Der Traum vom Aufstieg in die erste Tourismus-Liga

Von: Hannes Schmitz
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Schöne Aussicht: Der Rursee z
Schöne Aussicht: Der Rursee zieht viele Touristen an. Und es sollen noch mehr werden. Eine Umsatzflaute gibt es in diesem mageren Sommer eher weniger. Foto: Johnen

Rureifel. Im Schatten der Burg Hengebach träumen die Heimbacher: vom Aufstieg aus der dritten in die erste Liga, in die Beletage des Tourismus. Visionen, die keine Utopie zu sein brauchen. Die Blicke wandern entlang der Rur, vorbei am altem Kraftwerk Richtung Staumauer, wo ein Feriendorf entsteht.

Ein niederländischer Investor glaubt an den Erfolg und mit ihm viele Einwohner. Gotthard Kirch, Geschäftsführer der Eifel-Tourismus, hofft gar auf „einen Quantensprung”. Rund 50.000 Übernachtungen zählte die kleinste Stadt in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr und könnte, wenn das Feriendorf seine Pforten geöffnet hat, auf 300.000 Übernachtungen pro Jahr anschwellen.

Da stört es in der Heimbacher Gastronomiewelt kaum, dass der Sommer keiner ist und die Außengastronomie im Schauer- oder Dauerregen des Öfteren baden geht. Nur leise sind die Töne, aus denen man leichtes Gejammer heraushören könnte.

„Ideales Kaffeewetter”, meint Rosemarie Breuer vom Café Rurblick, seien Temperaturen von 22 bis 24 Grad. Die gibt es ohne Zweifel in der Eifel, auch in diesen Tagen. Café-Terrassen füllen sich dann und viele der zahlreichen Wanderer, die das Naturerlebnis im Nationalpark genießen, gönnen sich dann vor der Abfahrt des Zuges etwas fürs leibliche Wohl.

Allerdings hat Rosemarie Breuer auch festgestellt, dass - sobald Wolken aufziehen - die Gäste lieber einen Zug früher nehmen. Der Tagestourismus ist für die meisten sowieso nur ein angenehmes Zusatzgeschäft, die Cafés setzen eher auf Stammgäste.

Über Umsatzflaute wird daher auch kaum gesprochen, weil es die, wie Gotthard Kirch erkannt hat, nur bedingt gibt: „Dort, wo Qualität geboten wird, bleiben die Gäste auch nicht aus”. So sei auch leicht abzusehen, welche Hotels, Pensionen oder Ferienwohnungen ausgebucht sind, und wo möglicherweise ein Schild „Zimmer frei” hängt.

Keine Probleme hat die Familie Jaques Falentyn. Sehr lange Zeit stand das „Hotel zur Talsperre” leer. Dann kam die niederländische Familie, kaufte, investierte, renovierte, achtete auf Standards in Ausstattung und beim Essen - und aus dem Leerstand von einst ist ein „Voll besetzt” geworden.

Das Erfolgsrezept des Quartetts: Niederländische Fröhlichkeit paart sich mit Eifeler Gemütlichkeit.

Während im Tal positive Stimmung herrscht, ist an und auf der Staumauer die Flaute jedoch spürbar. „Die Situation ist sehr schlecht”, stellt Markus Krischer von der Rursee-Schifffahrt fest.

Nach zwei guten Monaten im April und Mai folgten zwei „nicht berauschende Monate”. Die Oberdecks auf den vier eingesetzten Schiffen - jeweils zwei auf dem Rur- und Obersee - blieben vielfach ungenutzt. Krischer spricht von mehr als 50 Prozent weniger Fahrgästen im Vergleich zum Durchschnitt.

Und dabei hat er auch die Rurseebahn im Blick, die in den vergangenen Wochen immer weniger Touristen zur Anlegestelle befördert habe.

Ein paar Kilometer weiter in Schmidt sind die Hoteliers zufriedener. Ausgeklügelte Angebote sorgen für Anziehungskraft. Schon im vorigen Jahr wurden laut Statistik des „Rureifel-Tourismus” rund 40.000 Übernachtungen gebucht.

Zahlen, mit denen die „Altstadt Nideggen” nicht mithalten kann, auch weil sich dort die Übernachtungsmöglichkeiten in Grenzen halten. „Alles ist hier sehr verhalten”, äußert Günter Lindau vom „Ratskeller” seinen Unmut.

„Schlechtes Wetter, fehlender Tourismus und das Ausbleiben der Niederländer und Belgier” sieht er als Ursache für Umsatzrückgang. Aufgebracht reagiert er auf den Wegfall der Burgfestspiele: „90 Prozent der angemeldeten Besucher haben storniert”.

Zehn Prozent der Festivalgäste konnten wir halten, weil wir ihnen einen Shuttle-Service nach Merode anbieten”, deutet er den wegen der plötzlichen Absage entstandenen Schaden an.

Die Nideggener Geschäftsleute Inge Schröder und Dieter Hoven betrachten die wirtschaftliche Situation gelassen. „Nideggen ist ein merkwürdiges Pflaster”, meint die stellvertretende Vorsitzende der Geschäftsgemeinschaft, „mal brummt es im Städtchen, mal sind schon früh die Bürgersteige hochgeklappt”. Alles gleiche sich eben aus.

So sieht es im Rurtal auch die Familie Humpert, die Gut Kallerbend führt. „Manchmal ist es wochentags ruhig, dann strömen die Gäste am Wochenende in unser Haus”, beschreibt Karin Humpert das „alltägliche Geschäft”.

Unaufgeregt schaut sie aufs Wetter. „Die Besucher kommen, weil die Qualität stimmt, beim gastronomischen Angebot wie bei den Übernachtungsmöglichkeiten”. Kallerbend sei eben ein beliebtes Ausflugsziel.

Gleiches gilt für den Obermaubacher Stausee, an dem Peter Strepp seit fast 50 Jahren sein Café und Restaurant führt. Er kennt die Wetterkapriolen, die den 71-Jährigen nicht aus der Ruhe bringen. Sein Geschäft ist mit vom Tagestourismus abhängig. Großen Grund zu klagen hat er nicht.

Viele Niederländer kommen, die sich vom Wetter nicht abschrecken lassen. Natürlich sitzt auch bei seinen Gästen der Euro nicht mehr so locker in angespannten wirtschaftlichen Zeiten. Daher, so der erfahrene Gastronom, sei es wichtig, dass „man in schlechteren Zeiten selbst zulegen kann und auch eine Durststrecke überbrücken kann”.

Dass so etwas nicht im Rureifel- Gebiet passiert, hofft Gotthard Kirch natürlich. Er befürchtet jedoch, dass das schlechte Wetter dazu führen könnte, dass die Urlauber sich im nächsten Jahr andere Ziele suchen.
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