Die 100-Jährige, die sich mit Arbeiten fit hält

Von: Bruno Elberfeld
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Cäcilia Dolfen aus Großhau wird am 17. Oktober 100 Jahre alt. Blumen bereiten ihr eine große Freude. Ihr Rezept für ein langes Leben: Arbeit. Foto: Bruno Elberfeld

Großhau. „Wie – ich soll mit einem Rollator gehen?“ Cäcilia Dolfen, nicht weit von ihrem 100. Geburtstag entfernt, schaut die Pflegerin ungläubig an. „Ich kann noch ganz gut gehen, und den Treppenlift, den benutze ich auch nicht.“ Spricht es und geht ohne Hilfe stracks die Treppe hoch.

Die Pflegerin hatte es gut gemeint. Eine nahezu 100-Jährige fällt mit ihrem Verhalten jedoch aus der Norm, wenn sie die gewiss hilfreichen Geräte der Neuzeit nicht benutzen will.

Wer Cäcilie Dolfen zum ersten Mal sieht, schätzt sie viele Jahre jünger. Auf die immer wieder gestellte Frage, wie sie es geschafft habe, in diesem biblischen Alter noch so fit zu sein, hält sie immer wieder dieselbe Antwort parat: „Mit Arbeiten!“ Tochter Hildegard Berkele und Enkelin Anja Virnich nicken. „Meine Mutter hat Tag und Nacht im Auftrag für eine Firma genäht“, erzählt die Tochter. „Und dann das jahrelange Arbeiten auf dem Feld und im Garten“, ergänzt die Enkelin. Auf einem Bauernhof melkte Cäcilia Dolfen Kühe. Als Entlohnung habe es dann, erinnert sie sich, einen Liter Milch gegeben. Naturalwirtschaft im und nach dem Krieg.

Erst vor wenigen Monaten ist Cäcilia Dolfen, die manchmal damit kokettiert, dass sie erst 98 Jahre alt sei, in das Pflegewohnheim in Hürtgenwald gezogen. Und was macht sie da den lieben langen Tag? Die Chefin des Heims weiß es: „Frau Dolfen hält sich bei uns durch leichte Hausarbeit fit.“ So leiste sie einen großen Beitrag für die Wohngemeinschaft. Cäcilia Dolfen habe ihren Wohnort gewechselt und sei in ihre neue Großfamilie gezogen. Eine Mitbewohnerin gegenüber von Cäcilia Dolfen plaudert aus dem Nähkästchen: „Cäcilia und ich spielen fast täglich „Mensch ärgere dich nicht“. Ja, glauben Sie denn, ich würde einmal gewinnen? Cäcilia gewinnt immer.“

Geboren wurde Cäcilia Dolfen am 17. Oktober 1916 in Kerpen-Balkhausen. Dort besuchte sie acht Jahre lang die Volksschule. In Kerpen-Brüggen absolvierte sie eine kaufmännische Lehre. 1937 heiratete sie. Aus dieser Ehe gingen zwei Söhne und eine Tochter hervor. Ihr Mann wurde schon zu Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 eingezogen. Das Geburtsdatum ihres ersten Sohnes Hans Peter am 2. September 1939, vergisst Cäcilia Dolfen daher nicht.

Während des Krieges verbrachte die junge Familie zwei Monate in Oberschlesien. Während der ganzen Kriegswirren lebte sie in Balkhausen. Die Evakuierung kennt sie nur von Erzählungen.

Ihr Mann kam schwer krank aus Krieg und Gefangenschaft zurück. Bis zu seinem Tod vor 22 Jahren war er beruflich nicht mehr voll einsatzfähig. Deshalb musste Cäcilia den größten Teil der Lasten tragen. „Man kann alles, wenn man muss!“, war und ist ein beliebter Spruch der Jubilarin.

Immer für andere da

Als ihre Kinder aus dem Haus waren, wurden nach und nach sechs Enkel geboren. Auch für sie – wie konnte es aus Sicht von Großmutter Cäcilia anders sein – war sie da. „Unsere Oma hat uns alle mit fürsorglicher Liebe versorgt“, gesteht Enkelin Anja. „Oft wurde sie – weil sie alles überblickte und alles regelte – von uns im positiven Sinne „Der Admiral“ genannt.“ Inzwischen haben die Enkel auch Kinder, fünf an der Zahl.

Und wie war es mit Urlaub? Zur Silbernen Hochzeit ging es für kurze Zeit in den Schwarzwald in die Nähe von Freudenstadt. Zu ihrem 95. Geburtstag schenkten ihr die Nachkommen eine Familienreise nach Rom. Bei Papa Benedetto, dem deutschen Papst, war eine Generalaudienz gebucht. Enkelin Anja Virnich: „Das war eine Sache mit Hindernissen. Denn wir hatten den Einlass zur Audienz verpasst.“ Mit Engelszungen musste sie, Anja, einen Schweizer Gardisten davon überzeugen, dass dieses Ereignis für ihre 95-jährige Großmutter lebenswichtig war. Der Mann ließ sie durch einen Zaun ins Innere schlüpfen. Ende gut, alles gut.

„Ich würde heute noch einmal alles so machen, wie ich es gemacht habe“, sinniert Cäcilia Dolfen. „Trotz aller Not hatte ich ein erfülltes Leben, bis heute.“

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