Die Bilder als Gipsabdruck der eigenen Seele

Von: Gudrun Klinkhammer
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Dr. David Eisermann (r.) und Achim Konejung übergaben den Preis an Maf Räderscheidt, die sich sehr über die Auszeichnung freute. Foto: Klinkhammer

Heimbach. Politisch, kritisch, nicht auf den Mund gefallen und mit hoher Qualität, was die Malerei, vor allem das Aquarellieren angeht: All das zeichnet die Künstlerin Maf Räderscheidt aus. Für ihren unermüdlichen Einsatz, für ihre Werke und ihr Handeln erhielt die Wahl-Schleidenerin am Samstagnachmittag den Horst-Konejung-Preis in der Internationalen Kunstakademie in Heimbach.

„So sah der Raum noch nie aus“, staunte Prof. Dr. Frank Günter Zehnder, Leiter der Akademie, als er sich umschaute. Viele Zitate bekannter Persönlichkeiten baumelten von der Raumdecke hinab, gemalt mit schwarzer Tusche auf grauem Karton. „Lerne die Regeln wie ein Profi, damit Du sie brechen kannst wie ein Künstler“, soll Pablo Picasso einst gesagt haben. „Ohne Leidenschaft wird nichts Kräftiges vollbracht“, wird Bettina von Suttner zugeschrieben. Die Zitate wählte die Geehrte aus und malte sie im Vorfeld der Veranstaltung auf Pappe. Damit zeigte sie den rund 50 Anwesenden plakativ ihre Geisteshaltung. Zu ihrer Malerei sagte Maf Räderscheidt in ihrer Dankesrede: „Meine Bilder sind der Gipsabdruck meiner Seele.“

Eigenwillig geht die 1952 in Augsburg geborene, verheiratete Mutter einer Tochter ihren Weg. Als Enkelkind des berühmten und während des Naziregimes verfolgten Künstlerehepaares Marta Hegemann und Anton Räderscheidt erhofften sich ihre Eltern eine bodenständige Zukunft für Martha Angelika Felicitas Räderscheidt, kurz „Maf“. Buchhändlerin sollte sie werden, ein ruhiges Leben führen. Kreuzunglücklich saß Maf eines Tages tatsächlich in einer Buchhandlung und befolgte den Rat ihrer Eltern: „Rede nicht, sei nicht so laut, gib Dich geheimnisvoll.“

Das Problem: In Maf Räderscheidt schlummerte ein anderer Mensch, ein lauter, einer, der sich einsetzt für Schwache und sich dabei auch schon mal kräftig die Finger verbrennt. Maf Räderscheidt: „Ja, ich verbrenne mir die Finger, und es tut weh. Ich fräse Playboyhasen aus Nobelkarossen von Kunstgaleristen und habe auch schon mal Hausverbot. Neonazis schossen auf mein Haus in Lohmar. Aber ich kann mich heute noch gut selbst im Spiegel sehen.“ Der Satz: „Da kann man nichts machen“ gilt nicht für Maf, denn „irgendwas Kleines kann man immer machen.“ Was die Künstlerin ab und an bedauert: „Da ruft mir die millionenschwere Kunstsammlerin zu, ich sei ein Gutmensch, anstatt mir mal ein Bild abzukaufen. Die Malerei ist ein einsamer Weg, aber es ist der Weg der Freiheit, auf dem ich die sein darf, die ich sein möchte.“ Frank Günter Zehnder würdigte die Künstlerin, die als Dozentin an der Akademie in Heimbach lehrt, als markante Persönlichkeit.

Zehnder: „Bei ihr geht es nicht um Dekor, um Anpassung und den schönen Schein. Sie liefert nicht auf Bestellung Idylle.“ Stattdessen liefere und fordere Maf Räderscheidt in einem Atemzug, ihre Bilder seien Ermutigung, Störung und Kraftakt zugleich.

Weitere Redner an diesem Nachmittag waren Achim Konejung, Sohn des Preisstifters Horst Konejung. Achim Konejung: „Mein Vater war ein überzeugter Europäer, was würde er wohl sagen, wenn er das heutige Europa sehen könnte?“ Der Beiratsvorsitzende der Stiftung, Dr. David Eisermann, übergab schließlich den Preis.

Für die musikalische Gestaltung sorgte Winfried Bode aus Köln. Mit „Sweet dreams“ und „Painted black“ sang er sich in die Herzen der Anwesenden.

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