Deutsch-türkisches Theater: Kein Klischee ausgelassen

Von: Annika Johnen
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Murat Isboga in der Rolle des Ali Öztürk links; Roman Wissenbach in der Rolle des „typisch deutschen“ Stefan Müller rechts Situation: Beim Arbeitsamt

Düren. „Almanya, ich liebe dich“, betonte Schauspieler und zugleich Regisseur des gleichnamigen Stücks Murat Isboga der deutsch-türkischen Theatergruppe „Halber Apfel“ bei ihrer Aufführung im Haus der Stadt, organisiert vom Ideal Bildungsverein.

Vor voll besetzten Rängen, gaben acht der zwanzigköpfigen Theatergruppe unter dem Motto „Wenn der Vorhang aufgeht, treffen sich zwei Kulturen“ ein Stück zum besten, das aus dem Leben einer türkisch-deutschen Familie in all seinen Facetten erzählt. Von der Arbeitssuche über die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau, bis hin zu familiären Problemen kam kein Thema zu kurz und auch kein Klischee, sowohl auf deutscher als auch auf türkischer Seite hat die Theatergruppe ausgelassen.

„Sind heute Abend mehr Deutsche oder mehr Türken da? Mehr Deutsche. Okay, dann machen wir heute mehr Witze über Türken“, tönte eine Stimme noch vor Öffnen des Vorhangs aus dem Hintergrund und sorgte mit der für das Stück typischen Ironie direkt zu Beginn für großes Gelächter im Saal, das während der Aufführung keine Gelegenheit zum Abebben bekam. Eine Pointe, eine überspitzte Darstellung jagte die nächste mit Zuschauern, die aus dem Lachen nicht mehr heraus kamen, als Konsequenz.

Vor allem Murat Isboga in der Rolle des extravertierten Familienvaters Ali Öztürk entwickelte sich schnell zum Publikumsliebling und unterhielt den Saal mit seiner lauten, aufbrausenden und zugleich herzlichen Art. Ein Highlight war ohne Frage sein Talent zur Improvisation und seine durchaus charmante Selbstironie mit der er im Zuschauerraum Sympathiepunkte sammelte. Bei anderen Aufführungen würde ein Schauspieler, der über seine eigenen Witze während des Stücks lacht womöglich als unprofessionell gelten, doch in diesem Fall sorgte Isboga damit für ausgelassene Stimmung und eine Nähe zum Publikum, die ihresgleichen sucht.

Auch Tanz und Musik, egal ob eingespielt oder in Form von Live-Gesang auf der Bühne trugen zu einer lockeren Atmosphäre bei. Doch auch kurze Momente der Melancholie schimmerten in Form von Heimweh und der Sehnsucht nach der Familie immer mal wieder durch. Der unerwartete Tod des Großvaters Öztürk am Ende des Stücks bescherte einen unerwarteten Gänsehautmoment, mit dem nach all dem bunten, lebhaften Treiben auf der Bühne niemand gerechnet hätte.

„Wir möchten Menschen aus verschiedenen Kulturen erreichen, eine Brücke zwischen ihnen bauen und wie sollte das besser gelingen, als im Theater, wo wir zusammen lachen, unsere Zeit und Freude teilen“, stellte Gründer der Theatergruppe Murat Isboga in seinem abschließenden kabarettistischen Resümee heraus.

Alles in allem, ein runder Abend mit großen Gefühlen und einem Stück, das vor allem von seinen Dialogen und der herausragenden Leistung des Murat Isboga lebt. Unterhaltsam turbulent, zum Nachdenken anregend und verbindend – absolut gelungen!

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