Die Betreuung steht vor dem Finanzkollaps

Von: gkli
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Fordern mehr Unterstützung für Betreuungsvereine (v. l.): Oliver Krischer, Ruth Tempelaars (SkF-Vorstandsmitglied), Uli Lennartz Dietmar Nietan, Suzan Sag und Ralf Pütz (beide SkF-Vereinsbetreuer). Foto: gkli

Kreis Düren. „Wir sind dann mal weg“, lautet der Titel eines provokanten Flyers, den jetzt die katholischen Betreuungsvereine SkF (Sozialdienst katholischer Frauen), SKM (Katholischer Verein für Soziale Dienste) und DCV (Deutscher Caritasverband) gemeinsam vorlegten.

Dazu fand in den SkF-Geschäftsräumen in Düren eine Konferenz statt, an der auch die Bundestagsabgeordneten Dietmar Nietan (SPD) und Oliver Krischer (Bündnis 90/Die Grünen), teilnahmen. Thomas Rachel (CDU) hatte sich bereits im Vorfeld der Pressekonferenz über das Anliegen der Betreuungsvereine informiert und mit einem Antrag seines Kreisverbandes Düren-Jülich an den Bundestag reagiert.

Hintergrund der Kampagne der Betreuungsvereine ist der Ruf nach mehr Unterstützung und mehr Geld. SkF-Geschäftsführer Uli Lennartz holte ein wenig aus, als er das Problem darstellte: „Der SkF wurde 1906 gegründet, um Menschen, die Unterstützung benötigen, zur Seite zu stehen.“

Im Betreuungsverein gründete sich später ein weiterer Verein, dem zum Beispiel die Schulung von Ehrenamtlern obliegt. Die Schulung ist nach wie vor gesetzlich vorgeschriebene Pflicht, allerdings wurden in den 1990er Jahren die Mittel in Höhe von 40.000 Mark gestrichen. Auch wurde damals die Vergütung gesetzlich festgelegt. Lennartz: „Wir möchten darauf aufmerksam machen, dass wir hier ein gesamtgesellschaftliches Problem vorliegen haben, hier müssen längst überholte Gesetze geändert werden.“

Denn mit den derzeit veranschlagten Mitteln lässt sich die Arbeit im Grunde genommen gar nicht mehr durchführen, so Lennartz weiter. Die Betreuungsvereine seien massiv in ihrer Existenz gefährdet. Wenn sich nichts ändere, müssten in naher Zukunft bundesweit rund 800 Betreuungsvereine ihre Arbeit einstellen. Bis zu einer Millionen Menschen wären davon betroffen.

Die Betreuungen müssten dann von Freiberuflern übernommen werden, was laut Lennartz zusätzliche Kosten von 1,5 Millionen Euro verursachen würde. Dietmar Nietan formulierte das Problem so: „Das Ganze ist in sich ein Widerspruch: Die Betreuungsvereine finanzieren sich über Betreuungen, für den Verein bleibt keine Zeit mehr.“ Er sprach ein weiteres Problem an: „Die Betreuung ist auf Bundesebene geregelt, die Unterstützung der Betreuungsvereine allerdings ist Ländersache.“

Derzeit gelte die Regel: Wer sich zuerst bewege, Bund oder Land, der verliere und müsse zahlen. Das sei allerdings kein Zustand. Bund und Länder, forderte Nietan, müssen möglichst schnell an einem Tisch zusammenkommen und ein neues Konzept ausarbeiten, in dem vor allem Ehrenamtler eine große Rolle spielen sollten. Durch die Kampagne, so vermeldete der MdB, sei allerdings nun Bewegung in die Sache gekommen.

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