Die B56 wird zum Nadelöhr

Von: Jörg Abels
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„Wir wollen so viel Verkehr wie möglich über die Behelfsbrücke führen“ sagt Anke Leimert von der Stadt Düren.
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Der Neubau erfolgt als Stabbogenbrücke. Die Bauteile werden auf der Schoellerstraße montiert und dann über die Bahn geschoben. Foto: Abels

Düren. Wenn Seniorchef Eberhard Hess aus dem Besprechungsraum seiner Firma Krafft Walzen auf die Eisenbahnbrücke der Schoellerstraße schaut, erinnert er sich noch sehr gut an den Bau Ende der 50er Jahre. Mit Blick auf den Abriss und Neubau des nicht mehr sanierungsfähigen Bauwerks schwant ihm allerdings nichts Gutes.

„Das wird ein Verkehrschaos geben“, ist Hess der sich jahrzehntelang für den Bau der Ostumgehung eingesetzt hat, überzeugt.

„Ich bin sicher, dass wir die Verkehrssituation im Griff haben“, betont Dürens Baudezernent Paul Zündorf, der am Donnerstag mit Vertretern des Tiefbauamtes und des Landesbetriebs Straßenbau über den Zeitplan, die Einschnitte und das breit angelegte Verkehrslenkungskonzept im Zuge der anderthalbjährigen Baumaßnahme an der B 56 informierte.

Bereits am kommenden Montag, 10. Februar, beginnen die Vorarbeiten zur Verlagerung des kompletten Verkehrs auf die schon seit Monaten stadteinwärts genutzte Behelfsbrücke. Ab dem 19. Februar wird dann auch der stadtauswärts fließende Verkehr auf die zweispurige Behelfsbrücke umgelegt, gut sieben Wochen vor dem Abriss der Brücke in der ersten Osterferienwoche.

Zeit, die unter anderem für eine intensive Sondierung des Baustellenbereichs durch den Kampfmittelräumdienst benötigt wird, erklärt Projektleiter Ernst Gombert vom Landesbetrieb Straßenbau. Problem: Die A4-Anschlussstelle Merzenich, über die der Lkw-Verkehr aus Richtung Aachen vom Nadelöhr B 56 ferngehalten werden soll, kann erst Mitte/Ende März zum Teil geöffnet werden.

Umso wichtiger ist, dass das innerstädtische Verkehrslenkungskonzept, das die Stadt mit einem externen Büro und mit Hilfe einer Computersimulation erstellt hat, von Beginn an greift. „Unser Ziel ist es, dass alle Quartiere und Betriebe zu jeder Zeit angefahren werden können und sich die Behinderungen in Grenzen halten“, versichert Zündorf. Anke Leimert vom Tiefbauamt geht davon aus, dass während der Bauzeit noch rund zwei Drittel der zurzeit täglich rund 30.000 Fahrzeuge die Behelfsbrücke passieren werden.

Entsprechend lange Grünphasen an den Ampeln sollen das ermöglichen, auch wenn die Verkehrsteilnehmer auf der nur sechs Meter breiten Brücke selbst kaum schneller als 15 bis 20 km/h fahren können, vor allem nicht, wenn sich Lkw in den Kurven begegnen. Dass ein Teil der Autofahrer den Weg durch Birkesdorf nehmen wird, will die Stadt nicht ausschließen. Anke Leimert erwartet auf der Tangente Nord-/Zollhaus-/Veldener Straße etwa zehn Prozent mehr Verkehr, „aber nicht in den ohnehin bereits stark belasteten Spitzenzeiten“, die Autofahrer sicher meiden würden.

Der Rest wird den Weg über die Eisenbahnstraße in die Stadt suchen, sich dann aber so aufteilen, dass nach der Simulation zwar mehr Verkehr als bisher in der Oststraße ankommt, sich die Mehrbelastung aber in Grenzen halten wird. Ampelschaltungen und Fahrbahnaufteilungen wurden bereits angepasst. „Die Strecke wird explizit nicht als Umleitungsstrecke ausgeschildert“, betont Zündorf.

Er geht davon aus, dass Ortsunkundige sie daher nicht nutzen werden. Insgesamt betont die Stadt, dass sie – sollten in den ersten Tagen Probleme und Engpässe auftreten – bei den Ampelschaltungen noch reagieren könne. Eng könnte es allerdings zwischen Polizei und Platz der Deutschen Einheit werden. Dieser Bereich sei schon jetzt ausgelastet.

Auf drei wichtige Einschnitte weist die Stadt noch hin: Die Einmündung Schoellerstraße/Brückenstraße wird ab 19. Februar gesperrt. Wer ab dann ins Gewerbegebiet Distelrath möchte, muss auf die Kölner Landstraße und den ausgebauten Distelrather Weg ausweichen. Der Arnoldsweiler Weg (K2) ist ab dann nur noch stadtauswärts in Richtung Arnoldsweiler befahrbar. Stadteinwärts bieten B 56, L 246/Kölner Landstraße und die kleine Heerwegbrücke, die gerade ertüchtigt wird, Alternativen. Und während des Brückenneubaus können Autofahrer stadtauswärts nicht mehr nach links in die Eisenbahnstraße abbiegen.

An der Notwendigkeit der 10,5 Millionen Euro teuren Baumaßnahme zum jetzigen Zeitpunkt ließen alle Beteiligten ebenso keinen Zweifel wie am vierspurigen Neubau – trotz der bereits begonnen Arbeiten an der Ostumgehung. Der Brückenbereich der Schoellerstraße mit vier einmündenden Straßen werde auch nach Fertigstellung der Ostumgehung vier Fahrspuren erforderlich machen, betonte Zündorf.

Und der Zeitpunkt sei aufgrund der aufwendigen Absprachen mit der Deutschen Bahn, die bundesweite Auswirkungen der achttägigen Sperrung koordinieren muss, nicht verrückbar. Selbst die Tatsache, dass der Landesbetrieb kurzfristig einen neuen Bauunternehmer finden muss, könne das Projekt nicht mehr stoppen. „Jetzt oder nie“, betonte Matthias Bächler von Straßen NRW. DB und Rurtalbahn wollen in Kürze über den Ersatzverkehr während des Brückenabrisses informieren.

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