Der Stadtarchivar und die Mission Ewigkeit

Von: Martina Rippholz
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Archivleiter Helmut Krebs zwischen Verwaltungsakten aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Foto: rip

Düren. Noch ist das ganze Ausmaß nicht abzusehen. Sehr wahrscheinlich wurden mit dem Einsturz des historischen Stadtarchivs in Köln jedoch unzählige Verträge, Urkunden und andere wertvolle Dokumente aus der Kölner Geschichte vernichtet.

Auch der Nachlass des Nachkriegsschriftsteller Heinrich Böll ist betroffen. „Es ist eine Katastrophe”, sagt Helmut Krebs. Er ist der Leiter des Dürener Stadt- und Kreisarchivs. Als Berufskollege und als Geschichtsbegeisterter weiß er, was der Einsturz für die Domstadt bedeutet. „Dort liegen unheimlich wertvolle Überlieferungen, die vielfach über Jahrhunderte erhalten worden sind.”

Zweimal zerstört

Ganz so kostbar sind die Archivalien im Dürener Archiv zum größten Teil nicht. Zweimal sind zahlreiche von ihnen zerstört worden, einmal 1543 und dann im Zweiten Weltkrieg. Dennoch: Im Erdgeschoss des Rathauses lagert heute ein ansehnlicher Bestand aus der Geschichte von Stadt und Kreis Düren ab dem 13. Jahrhundert: Ratsprotokolle, Bauakten, Kirchenbücher, Tageszeitungen, Fotos und Familiennachlässe.

„Insgesamt kommen wir auf 1,5 laufende Archivkilometer”, sagt Krebs. Eine konkrete Zahl lässt sich schwer nennen. Aber es sind zigtausend Archivalien, die das Gedächtnis an das Vergangene bewahren und lebendig halten. Und die geschützt werden müssen, vor Staub, Feuchtigkeit und der Zeit.

„Die Archivalien sollen sehr lange aufbewahrt werden. Das heißt, möglichst für die Ewigkeit”, sagt Krebs. Und das versuchen der Archivleiter und seine vier Mitarbeiter im Rahmen ihrer Möglichkeiten. So werden zum Beispiel die Verwaltungsakten der Stadt zunächst in Einbänden aus Pappe zusammengefasst. Drei solche Bände verschwinden anschließend in einem Karton.

Später werden sie dann im Magazin eingelagert. Dort stehen die hohen Archivregale, die nur mit einer automatischen Rolleinrichtung auseinander bewegt werden können, eng nebeneinander. Und dort müssen spezielle Klimawerte eingehalten werden. „Die Temperatur darf 18 Grad nicht übersteigen. Die Luftfeuchtigkeit sollte um die 50 Prozent liegen. Dann sind die Archivalien gut geschützt”.

Besonders alte Nachlässe sind in gesonderten Schränken untergebracht. Wie eine Heiratsurkunde aus Pergament aus dem 13. Jahrhundert, an der diverse mittelalterliche Siegel befestigt sind. Oder das Dürener Notgeld. Diese Münzen und Scheine wurden wegen der hohen Inflation nach dem Ersten Weltkrieg produziert, weil die reguläre Mark nichts mehr wert war. Einige kleine Schätze beherbergt das Dürener Archiv also durchaus. Und was geschieht, wenn eine ähnliche Katastrophe wie in Köln passiert? Ein Brand oder eine Überschwemmung?

„Es gibt schon Notfallpläne”, sagt Krebs. „Aber wenn wirklich ein Feuer ausbrechen würde, gäbe es Chaos. Wirklich schützen kann man die Archivalien gegen so etwas nicht.” Mehr Sorgen macht ihm aber das Wasser. Schließlich verlaufen dicke Rohre direkt über den Archiv-Schränken. „Wenn die mal platzen, wird es schlimm.”

Optimale Voraussetzungen für ein Archiv bietet das Erdgeschoss des Dürener Rathauses also nicht. Wann immer Kapazitäten und Gelder da sind, lässt Krebs daher Dokumente auf Mikrofilme bringen. So liegt unter anderem die Dürener Zeitung von 1945 bis 2006 in dieser papierlosen Form vor. Darüber hinaus beginnen die Archivare damit, die Fotobestände zu digitalisieren.

Eine andere Möglichkeit, den bedrohlichen Wasserrohren zu entkommen, wäre die Verlegung des Archivs zur Bibliothek ins Haus der Stadt. Diese Überlegung schwebt schon seit längerem im Raum. Überzeugt ist Helmut Krebs davon nicht: „Da herrschen ganz andere Strukturen.” Doch wenn es so kommen sollte, wird sich Krebs, der schon seit 1976 im Archiv tätig ist, auch damit arrangieren.
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