Kreuzau - Die Akrobaten gehen die Wände hoch

Die Akrobaten gehen die Wände hoch

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Trickreiches Trainieren in der Gemeinschaft: Auch die Anfängergruppe des Turnclubs Kreuzau hat schon einiges zu bieten.

Kreuzau. Sie wirbeln durch die Luft, vollführen spektakuläre Bewegungen und landen weich auf der Matte. Was dem Betrachter den Atem anhalten lässt und Erinnerungen an „Karate-Kid”-Filme wachruft, ist die junge Sportart „Tricking”.

Sie kommt aus den USA und gewinnt zunehmend auch in Deutschland an Popularität. Vereine, die „Tricking” anbieten, gibt es hierzulande jedoch kaum. Eine Ausnahme ist der Turnclub 1889 Kreuzau. Er war der erste Verein überhaupt, der die Trendsportart vor eineinhalb Jahren in sein Programm aufgenommen hat.

Kampfsport trifft Bodenturnen

„Inzwischen sind wir eine Gruppe von 30 Leuten. Die meisten sind zwischen elf und 24 Jahre alt”, sagt Übungsleiter David Enns. Trainiert werden - einmal in der Woche in zwei Gruppen - sämtliche Facetten akrobatischer Bewegungen. Die haben zum Beispiel Namen wie „Backflips”, „Double Legs” oder „Butterfly Twists”. Dahinter verbergen sich Salti (Flips), Tritte (Kicks) und Schrauben (Twists). „Die Elemente kommen aus dem Kampfsport, Bodenturnen, Breakdance und dem brasilianischen Kampftanz Capoeira”, erklärt Enns. „Sie werden individuell kombiniert, und man kann seine eigenen Schwerpunkte setzen.” Festgesetzte Regeln oder Abläufe wie beim Turnen gibt es nicht.

Populär durchs Internet

Die Verbreitung kommt vor allem durch das Internet, denn viele „Trickster” stellen Videos von sich ins Netz. „Man sieht einen coolen Move im Internet und sagt sich, das will ich auch können”, erzählt der 20-jährige Anatolij Warkentin, der eigentlich aus dem Breakdance kommt und jetzt lieber Tricking macht. „Ich habe mal einen Handstand auf YouTube gesehen und drei Monate lang geübt, bis ich ihn konnte. Ausdauer und Perfektion sind hier gefragt.”

Beim Tricking geht es nicht um Leistung, sondern darum, mit viel Spaß bei der Sache zu zeigen, was in einem steckt. Zu etlichen Tricks wie etwa einem Salto brauche man Mut, sagt Enns, der eigentlich Student ist. „Das Reizvolle ist, seine eigenen Grenzen zu überwinden und etwas zu schaffen, von dem man nie gedacht hat, dass man es könnte”, sagt der Tricking-Trainer. Die Motivation ist der eigene Anspruch. Denn Tricking bedeutet hartes und langes Training. „Aber in der Gruppe inspirieren wir uns gegenseitig”, erklärt Warkentin.

Matthias Voßen, Geschäftsführer des TC Kreuzau, ist es wichtig, dass dem Nachwuchs zahlreiche Möglichkeiten geboten werden und neue Strömungen in den Verein einfließen. „Wir sind immer offen für Neues und machen Fortbildungen in allen Bereichen.” Insgesamt zählt der Turnclub 1806 Mitglieder, die in sechs Abteilungen aktiv sind. Davon sind mehr als die Hälfte (938) junge Leute bis 26 Jahre. Die meisten Jugendlichen sind in der Turnabteilung (434), gefolgt von Schwimmen (211), Ju-Jutsu (124) und Badminton (117), erläutert der Geschäftsführer. „Unsere Jugendarbeit ist sehr familienfreundlich ausgerichtet. Viele Jugendliche sind schon seit dem Kleinkindalter dabei. Sie haben mit Babyschwimmen oder Mutter-Kind-Turnen angefangen und sich später in anderen Abteilungen wie Volleyball oder Badminton sportlich weiterentwickelt.”

Auch das Gemeinschaftsleben wird im Verein große Bedeutung zugemessen. Seit 25 Jahren gibt es einen Jugendausschuss, der regelmäßig Freizeitaktivitäten organisiert. „Das ist ein junges und aktives Team von 14 Mitgliedern und nah dran an den Wünschen der Jugendlichen”, erklärt Jugendwart Patrick Sieben. Das Team organisiert jedes Jahr ein Grillfest, fährt in den Sommerferien in den Freizeitpark oder bietet ein Hallenwochenende mit Übernachtung, Schwimmen und Nachtwanderung an. Im Winter stehen dann Schlittschuhlaufen, eine Weihnachtsfeier und Ähnliches auf dem Programm. „Daraus erwächst innerhalb des Vereins ein großes Gemeinschaftsgefühl, und es entstehen neue Freundschaften quer durch alle Abteilungen”, sagt Sieben.

Deutscher Meister im Ju-Jutsu

Voßen nennt das „Sozialarbeit pur”. Doch könne der TC 1889 Kreuzau auch mit beachtlichen sportlichen Erfolgen aufwarten. Aus der Volleyballabteilung haben es zwei Damen bis in die Nationalmannschaft geschafft. Und bei der deutschen Meisterschaft im Formenwettkampf Ju-Jutsu holte das Vereinsteam 2008 sogar den Titel, erzählt der Geschäftsührer.

Alle zwei Jahre stellt der Verein eine große Sportshow auf die Beine. Tricking ist mit seinen artistischen Bewegungschoreografien bei solchen Veranstaltungen ein echter Blickfang. Doch das ist natürlich nicht der Grund, weswegen die Trendsportart in Kreuzau etabliert worden ist. „Wir sind eben ein lebendiger Turnverein”, freut sich Matthias Voßen und hofft auf noch viele neue Impulse.

Informationen zum Trendsport Tricking

Mitmachen kann jeder Interessierte. Alle sind bei Übungsleiter David Enns und seinen Trickingmitstreitern im Turnclub Kreuzau herzlich willkommen.

Übungszeiten sind montags 18 bis 19 Uhr (Anfänger) und donnerstags 19 bis 20.30 Uhr (Fortgeschrittene) in der Sporthalle Kreuzau am Windener Weg.

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