Der Tagebau rückt näher zu den Menschen

Von: Ingo Latotzki
Letzte Aktualisierung:
6583611.jpg
Blick ins Indeland: Der Bagger ist schon dicht an die Ortschaft Pier herangerückt. Das Dorf selbst ist längst verlassen. Nur wenige Kilometer entfernt liegt Merken. Der Dürener Stadtteil wird nach dem Ende des Tagebaus rund 150 Meter entfernt vom elf Quadratkilometer großen Loch liegen. Foto: Ingo Latotzki

Düren. Nach der Ankündigung des Energieriesen RWE, bis 2016 weitere 6750 Stellen abbauen zu wollen, sind Verantwortliche und Betroffene in der Region rund um den Tagebau Inden noch nachdenklicher gestimmt als vorher schon. Horst Knapp ist Sprecher der IG Merken und macht sich nach der Ankündigung, dass allein in Deutschland bis zu 4750 Stellen gestrichen werden sollen, Sorgen.

Merken, Dürens nördlichster Stadtteil, wird nach Ende des Braunkohleabbaus im Tagebau Inden zirka 150 Meter vom elf Quadratmeter großen Loch entfernt liegen. „Für uns fallen große Flächen Land weg“, sagt Knapp am Donnerstag. Dass RWE als Bergbaubetreiber „in der Pflicht ist, Kompensationszahlungen zu leisten, ist selbstverständlich“. Ob das aber in Zukunft so geschehen wird, wie sich die Merkener Interessengemeinschaft das vorstellt, bezweifelt Knapp.

Sein Stadtteil warte etwa auf finanzielle Unterstützung für den Bau einer so genannten grünen Achse, ein Freizeitweg, der quer durch die Ortschaft führen soll. Das aber sind im Vergleich der Sorgen, die Knapp sich auch noch macht, kleinere Dinge. „Was ist, wenn RWE bald mit seinen Kraftwerken kein Geld mehr verdient und die Rekultivierung der Landschaft nach dem Tagebau nicht mehr unterstützt?“, fragt Knapp. Was heute im Braunkohleplan an Maßnahmen festgeschrieben sei, wäre dann womöglich Makulatur.

Dass RWE und das Land NRW „sich angemessen finanziell beteiligen müssen“, sagt auch Jens Bröker, Geschäftsführer der Indeland GmbH, eine aus acht Kommunen bestehende Gesellschaft, die sich um den Strukturwandel rund um den Tagebau Inden kümmert. „Wir haben nach wie vor die Hoffnung auf Unterstützung. Wir wissen nur nicht, ob sie sich erfüllt.“ Indeland selbst werde seine Hausaufgaben erledigen. Derzeit wird unter anderem mit Beteiligung der Stadt Düren an einem Zwischennutzungskonzept für den Zeitraum 2030 bis 2060 gearbeitet. Das ist die Zeit, in der das Tagebauloch mit Wasser aus der Rur volllaufen soll.

Ursprünglich war geplant, Erde in das Loch zu füllen. Die Wasserlösung soll für RWE um einen dreistelligen Millionenbetrag günstiger sein. Die Stadt Düren klagt gegen den Restsee, weil ihrer Ansicht nach zu viel Fläche verbracht wird. Überdies sei der Stadtteil Merken dann verkehrstechnisch schlecht gestellt, da die Erreichbarkeit nördlicher Gebiete deutlich schlechter würde.

Noch hat das Verwaltungsgericht Aachen keinen Termin anberaumt, sagte Dürens Baudezernent Paul Zündorf, der weiter „gute Gründe für die Klage“ sieht. Auch wegen des Rechtsstreites konnte die Stadt Düren bisher nicht der Indeland GmbH beitreten. Die anderen Kommunen lehnen einen Beitritt aber auch wegen aus ihrer Sicht überzogener Forderungen der Stadt Düren ab. „Wir wollen angemessene Mitwirkungsmöglichkeiten“, sagt Dürens CDU-Fraktionsvorsitzender Stefan Weschke.

Bisher hat jeder der acht Gesellschafter je eine gleichberechtigte Stimme – unabhängig von seiner Größe und Betroffenheit durch den Tagebau. Düren schwebt ein größeres Gewicht vor. Ob und wann es zu einem Beitritt kommt, mit dem eine finanzielle Förderung durch das Land für die Stadt Düren einfacher werden soll, muss die Zukunft zeigen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert