„Dialog der Generationen“: Berliner Soziologe wirft Blick in die Zukunft

Von: Stephan Johnen
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Der Berliner Soziologe Bernd Schüler zeigte im Gespräch mit der Dürener CDU-Spitze Wege des Miteinanders von Jung und Alt auf. Foto: Stephan Johnen

Düren. „Bis zum Jahr 2030 werden keine riesigen Umwälzungen erwartet“, gab der Berliner Soziologe Bernd Schüler mit Blick auf den demografischen Wandel Entwarnung. Anders als in vielen Regionen Ostdeutschlands werde sich die Altersstruktur in Düren zwar ändern, von einer Überalterung aber könne nicht die Rede sein. Dennoch: Zeit sich auszuruhen gebe es nicht.

Das Phänomen, dass es gleich mehrere Generationen von Senioren gibt, sei ein neues. Die Gesellschaft müsse Antworten auf die Frage finden, wie sie mit den Herausforderungen einer sich wandelnden Gesellschaft umgeht. Auf Einladung der Dürener CDU analysierte Schüler im Komm die aktuelle Lage – und wagte einen Blick in die Zukunft.

Heute kommt in Deutschland auf einen Menschen unter 20 einer über 60 Jahre. Im Jahr 2050 wird dieses Verhältnis 1:3 betragen. „Wer soll dann die Renten und Gesundheitsdienste zahlen? Das Schlagwort vom ‚Krieg der Generationen‘ macht schnell die Runde“, sagte Schüler. Das Land steuere auf eine „onkel- und tantenlose Gesellschaft“ zu. Die Verwandtschaft dünne aus, die Lebenszeit verlängere sich, die Nächsten wohnen nicht mehr unbedingt in der Nähe, Hilfssysteme fallen aus, der Berufsalltag der jüngeren Menschen lasse kaum noch Zeit für Fürsorge zu. In absehbarer Zukunft nehme vor allem die Zahl der kinderlosen, allein stehenden alten Menschen zu. Generell gelte, dass der Austausch zwischen den Generationen vor allem in den Familien stattfindet. Zwei Drittel der Jugendlichen hätten außerhalb der Familie und der Arbeit/Schule kaum Kontakt zu Senioren.

Wie kann da von einem Dialog die Rede sein? „Wir bauen Brücken zwischen den Generationen. Den Erfahrungsschatz der älteren Menschen wollen wir dabei stärker zur Entfaltung bringen“, zitierte Schüler aus dem Koalitionsvertrag von SPD, CDU und CSU. „Was die Alten sagen, ist wichtig. Aber es darf kein Machtgefälle geben“, betonte er. Wissenstransfer sei keine Einbahnstraße, nur wechselseitiges Lernen führe zum Austausch. „Es reicht nicht, nur die Gemeinsamkeiten zu betonen“, unterstrich der Experte. Auch die Unterschiede und die Probleme müssten thematisiert werden. Verhältnis und Beziehungen zwischen den Generationen seien nicht selbst verständlich, sondern eine „zivilisatorische Aufgabe“. Er mahne vor Vorsicht bei Investitionen zugunsten einer Gruppe. Wer von altersgerechter Infrastruktur spreche, müsse alle Generationen im Blick haben. Generationen dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden.

In Zukunft müsse es gelingen, „die Potenziale der Alten zu aktivieren“, fordert Schüler. Zu viel Potenzial liege brach. Bürgerschaftliches Engagement sei eine wichtige Komponente. Um die Kommune generationengerechter zu machen, dürfe aber nicht von der Politik als Allheilmittel betrachtet werden. Während es bei den Jungen gelingen müsse, wieder mehr ein Nebeneinander von Ausbildung, Arbeit und Familie zu etablieren und den Leistungsdruck zu senken, müsse bei den Alten darüber nachgedacht werden, „den Ruhestand zu entprivatisieren“. Es sei fraglich, ob er Generationenvertrag auf Dauer funktioniere, wenn sich große Teile der Gesellschaft mit Renteneintritt zurückziehen, gab Schüler zu bedenken.

Ob Besuchsdienste, Partnerschaften, Hausaufgabenhilfe oder Schulprojekte: Möglichkeiten für den Dialog der Generationen gebe es viele. Die Politik müsse dafür Sorge tragen, dass es eine gute Infrastruktur gibt, dass Treffpunkte zur Verfügung stehen. „Und auch Budgets“, sagte Schüler. Es bedürfe keiner großen Summen, um gute Ideen zu verwirklichen, aber ohne Geld funktioniere es auch nicht.

„Es gibt noch zu viel Nebeneinander statt Miteinander“, wünschte sich Bürgermeister Paul Larue in der Diskussion eine vertiefte Zusammenarbeit der Generationen. Der CDU-Vorsitzende Thomas Floßdorf unterstrich die Notwendigkeit, das Thema Generationen beim Jugendamt der Stadt anzusiedeln. „Kaum ein anderes Amt arbeitet so generationenübergeifend.“ Robert Halstein, Vorsitzender der Senioren Union, berichtete von einem Projekt der Stadt Arnsberg. Dort sind zwei Mitarbeiter des Rathauses nur damit beschäftigt, die ehrenamtliche Seniorenarbeit in der Stadt zu unterstützen und Verbindungen zu knüpfen. CDU-Fraktionschef Stefan Weschke versicherte, viele Anregungen mit in die Haushaltsberatungen zu nehmen.

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