Die Bewegung kommt immer öfter zu kurz

Von: Stephan Johnen
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Klettern will gelernt sein. Die Kinder aus der „Drachenburg“ zeigen Projektkoordinatorin Veronika Lemanzyk, was sie können. Foto: Johnen

Düren. Sport und Bewegung gehören auch bei Kindern nicht automatisch zum Alltag. „Räuber und Gendarm“ wird heute beispielsweise auf der Spielekonsole gespielt, bequem von der Couch aus. Erzieher, Lehrer und Mediziner schlagen Alarm: Kinder haben immer häufiger Koordinationsschwächen, Haltungsschäden, leiden an Übergewicht und einseitiger Belastung.

„Im Zeitalter von Spielekonsolen und Smartphones kommt die Bewegung im Kindesalter immer kürzer“, bilanziert Wolfgang Schmitz, der Geschäftsführer des Kreissportbundes. Das habe nicht nur gesundheitliche Folgen, sondern schränke auch die Persönlichkeitsentwicklung ein.

Der Kreissportbund hat sich daher in Kooperation mit der Krankenkasse Barmer GEK zum Ziel gesetzt, alle Kindertagesstätten im Kreis Düren zu anerkannten Bewegungskindergärten zu zertifizieren. Bereits im September 2015 haben die Kitas im Nordkreis dieses vom NRW-Gesundheitsministerium vergebene Gütesiegel erhalten. Auch der Landessportbund ist mit im Boot. „Der Kreis Düren ist in NRW bereits Spitze“, bilanziert Schmitz.

77 der 155 Kitas im Kreisgebiet sind bereits zertifiziert, mit Ausnahme der Gemeinde Kreuzau ist der Südkreis aber noch ein recht weißer Fleck auf der Landkarte. „Als Kreissportbund sehen wir uns in der Pflicht, von der Kita bis zum Seniorensport Angebote zu unterbreiten“, betont Schmitz. Bis Mitte 2017 sollen auch die übrigen Kitas Teil der „Bewegungsfamilie“ sein. „Es ist eine wichtige Prägung, dass Sport zum Leben dazugehört“, sagt der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel (MdB, CDU), der die Schirmherrschaft übernommen hat.

„Ziel ist es, in den Kitas die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern zu unterstützen und der Bewegungsarmut und Bewegungslosigkeit von Kindern entgegenzuwirken“, erklärt Projektkoordinatorin Veronika Lemanzyk. In einem ersten Schritt soll allen Bürgermeistern der Kommunen das Projekt erklärt werden, danach werden die Kita-Träger und die Kita-Leitungen beziehungsweise die Erzieher informiert.

„Der Weg zum anerkannten Bewegungskindergarten ist dann mit relativ hohem Aufwand verbunden“, räumt Wolfgang Schmitz ein. So müssen beispielsweise mindestens zwei pädagogische Fachkräfte die Ausbildung „Bewegungserziehung im Kleinkind- und Vorschulalter“ der Sportjugend NRW absolvieren. Die Erzieher müssen dafür fünf Tage freigestellt werden. Der Träger der Kita muss zudem eine Kooperation mit einem Sportverein eingehen. Auch ein entsprechend gestalteter und ausgestatteter Bewegungs- beziehungsweise Mehrzweckraum und ein geeignetes Außengelände gehören dazu.

„Von der Kooperation der Kitas mit den Vereinen profitieren beide Seiten“, ist Wolfgang Schmitz überzeugt. Der Verein wird als „kinderfreundlicher Sportverein“ ausgezeichnet und kann womöglich neue Mitglieder gewinnen, die Kita profitiert von zusätzlichen Angeboten – oder kann sich Räume und Geräte mit dem Verein teilen.

Fortbildungen

Wer das Siegel behalten möchte, muss sicherstellen, dass die Zusammenarbeit mit einem Sportverein auch gelebt wird, und dass Erzieher in vier Jahren 16 Fortbildungsstunden besucht haben.

„Die Zeit hat sich geändert, Kinder haben oftmals nicht den Raum, sich zu bewegen“, erklärt Petra Vossen von der Barmer GEK. Daher sei es wichtig, schon frühzeitig solche Angebote zu unterbreiten. Die Barmer unterstützt die Ausbildung der Erzieher im Südkreis mit 20.000 Euro in zwei Jahren. Nicht nur Bewegung soll eine tägliche Rolle in den Kitas spielen, sondern auch das Thema gesunde Ernährung, eine weitere Baustelle.

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