Die alltäglichen Probleme eines Rollstuhlfahrers

Von: Thomas Vogel
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Keine Absenkung des Bürgerste
Keine Absenkung des Bürgersteigs an wichtigen Stellen: Uwe Manneck zeigt, dass auch die tiefen Regenrinnen an den Straßenrändern Rollstuhlfahrern Probleme bereiten können. Foto: Vogel

Merzenich. Mit dem Rollstuhl unterwegs zu sein kann anstrengend, nervig und manchmal auch gefährlich sein. Die Hürden vor allem im Straßenverkehr sind mitunter heftig.

Um alten und behinderten Menschen den Weg ins und die Bewegung im Ortszentrum so barrierefrei wie möglich zu gestalten, nimmt die Gemeinde Merzenich an einem Projekt des Netzwerks „Verkehrssichere Städte und Gemeinden” teil. „Im Rahmen der Begehung zum Projekt Fußgängercheck sind Anregungen gegeben worden, die jetzt auf ihren Sinn und ihre Finanzierbarkeit überprüft werden”, erklärt Bürgermeister Peter Harzheim.

Und das ist dringend nötig - dieser Ansicht ist Uwe Manneck. Der Rollstuhlfahrer aus Merzenich hat nach eigener Aussage bei der Bewegung im Ort mit vielen Hürden zu kämpfen. Während er über den Lindenplatz führt, zeigt er Beispiele. Vor der Volksbank gab es in der Vergangenheit einen Behindertenparkplatz, den Manneck gut fand - höchstens ein bisschen zu schmal. Der wurde aber verlegt. „Eine fundierte Begründung für diese Maßnahme kam nicht”, sagt er.

Bürgermeister Harzheim kennt den Grund: Der Parkplatz sei tatsächlich zu schmal gewesen und mehr als ein Fahrdienst für Menschen mit Behinderung habe insistiert, ihn zu verlegen. Die Kritik aus Sicht von Rollstuhlfahrer Manneck am neuen Behindertenparkplatz, der Luftlinie circa 30 Meter entfernt liegt: Der Bürgersteig direkt dahinter ist abschüssig, somit bleibt nach dem Ausfahren der Laderampe für den Rollstuhl eine Kante, die nicht alle behinderten Parker überwinden können. Noch dazu ist der Gehsteig schmal und zum ein- und ausladen muss der Rollstuhlfahrer auf die Straße.

„Ich glaube, es ist in Merzenich heute immer noch so, dass viele Rollstuhlfahrer das Haus nicht verlassen, weil sie wissen, dass sie auf zu viele Hindernisse stoßen”, überlegt Uwe Manneck. Dazu gehört auch der Mangel an Bordsteinabsenkungen. Ein Punkt, in dem er und der Bürgermeister wieder nicht zusammenkommen.

Manneck ärgert es, an signifikanten Querungen in Merzenich Umwege fahren zu müssen oder gezwungen zu werden, ein Stück auf der Straße zurückzulegen. „Ich habe die Wahl zwischen gefährlichen Turnübungen oder weiten Wegen - und das vor allem im fließenden Verkehr.” Dabei wurde investiert.

„In den vergangenen Jahren haben wir zwischen 10.000 und 15.000 Euro für Bordsteinabsenkungen ausgegeben”, stellt Harzheim klar. Was eine Nullabsenkung auf Straßenniveau kostet, hängt von der Geometrie, der Länge und dem verwendeten Material ab. Für eine übliche Nullabsenkung werden im Schnitt rund 1500 Euro fällig.

Im Zusammenspiel mit den Bordsteinkanten machen, so Manneck, gerade die tiefen Regenrinnen an den Rändern der Straße Rollstuhl- und Rollatorfahrern zu schaffen. Mutig vom Bordstein hinunter auf die Straße, schon knirschen die Fußrasten auf dem Asphalt und es geht nicht mehr vorwärts. „Herr Manneck hat sicherlich recht, wenn er verschiedene Örtlichkeiten als nicht rollstuhlgerecht bezeichnet, aber wir können nicht an sämtlichen Örtlichkeiten Veränderungen vornehmen”, gibt der Bürgermeister zu bedenken.

Ladenbesitzer gefordert

Das muss die Gemeinde auch nicht. Schließlich liegen nicht alle Hürden in Zuständigkeit der Verwaltung. Oft steht Uwe Manneck mit seinem Rollstuhl vor Läden, die einen hohen Absatz, eine Stufe vor der Eingangstüre haben, die ein Rollstuhlfahrer alleine nicht überwinden kann. Wenige tun etwas wie die Post und direkt nebenan die Apotheke, aber die Mehrheit denkt bei der Gestaltung des Eingangs offenbar nicht an die Belange von alten und kranken Menschen.

Manneck kennt das aus dem Ausland anders und zeigt Fotos von Reisen nach Skandinavien. Dort beschafften viele Ladenbetreiber Rampen in Eigenregie, die Behinderten eine ganz andere Mobilität böten, wie hierzulande. Aber so weit brauche niemand zu fahren, um Vorbilder zu finden. Schon in den Niederlanden sei die Mentalität in Sachen behindertengerechter Straßenverkehr eine andere.
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