Düren - Die Belastung macht Erzieherinnen krank

Die Belastung macht Erzieherinnen krank

Von: Christoph Lammertz
Letzte Aktualisierung:
kitabu
Zeit für die Kinder: Kitaleiterin Melanie Weingartz hätte gerne mehr davon. Stattdessen bestimmen mehr und mehr betriebswirtschaftliche Uberlegungen und Dokumentationsaufgaben ihren Arbeitsalltag. Foto: Lammertz

Düren. Es ist einer dieser Tage in der Kindertagesstätte „Lollypop”, von denen es für Leiterin Melanie Weingartz viel mehr geben müsste. Nein, auch heute sind nicht alle 45 Kinder, die die Kita im Dürener Norden besuchen, leise, lieb und rücksichtsvoll.

Auch heute können sich Melanie Weingartz und ihre Kolleginnen nicht entspannt zurücklehnen, weil sich die Arbeit von alleine erledigen würde. Aber heute ist das Pensum, das täglich in der Kita „Lollypop” für die Erzieherinnen anfällt, zu schaffen. Denn mit der Leiterin sind alle vier Kolleginnen an Bord.

„Glauben Sie mir, das ist die Ausnahme”, sagt Melanie Weingartz. Da komme es schon häufiger vor, dass nur zwei oder drei Erzieherinnen einsatzfähig sind, berichtet die 38-Jährige und spricht damit ein Thema an, dass in vielen Kindergärten Probleme verursacht: der hohe Krankenstand beim Personal.

„Es kommt vor, dass 20 Prozent unserer Erzieherinnen ausfallen”, sagt Johannes Veith. Er ist der Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt im Kreis Düren, die derzeit knapp 250 Erzieherinnen (und zwei Erzieher) in 22 Kindertagesstätten beschäftigt. Drei Ursachen nennt Veith: die Gefahr der Ansteckung bei Kindern, die mit Infekten in die Kitas gebracht werden, die hohen körperlichen Anstrengungen und - was immer bedeutender werde - die hohe psychische Belastung.

Gerade der letzte Punkt beschäftigt Melanie Weingartz besonders stark. Denn die Kita „Lollypop” ist kein Durchschnittskindergarten. Von 45 Kindern haben dort 37 Migrationshintergrund. 20 durchlaufen besondere Sprachförderprogramme. Einzelne haben so schlechte Deutschkenntnisse, dass sie, wenn sie bis zur Einschulung ein gewisses sprachliches Niveau erreichen sollen, im Grunde einer Rundum-Betreuung bedürfen. „Wenn man dann noch weiß, dass in einer 22 Kinder starken Gruppe fünf unter drei Jahren sind, die regelmäßig gewickelt werden müssen, und dass die Sprachprogramme nur in kleinen Gruppen funktionieren, dann kann sich jeder ausrechnen, wie oft eine Kollegin mit dem Rest der Gruppe alleine ist”, sagt Weingartz.

Die Pflicht zur Dokumentation der Förderprogramme, die regelmäßigen Elterngespräche, die immer größer werdende Anzahl verhaltensauffälliger Kinder und dazu der eigene Anspruch, neue Konzepte mit Engagement umzusetzen - das sind weitere Stichworte, die Melanie Weingartz auf die Frage nach den besonderen Belastungen ihres Berufs nennt.

Den Vorstoß der neuen Landesregierung, die angekündigt hat, die Kindergärten finanziell und personell besser auszustatten, begegnet Melanie Weingartz mit Skepsis. „Ich glaube erst an eine Entlastung, wenn sie da ist”, sagt sie. Bis dahin hoffe sie auf mehr solcher Tage, an denen alle Kolleginnen einsatzfähig sind, und das große Pensum in der Kita „Lollypop” zu schaffen ist.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert