Der Wind macht die Musik: Dürener Orgelherbst beginnt

Von: Sarah Maria Berners
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Letzte Vorbereitungen vor dem Orgelherbst: In der Kirche St. Anna stimmen Orgelbaumeister Martin ter Haseborg und Hans-Josef Loevenich die Metzler Orgel. Foto: S.M. Berners
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Von den Tasten aus gehen Zugruten durch die Orgel, die die Ventile an den Pfeifen öffnen.
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Von den Tasten aus gehen Zugruten durch die Orgel, die die Ventile an den Pfeifen öffnen. Foto: S.M. Berners

Düren. Mit einer Lampe auf der Stirn und einem Pinsel in der Hand klettert Martin ter Haseborg die Holzleiter hinauf. Durch eine Luke gelangt er in die obere Etage der Metzler-Orgel in der Annakirche. „Das ist eine tolle Orgel“, sagt der Orgelbaumeister ostfriesischer Herkunft.

Einmal im Jahr kommt der Orgelbaumeister an die Rur, um sich die Pfeifen anzuschauen, sie zu stimmen, Tasten und Fußpedale zu reinigen, den Motor zu kontrollieren. Am Mittwoch war er noch damit beschäftigt, in Norwegen eine neue Orgel aufzubauen. „In vielen Orgeln gibt es Probleme mit Schimmel, hier ist davon aber nichts zu sehen“, sagt ter Haseborg nach einem kurzen Rundumblick. Auch Holzwürmer seien nirgendwo zu sehen Regionalkantor Hans-Josef Loevenich blickt zufrieden.

Allerdings muss in der Orgel vermutlich im kommenden Jahr ein „Großputz“ gemacht. „Staub setzt sich eben überall ab“, kommentiert ter Haseborg. Deswegen hat er auch den feinen Borstenpinsel immer griffbereit. „Auch eine Fliege kann eine Pfeife ein wenig verstopfen und damit den Klang beeinflussen.“ Wenn die beiden Experten ihre Ohren auf Töne der Orgel richten, hören sie viele Feinheiten hinaus. Feinheiten, die dem Laien entgehen.

„Orgel ist nicht gleich Orgel“, erklärt Loevenich. Bei der Königin der Instrumente gebe es einen Zusammenhang zwischen Kompositionen und Instrument, Orgelbauer und Komponisten hätten sich gegenseitig beeinflusst. „Deswegen lässt sich auch nicht jedes Werk auf jeder Orgel gleich gut spielen“, erklärt Loevenich. Kompositionen aus der Romantik seien eben für andere Orgeln geschrieben als Barockwerke. Die Orgel in der Annakirche bezeichnet Loevenich als „guten Kompromiss“. Auf ihr lasse sich eine große Bandbreite an Werken interpretieren.

Die Orgel in St. Anna wurde 2010 gebaut. Sie besteht aus 3016 Pfeifen, von denen einige nur wenige Zentimeter groß und andere mehrere Meter lang sind. Nur 50 Pfeifen sind von außen zwischen dem Eichenholz zu sehen. „Die Orgel hat 44 Register, ein Register steht für eine bestimmt Klangfarbe“, erklärt Loevenich. Gespielt wird auf drei Klaviaturen, die übereinanderliegen und Manuale genannt werden. „Mit den Füßen können wir über Pedale die Basstöne spielen“, beschreibt der Kantor.

Aber wie funktioniert eine Orgel? Wie gelingt es, dass bei Tastendruck die Pfeifen ertönen? „Dafür ist der Wind verantwortlich“. sagt Lövenich. Die Luft wird von einem Motor im „Erdgeschoss“ der Orgel angesaugt, über Blasebälge wird ein gleichmäßiger Wind in die Kanälen zu den Pfeifen geführt. „Wenn wir auf eine Taste drücken, öffnet sich ein Ventil, der Wind steht quasi schon vor der Tür und erzeugt ohne Verzögerung den Ton“, erklärt Loevenich.

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