Denkbar sei da vor allem auch die Zusammenarbeit mit Investoren, zum Beispiel wenn es darum geht, Ärztehäuser auf dem Klinikgelände zu realisieren oder weitere Physiopraxen anzusiedeln.

Wie gesagt: Das ist noch Zukunftsmusik. Viel näher liegt ein ganz anderes Projekt: Der Umbau des ehemaligen Bewahrungshauses Haus 5 in ein Dokumentationszentrum der Psychiatrie für alle LVR-Kliniken. „Zur Geschichte der Psychiatrie gehören sehr problematische Zeiten: Die Tötung psychisch kranker Menschen im Nationalsozialismus, aber auch die schlechten, menschenunwürdigen Bedingungen in der Nachkriegszeit. Diese Geschichte wollen wir im alten Haus 5 historisch aufbereiten. Damit sind wir schon ein gutes Stück vorangekommen. Jetzt geht es darum, das alles in ein Ausstellungskonzept einfließen zu lassen. Es ist kein einfaches Thema, wenn man den Geist der damaligen Zeit vermitteln will“, sagt van Brederode.

Anschubfinanzierung

Entscheidende Vorarbeit hat hier der Förderverein Psychiatriegeschichtliches Dokumentationszentrum geleistet, der bereits mit Zeitzeugen die Geschichte des Bewahrungshauses aufbereitet hat. „Die Kulturförderung des LVR versetzt uns jetzt erstmals in die Lage, eine Stelle zu schaffen“, freut sich van Brederode. 100.000 Euro stehen als Anschubfinanzierung bereit. Mehr Geld wird noch benötigt, auch, um das Gebäude zum Beispiel brandschutztechnisch zu sanieren und die obere Etage wieder nutzbar zu machen.

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