Deutlich mehr Bekanntheit für das Luftwaffengeschwader in Nörvenich

Von: Sandra Kinkel
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Genau wie die deutsche Luftwaffe wurde 1956 auch der Fliegerhorst in Nörvenich gegründet. Überall an den Ortsgrenzen der Neffeltalgemeinde hängen Schilder „Heimat des Boelcke Geschwaders“. Foto: Sandra Kinkel
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Das Verhältnis zwischen Gemeinde, Bürgern und Bundeswehr ist mittlerweile sehr gut – davon zeugt auch die Tatsache, dass das Fliegerherbstfest am Freitag schon lange ausverkauft ist. Foto: Sandra Kinkel

Nörvenich. Als 1974 in Nörvenich die neue Hauptschule gebaut werden sollte, war Gerd Bandilla gerade einmal zwei Jahre Gemeindedirektor. „Damals haben wir festgestellt, dass die Hauptversorgungsleitung für die Stromversorgung des Fliegerhorstes genau durch das geplante Hauptschulgelände führte. Das wusste keiner, weil diese Information natürlich streng geheim war. Eigentlich hätte die Gemeinde damals die Leitung auf ihre Kosten umlegen müssen.“

Kostenpunkt damals: rund eine Million Mark. Geholfen hat Gerd Bandilla seinerzeit der damalige Kommodore des Fliegerhorstes Albert Weber.

„Der hat mir mit einem Augenzwinkern gesagt, die Leitung wäre zu klein und müsste sowieso erneuert werden. Nörvenich war damit aus dem Schneider. Zum Glück.“ Was Gerd Bandilla mit der kleinen Anekdote sagen möchte: „Die Bundeswehr hat sich von Anfang an um ein gutes Miteinander bemüht.“

Die deutsche Luftwaffe feiert in diesem Jahr ihr 60-jähriges Bestehen, und auch der Fliegerhorst Nörvenich wurde 1956 als erstes Jet-Geschwader überhaupt in der Republik gegründet. Anfangs hat es in der Neffeltalgemeinde große Proteste gegen den Luftwaffenstützpunkt gegeben.

Bürger von Nörvenich haben sogar mit schwarzen Fahnen vor dem Bundesverteidigungsministerium in Bonn gegen die Flugplatzpläne demonstriert. Und heute? Wie wichtig ist das „Taktische Luftwaffengeschwader 31 Boelcke“ für die knapp 11.000-Seelen-Gemeinde? Und wie ist das Verhältnis zwischen Gemeinde und Bundeswehr?

Bürgermeister Dr. Timo Czech (CDU) muss für eine Antwort auf diese Fragen nicht lange überlegen. „Der Flugplatz und die bis 2011 geltende Wehrpflicht haben Nörvenich in ganz Deutschland bekanntgemacht“, sagt er. „Und das Luftwaffengeschwader ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für unsere Gemeinde.“ Immerhin 950 Soldaten und 450 zivile Mitarbeiter arbeiten auf dem Bundeswehrgelände, eine „durchaus nennenswerte Zahl“ würde auch in Nörvenich wohnen, viele dort einkaufen und ausgehen.

„Viele Nörvenicher“, sagt Czech, „kennen ihre Gemeinde doch gar nicht ohne Fliegerhorst. Der Bundeswehrstandort ist für sie selbstverständlich. Und auch die Zahl der Beschwerden wegen des hin und wieder auftretenden Fluglärms nimmt immer weiter ab.“

Die Kommune profitiert aber auch in anderen Punkten ganz erheblich von den Soldaten. Seit Jahrzehnten fahren Schüler der Grundschulen in Nörvenich und Eschweiler über Feld zum Schwimmunterricht ins Bad auf dem Fliegerhorst-Gelände.

Czech: „Wir sprechen da von über 10.000 Jungen und Mädchen, die dort das Schwimmen gelernt haben.“ Zuletzt haben die Verantwortlichen des Geschwaders der Gemeinde Haus Hardt für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung gestellt – kostenlos.

Einer, der acht Jahre beim Luftwaffengeschwader als Chef der Flugbetriebsstaffel gearbeitet hat und in Nörvenich geblieben ist, ist Karl Hafenrichter. Der Pensionär ist in Böhmen geboren, in Bayern aufgewachsen und sagt heute, dass Nörvenich seine Heimat ist. „Unsere Kinder sind hier aufgewachsen, wir haben ein Haus in Nörvenich gebaut und fühlen uns wohl.“ Kein Wunder, dass Hafenrichter nach seiner Versetzung zum Awacs-Stützpunkt in Geilenkirchen nicht umziehen wollte. „Viele Nörvenicher haben uns mit offenen Armen empfangen. Wir leben gerne hier.“

Eine ähnliche Beobachtung hat auch Gerd Bandilla gemacht, als er 1972 seinen Dienst in Nörvenich antrat. „Die Bevölkerung war den Soldaten gegenüber immer schon positiv eingestellt.“ Viele Bürger hätten Arbeit auf dem Flugplatz gefunden, die Soldaten hätten sich am Vereinsleben beteiligt. Bandilla: „Nörvenich hat durch die Bundeswehr einen Aufschwung erlebt.“

Mit einer offiziellen Patenschaft (wir berichteten) hat das gute Verhältnis zwischen Gemeindeverwaltung und Luftwaffengeschwader eine offizielle Note bekommen. „Mit mir“, sagt Bürgermeister Czech, „hat es seit 1956 in Nörvenich vier Chefs der Gemeindeverwaltung, aber 21 Kommodore beim Geschwader gegeben. Damit die gute Verbindung unabhängig von den handelnden Personen ist, haben wir unsere Patenschaftsurkunde unterzeichnet.“

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