Simonskall - Die Burg kostet einfach ein Vermögen

Die Burg kostet einfach ein Vermögen

Von: Gudrun Klinkhammer
Letzte Aktualisierung:
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Liegt im Dornröschenschlaf: Die 1643 erbaute Burg in Simonskall befindet sich in zehnter Generation im Familienbesitz. Foto: Klinkhammer

Simonskall. Durch die kleinen Fenster fällt ein wenig Licht in das Schlafzimmer. Am Fußende des ordentlich hergerichteten Doppelbetts liegt eine Weste. Das Kleidungsstück sieht aus, als hätte es kürzlich jemand dorthin gelegt, um es gleich wieder an sich zu nehmen und überzustreifen. Doch der Schein trügt.

Der Träger der Weste, Willi Scholl, verstarb vor vier Jahren. Seinem Sohn Franz Scholl hinterließ er nicht nur das unversehrte Kleidungsstück, sondern auch die ganze Burg darum herum.

„Ich bin hin- und hergerissen“, sagt Franz Scholl. Die ersten 22 Jahre seines Lebens verbrachte der heute 58-Jährige mit seinen Eltern und Geschwistern auf Burg Simonskall. Erinnerungen gibt es an lange Abende auf der alten Holzbank vor dem großen Eingangstor, an sorglose Spiel- und Abenteuerstunden im angrenzenden Bach und an die Tiere, die im Stall über viele Winter hinweg gehegt und gepflegt wurden. Franz Scholl: „Die alten Walnussbäume hinter dem Haus sahen noch nie anders aus, ich kenne diese Bäume nur in ihrer stattlichen Größe.“

Insgesamt gehören zur Burg Simonskall 15,5 Hektar Land. Was den heutigen Besitzer gefühlsmäßig so hin- und herreißt, und da geht es ihm wohl wie vielen Menschen, deren Eltern verstorben sind und deren Haus dann leer steht: „Auf der einen Seite kann ich das Gebäude finanziell gar nicht mehr tragen, diese Burg verschlingt im Jahr Tausende von Euros, etwa für Versicherungen und Heizöl. Auf der anderen Seite fällt es mir allerdings auch schwer, sie zu vermieten oder gar zu verkaufen. Immerhin handelt es sich um mein Elternhaus und um Familienbesitz in zehnter Generation.“

1643 wurde die Burg als Festung auf einer Grundfläche von 30 mal 35 Metern von Simon Kremer, einem Vorfahren von Franz Scholl, erbaut. Simon Kremer betrieb damals ein Eisenhüttenwerk in Zweifallshammer, sieben Kilometer an der Kall entlang talabwärts. Schießschacht ähnliche Fenster an den Ecken des Hauses weisen auf die ehemalige Verwendung der Öffnungen hin.

Der Elektro-, Mess- und Regeltechniker Franz Scholl, der mit seiner Familie im Schmidter Eigenheim lebt, hofft auf einen Architektur-Liebhaber, der sich des Gebäudes annimmt. Wie es seine Zeit erlaubt, wartet und pflegt Scholl die Burg, so gut es geht. Doch der Dornröschenschlaf zehrt inzwischen an den meterdicken Mauern und an den mächtigen Balken. Scholl: „Das alte Gemäuer birgt viele Probleme, so muss es auch im Sommer wegen der Kühle und Feuchtigkeit, die von den dicken Mauern gespeichert wird, mit Öl und Holz geheizt werden.“

An der Außenansicht darf wegen des Denkmalschutzes nichts verändert werden und im Innenbereich bringen schiefe und schräge Wände den Besucher zum Staunen. Doch auch die Vorteile bleiben nicht außer acht. Denn das Flair und die Geschichte, die an ihm haftet, sind einmalig, urig und gemütlich. Seine Bewohner prägt das Gebäude ebenso wie die Landschaft, die es umgibt. Noch heute fährt Franz Scholl ungern in die Stadt und ist froh, nach wenigen Stunden wieder von der Natur und der Urwüchsigkeit umgeben zu sein. Bleibt abzuwarten, wann und wie der Dornröschenschlaf der Burg Simonskall beendet wird.

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