Düren - „Die 2. Chance” für junge Schulverweigerer

„Die 2. Chance” für junge Schulverweigerer

Von: Tobias Röber
Letzte Aktualisierung:
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Schüler des Projekts „Die 2. Chance” klettern die Karriereleiter hinauf . Simone Tönse (l.) und Heidemarie Hardacker (r.) freut das sehr. Foto: Röber

Düren. Alex hat schon länger keinen Brief mehr bekommen. Für den 14-Jährigen ist das aber kein Grund traurig zu sein. Im Gegenteil: In der Regel flatterte alle paar Wochen Post in den Briefkasten, abgesendet von seiner Schule. Der Inhalt war wenig erfreulich. Viele Fehlzeiten, schlechte Leistungen - immer wieder hatten seine Lehrer etwas zu kritisieren. Aber Alex hat sich gebessert.

Ein Grund ist das Projekt „Schulverweigerung - Die 2. Chance”, das vom Sozialwerk Dürener Christen angeboten und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie dem Europäischen Sozialfonds und der Europäischen Union gefördert wird.

Alex besucht die siebte Klasse der Hauptschule Birkesdorf, und er ist einer von zehn Schülern, die an dem neuen Projekt teilnehmen. Gerne spricht er nicht darüber. Kein Wunder, schließlich hat er häufig Kritik einstecken müssen. Doch dann lächelt er plötzlich sogar. Er erzählt, dass er sogar gelobt wurde - für ihn eine völlig neue Erfahrung.

Den Grundstein für diese und ähnliche Erfolgserlebnisse legen seit einigen Wochen Simone Tönse und Linda Malmros. Die beiden Sozialpädagoginnen betreuen das neue Projekt. Aber was genau machen sie mit den Schülern? „Wir arbeiten vor Ort und bieten in den Schulen offene Sprechstunden an”, erklärt Simone Tönse.

Klingt unspektakulär, zeigt aber schon nach kurzer Zeit den gewünschten Erfolg. Günther Kirschbaum, Geschäftsführer des Sozialwerks Dürener Christen, kennt den Grund: „Die Schüler stellen schnell fest, dass da eine Person ist, die sich um sie kümmert. Das tut ihnen gut.” Genau das hat auch Simone Tönse festgestellt. „Die Schüler sind froh, dass sie bei uns einfach mal Dampf ablassen können. Unser Vorteil ist zudem, dass wir von außerhalb kommen. Da ist es für die Schüler einfacher, zu uns zu kommen, als mit ihren Problemen zu einem Lehrer zu gehen”, sagt die Sozialpädagogin. Für die Schulen sind die zusätzlichen Kräfte ebenfalls ein Segen.

„Wir werden dadurch entlastet, und es ist gut, wenn eine externe Kollegin, die einen anderen Blick auf die Kinder hat, dazu kommt”, sagt Schulsozialpädagogin Petra Engels-Kersting. Schulleiterin Heidemarie Hardacker hat das Angebot sehr gerne angenommen: „Das ist eine tolle Sache. Schule muss sich öffnen. Je mehr Möglichkeiten wir anbieten, desto besser.”

Insgesamt erreichen die Sozialpädagoginnen mit ihrem Projekt zurzeit 70 Kinder und Jugendliche, ausgelegt ist es für 90. Angesprochen sind Schulverweigerer und potenzielle Kandidaten ab einem Alter von zwölf Jahren bis maximal zur letzten Klassenstufe. Pro Schüler ist das Projekt auf ein Jahr angelegt.

Damit die Schulverweigerer überhaupt die Möglichkeit bekommen, wieder besser in die Schule integriert zu werden, melden die Lehrer beim Sozialwerk den zweifellos vorhandenen Bedarf an. Ihre „Problemkinder” kennen sie über einen längeren Zeitraum. Heidemarie Hardacker erklärt: „Für die meisten der sogenannten Schulverweigerer ist es von Anfang an ein holpriger Weg. Oft beginnt es in der Grundschule und setzt sich dann bei uns fort. Und um dem entgegenzuwirken, gehören nicht nur die Gespräche, sondern auch individuelle Förderangebote, Projekttage, Elternarbeit und auch Werkstattarbeit.

Ganz wichtig ist, dass die Kinder und Jugendlichen freiwillig das Gespräch suchen. Alex nimmt das Angebot nach wie vor gerne an, und er hat für sich ein klares Ziel formuliert: „Ich will den Abschluss schaffen!” Dann nimmt der 14-Jährige auch gerne wieder Briefe an. Am liebsten mit Zusagen auf eine Bewerbung.
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