Deutschland ist ihre Heimat, Indien das Land für Projekte

Von: Carsten Rose
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Ist stolz darauf, mit 18 Jahren angefangen zu haben, ihre Eindrücke über Indien in Buchform zu veröffentlichen: Niharika Jesica Prakash. Foto: Rose

Düren. Deutschland ist ihre Heimat, Indien das Land für ihre Projekte. Niharika Jesica Prakash hat über ihre Erfahrungen in diesen beiden Kulturen 230 Seiten Text zusammengetragen, fertig ist sie aber noch lange nicht, sagt sie. Dafür hat sie zu viele Bilder geknipst und Eindrücke gesammelt, zu viel über die verschiedenen Kulturen gelernt – und dafür sei vor allem eine der beiden Kulturen zu komplex: die indische.

Die 19-jährige Tochter indischer Eltern ist in Düren aufgewachsen und hat – ohne Verlag auf Privatkosten – die erste Auflage eines Buches veröffentlicht, mit dem sie ihren zehnmonatigen Freiwilligensozialdienst in Indien aufbereitet hat. Es heißt „Deutschland und Indien – Ein Leben, zwei Kulturen“.

Die zweite Hälfte des Buches könnte ohne Probleme als kurzweiliger Reiseführer durchgehen, der mit etlichen Fotos das ländliche Indien aus subjektiver Sicht vorstellt. Das war auch ihr Anliegen, wie sie sagt: weniger schreiben, viel zeigen. Ihr zweites, und das etwas wichtigere Anliegen, das sie mit dem Buch verfolgt, ist die Gegenüberstellung beider Kulturen und Gesellschaften. In den Fokus hat Niharika Prakash das Bildungs-, Gesundheits- und Sozialsystem genommen.

Wie groß die Unterschiede zwischen Deutschland, ihrem Geburtsland, und Indien, der Heimat ihrer Eltern, sind, hat sie während ihrer Projektarbeit erfahren. In Nordindien, in einem Tal zwischen dem Fuße des Himalayas und dem Shivalik-Gebirge (200 Kilometer nördlich von der Hauptstadt Neu-Delhi), arbeitete sie sowohl mit Straßenkindern als auch Kindern aus ärmeren Familien. „In Uttarakhand, einem Bundesstaat, der erst 2000 gegründet wurde, ist die Bildung viel rückständiger als zum Beispiel im besser entwickelten Südindien“, sagt Niharika Prakash, die ins zweite Semester des Studienganges Gesellschaftswissenschaften an der RWTH Aachen kommt.

Sie hat sich für einen Sozialdienst in dieser Region entschieden, weil „die eigentliche indische Gesellschaft auf dem Land“ lebe; 70 Prozent der Bevölkerung. In Nordindien gebe es auch weniger interkulturelle Arbeit im Vergleich zu anderen Regionen, sagt ihr Vater Benjamin Prakash, der selbst aus dieser Gegend stammt, seit 1973 deutscher Staatsbürger ist und im Presbyterium der Evangelischen Gemeinde in Düren wirkt.

Niharika Prakash hat vormittags arme Eltern besucht und sie motiviert, ihre Kinder zum Nachmittagsunterricht zu schicken. Dieser bestand sowohl aus schulischen Aufgaben als auch aus Sport und Musik, „weil es das Angebot an manchen staatlichen Schulen nicht gibt“, sagt sie. Diese Zeit sei großartig gewesen, weil sie die Heimat ihrer Eltern nun besser versteht. Einfach war es aber nicht immer: „Einige Eltern haben anfangs Angst gehabt, dass ich die Kinder bekehren will, weil ich Christ und kein Hindu bin“

Mit einem zweiten privaten Projekt unterstützt sie den Bau von sanitären Anlagen – anfangs finanziert mit dem Geld, das sie vor der Abreise zum 18. Geburtstag bekommen hat. Das Projekt läuft auch weiter, obwohl sie nun wieder in Düren ist. „Eine Toilettenanlage ist ein echter Blickfang“, erzählen sie und ihr Vater stolz. Für Niharika Prakash, das sagt sie ehrlich, hätten sichtbare, materielle Erfolge aber wenig Bedeutung, wenn sie als Gast der „beziehungsorientierten“ Inder, wie sie sagt, nicht auch viel Würde und großen Respekt erfahren hätte. Ein Alltag ohne jede Privatsphäre sei ihr anfangs – gerade bei Konfliktsituationen – schwergefallen. Nach ihrer Rückkehr aber, schreibt sie in ihrem Fazit, fehle ihr „dieses nahe Leben“.

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