Der Vergangenheit auf der Spur

Von: Stephan Vallata
Letzte Aktualisierung:
zivibu
Die Faszination für die Vergangenheit hat ihn fest im Griff: Moritz Wellemsen hat seinen Zivildienst in der archäologischen Denkmalpflege geleistet. Ausgrabungen gehörten neun Monate lang zu seinem Alltag. Foto: Vallata

Nideggen. Im Film besticht der Archäologe mit dem Doktortitel durch sein verwegenes Äußeres: „Indiana Jones” trägt das verwaschene Hemd weit aufgeknöpft, auf dem Kopf einen etwas ramponierten Filzhut und zur Selbstverteidigung eine Peitsche.

Die braucht er auch, weil er sich als aufrechter Kämpfer für das Gute regelmäßig mit Grabräubern und anderen finsteren Schergen des Bösen herumraufen muss - bei der Jagd nach der Bundeslade, dem heiligen Gral oder mysteriösen Kristallschädeln. Im wirklichen Leben - man ahnt es schon -Êmüssen sich Altertumsforscher bei der Ausübung ihres Berufs eher selten in Lebensgefahr begeben.

Moritz Willemsen hat diese Erfahrung und noch viele weitere in den vergangenen neun Monaten sammeln dürfen. Enttäuscht ist er deshalb aber nicht. „Ich fand es sehr spannend, in der Erde zu wühlen, auf Fundstücke zu stoßen und herauszufinden, worum es sich handelt.” Der 20-Jährige hat seinen Zivildienst bis vor kurzem in der Außenstelle Nideggen des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland geleistet.

Grabungsteams zu begleiten und zu unterstützen, darin bestand lange Zeit sein Alltag. Dass er in dieser Zeit keinen spektakulären Fund gemacht hat, kann der junge Mann ganz gut verkraften. Archäologie ist eben zu einem großen Teil harte Arbeit ohne Glamourfaktor. Und auf den ersten Blick unspektakuläre Funde wie Verfärbungen im Boden, anhand derer sich ganze Siedlungsstrukturen aus grauer Vorzeit rekonstruieren lassen, sind manchmal sogar viel ergiebiger für die Wissenschaftler als Gold und Geschmeide. Oft müssen erst einmal viele Puzzleteile aus dem Boden geholt und wieder zusammengesetzt werden, bevor sich ein komplettes Bild ergibt. Mühselig ist das.

Moritz Wellemsen weiß, wovon er spricht: „Die eigentliche wissenschaftliche Auswertung findet im Innendienst statt. Dort werden Fundstücke gewaschen, gereinigt und beschriftet.” Im Außendienst geht es mit Schaufel und Spaten etwas rustikaler zur Sache. Ein Bagger ist da eher schon purer Luxus. Wer sich die Hände nicht schmutzig machen möchte, sei dort eindeutig fehl am Platze, sagt der 20-Jährige. Zu seinen persönlichen Sternstunden während seines Zivildienstes zählt ein Grabungseinsatz in den Zülpicher Seegärten, wo ein Bombentrichter aus dem Zweiten Weltkrieg geradewegs durch einen Fund aus vorrömischer ging.

Auch das Identifizieren eines 1944 bei Blankenheim abgestürzten US-Kampfflugzeugs - einer Lockhead P38 Lightning -Êin Zusammenarbeit mit der AG Luftkriegsgeschichte Rhein/Mosel war für den jungen Mann ein echter Krimi: „Das Wrack bestand aus tausenden Teilen, die teilweise nicht größer als ein paar Zentimeter waren”, erinnert er sich. Dann musste auch noch der Kampfmittelräumdienst anrücken, um die Reste panzersprengende Munition zu entschärfen. Kontakte zum Amt für Bodendenkmalpflege hat Moritz Wellemsen schon früh geknüpft. Mit einem Praktikum vor etwa fünf Jahren fing alles an, danach war sein Interesse geweckt. „Ich hatte vor, Archäologie zu studieren, allerdings ist die Zukunftsperspektive auf dem Arbeitsmarkt nicht so berauschend.” Mittlerweile hat er wahlweise das Studium der angewandten Geographie oder Vermessungstechnick ins Auge gefasst. Im Film musste sich „Indiana Jones” nie mit derlei Existenzfragen auseinandersetzen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert